Neues vom Beauty Pro: Porentief nachgefragt

Von Beruf Versuchskaninchen

Als Beauty-Journalistin erlebt man viel. Oft wird man von Frauen beneidet, weil man Dinge kostenlos ausprobieren kann, die sich nicht jeder leisten kann. Aber es ist auch nicht alles Gold, was bei uns glänzt. Um Ihnen einen Blick hinter die Kulissen zu geben, was in meinem Leben als Testperson schon alles passiert ist, in positivem wie auch negativem Sinn, habe ich diese Kolumne geschrieben.
Was ich nicht schon alles ausprobiert habe! Es waren bestimmt Hunderte an Creme-Töpfen, Tuben und Seren, Facials und Microneedling zur Hautverjüngung, Ultraschall- und Radiofrequenz-Treatments gegen jegliche „Schwabbelzonen“ im Gesicht und am Körper. „Sagging“ klingt nicht gut, aber besser. So nennt der Mediziner die nachlassende Elastizität von Gewebe.
Margit Yoga Modepilot
Hard life: Margit beim Testen eines Resorts
Da waren dann noch jede Menge Kur- und Ernährungs-Programme für Figur und Gesundheit, Fitness-Tools und Methoden zum Muskelaufbau. Nur das Angebot, beim Bungee Jumping mitzumachen, habe ich abgelehnt. Ansonsten finde ich, dass man als Journalist besser über Dinge schreiben kann, wenn man sie erfahren hat. Deshalb habe ich über Bungee Jumping auch nie geschrieben und werde es auch nicht. Nur, wenn es um Innovationen im Beauty-Bereich geht, fange ich Feuer −­ vielleicht eine Grundvoraussetzung für meinen Beruf.

Die blinde Masseurin

Ich habe viele positive Erfahrungen gemacht, aber auch ein paar negative. Durchaus positiv war meine Entscheidung, schon frühzeitig mit Botox anzufangen − immer in kleinen Dosen und großen Zeitabständen. Andernfalls hätte ich längst das Erbe meiner Mutter angetreten und heute eine tiefe, einseitige Zornesfalte zwischen den Augenbrauen.
An die meisten Spa-Aufenthalte, die ich weltweit testen durfte, erinnere ich mich mit Freude. Das gilt auch für die Massagen, die meine Schwester und ich während unserer Weltreise überall auf der Südhalbkugel ausprobiert hatten. Insbesondere fällt mir dabei eine blinde Masseurin in Lima ein. Die zierliche Peruanerin war bis heute eine der besten TherapeutInnen, die ich je hatte, mit einem phänomenalen Tastsinn.

Flucht vor einer Kosmetikerin

Besonders ungern denke ich an eine Recherche für ein Frauen-Hochglanz-Magazin zurück. Diese führte mich für drei Wochen Tee-Heilfasten in ein sehr karges Kurheim in der Nähe von Heidelberg. 21 Tage lang nur Kräuter-Tee, Leberwickel und sonst nichts. Die ersten Tage war ich noch beschäftigt, weil ich trotz Veto des Kurarztes unaufschiebbar ein Buchmanuskript fertigstellen musste. Aber danach machten sich Langeweile und Frust breit. Nichts zu tun, nichts zu essen. Keinerlei Ablenkung wie irgendwelche Anwendungen. Einfach nichts.
Oder das berühmte Buchinger-Fasten-und-Wandern am Bodensee. Auch schon länger her, aber unvergessen ist der harte, eiskalte Duschstrahl jeden Morgen um sechs Uhr, mit dem man ohnehin schon frierend im Badeanzug aus einem Wasserschlauch abgespritzt wurde. Der Rest war ganz okay. Nur die von der Rezeption empfohlene Kosmetikerin außer Haus, war eine echte Katastrophe − und das nicht nur wegen der verstaubten, riesigen Stoffblumen in ihrem Behandlungsraum. Ihre Gesichtsmassage war so brutal fest, dass ich von der Liege aufgesprungen bin und der Behandlung vorzeitig ein Ende setzte.
Margit Versuchskaninchen Modepilot
Was man nicht alles tut: Versuchskaninchen Margit
Gegen ihre derben Hände waren die Birkenzweige, mit denen ich nach dem russischen Saunieren, Banja genannt, „abgerieben“ wurde, echte Samtpfötchen. „Quästen“ nennt man diese Art von Massage, die die Blutzirkulation anregen soll und durch den Birkengeruch ein frisches Gefühl auf der Haut zurücklässt. Übrigens war es das erste und einzige Mal, dass ich einen Test vorzeitig beendete.

Wenn sich das Versuchskaninchen die Haare rauft

Schrecklich fand ich auch die Thalasso-Therapie an der Atlantik-Küste mit den ständigen Wasseranwendungen und Meerschlamm-Packungen. Hinterher hatte ich das Gefühl, dass mir Schwimmhäute zwischen den Zehen wachsen würden. Ich muss zugeben, ich bin auch kein Kältetyp. Ein schlimmes Erlebnis hatte ich auch bei einer Ayurveda Kur in Österreich: trotz der wohligen Wärme während der Ölbehandlungen. Aber nach dem Shirodhara-Stirnguss in unserem Nachbarland waren meine damals noch sehr langen Haare so verklebt von dem warmen Kräuter-Öl, dass ich sie zig-mal waschen musste. Die Duschwanne lag voller Haare. Damit war die versprochene Erholung auch futsch. Hätte mir die Therapeutin vorher verraten, dass ich meine Haare lediglich mit einem Conditioner auf den Ölguss hätte vorbereiten müssen, wäre das alles nicht passiert. Danke dafür − zumindest für die nachträgliche Info!

Autsch, das ging daneben!

Auch im medizinisch-ästhetischen Bereich gab es einige unerwartete Zwischenfälle für mich als Versuchskaninchen. In den Pionier-Zeiten der dauerhaften Haarentfernung mittels Lichttherapie, hat mir die Behandlerin einen Unterschenkel ziemlich unschön verbrutzelt, weil sie die Haut falsch eingeschätzt und eine zu hohe Intensität am Gerät eingestellt hatte. Das Gegenteil habe ich auch schon davon getragen, nämlich einen Kälteschaden, der sich aber ähnlich wie eine Verbrennung äußert, nämlich mit großflächigen Blasen und Häutungsprozess. Passiert ist es bei einem Test eines neuen Kryolipolyse-Geräts. Der Chef-Trainer selbst hat es geschafft, die Innenseite meines rechten Knies so zu entstellen, dass ich für ein Jahr nur lange Hosen tragen konnte. Und das entsprechend auch im Hochsommer!
Aber wo gehobelt wird, fallen eben auch Späne. Aber wer sich nicht in Gefahr begibt, der erlebt auch nichts. Deshalb werde ich weiterhin Versuchskaninchen spielen.
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Photo Credit: Margit Rüdiger für Modepilot

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