Neues vom Beauty Pro: Porentief nachgefragt

Welche Säure ist die richtige für mich? Fruchtsäuren werden gerne als DAS Wundermittel für eine schöne, ebenmäßige Haut angepriesen. Aber mag unsere Schutzhülle das wirklich, dass ihre Oberfläche ständig attackiert wird? Als ich diese Woche mal wieder meinen Badezimmer-Schrank ausmisten wollte, stellte ich fest, wie viele säurehaltige Produkte sich dort befinden, die ich auch mehr oder weniger regelmäßig anwende: Peeling Pads, ein Overnight-Peel, ein Enzym-Peeling und dann noch diverse Retinol-Produkte.
Die Vitamin A-Säure ist zwar keine Fruchtsäure, hat aber dennoch einen verfeinernden Effekt auf die Hautoberfläche und macht sie – neben den vielen positiven Effekten wie Kollagenstimulation, etc. – empfindlicher. UV-Schutz ist übrigens nach allen Säurebehandlungen wichtig, da das Stratum corneum (die oberste Hautschicht) durch das Entfernen der abgestorbenen Hautzellen dünner wird.
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Welche Säure ist die richtige für mich? Models backstage bei Burberry Prorsum

„Active Skincare”

Fruchtsäuren – Das hört sich immer etwas martialisch an. Man denkt an Säureattacken, Verätzungen und solch schreckliche Dinge. Dabei gehören diese eher zu den sanften Möglichkeiten einer oberflächlichen Hautabtragung im Vergleich zu einer mechanischen Schleifkur. Fruchtsäuren sind eine Art von „active skincare“. Während ein Peeling durch die manuelle Rubbelwirkung nur die obenliegenden, abgestorbenen Zellen von der Haut nimmt, arbeiten Fruchtsäuren ein Stockwerk tiefer. Sie lösen die toten Hornteilchen von den frischen, gesunden Zellen. Sie ermöglichen es sozusagen, die alte Haut abzustreifen.
Gleichzeitig stimulieren sie die Kollagen- und Elastin-Produktion, die den Teint prall und glatt machen, und außerdem werden die Abwehrmechanismen der Haut aktiviert. Echt klug, diese Säuren! Auch äußerlich betrachtet haben AHAs einiges zu bieten: Sie wirken gegen Pigmentflecken, Unreinheiten, verstopfte Poren, Aknenarben, Sonnenschäden und Farbunregelmäßigkeiten.

Clevere Säuren: Welche Säure ist die richtige für mich?

Zu den bekanntesten Fruchtsäuren zählen: Glycolsäure, Apfelsäure, Brenztraubensäure, Zitronensäure, Weinsäure, Mandelsäure, Milchsäure und Ferulasäure. Meist werden sie kurz als AHAs bezeichnet (Alpha Hydroxy Acids). Dabei handelt es sich um wasserlösliche Säuren aus zuckerhaltigen Früchten. Eine Besonderheit ist die Salicylsäure, eine Betahdroxysäure (BHA - Beta Hydoxy Acid), die in der Rinde von Weiden vorkommt. Aber wie fast alle Säuren wird sie heute synthetisch hergestellt.
Im Gegensatz zu ihren fruchtigen Schwestern ist Salicylsäure fettlöslich und viel besser in der Lage in Poren und Talgdrüsenfollikel einzudringen. Das macht sie besonders geeignet für fettige und unreine Haut. Da sie die Follikelkanüle quasi porentief reinigt. Salicylsäure ist chemisch gesehen wie das Schmerzmittel Aspirin aufgebaut und besitzt  daher auch eine entzündungshemmende Wirkung. Allerdings sollte man vorsichtig sein, wenn man auf Aspirin allergisch reagiert.
Die Fähigkeit die Follikelkanäle quasi porentief zu reinigen, ist gerade bei der Akne-Behandlung sehr wichtig.
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Chemische Säuren: Welche Säure ist die richtige für mich?

Aber es gibt noch eine dritte „modernere“ Gruppe: „PHA (Poly Hydroxysäuren) sind von den genannten die neuesten chemischen Peelings, z.B. Lactobionsäure unnd Glucolactone. Sie wirken wie BHAs, sind aber wesentlich verträglicher und sanfter zur Haut. Dadurch sind sie gut geeignet für empfindliche Haut. Man kann sie sowohl für Anti-Aging-Maßnahmen als auch für Akne-Patienten und Patienten mit entzündlichen Hauterkrankungen verwenden, besonders, wenn diese eine empfindliche Haut haben“, erklärt die Münchner Dermatologin Dr. Elisabeth Schuhmachers.

Nehmen wir mal einige der gebräuchlichsten Säuren genauer unter die Lupe:

Glykolsäure, die aus Zuckerrohr gewonnen wird, ist das kleinste Molekül in der AHA-Familie. Das erlaubt ihr, tiefer in die Haut einzudringen und mehr zu erreichen. In einer Studie, die die Yale Medical School an der Yale University in New Haven/USA, durchgeführt hat, konnte nachgewiesen werden, dass Glykolsäure bei einer Anwendung von sieben Tagen Rötungen und Entzündungen durch Sonnenbaden um 16 Prozent verringert. Was vermutet wird, ist, dass die Säure die Wirkung der Antioxidantien in der Haut verstärkt. Allerdings wirkt Glykolsäure nur in ausreichender Dosierung (> 5 Prozent).
Enthält ein Produkt diese Konzentration, ist sie im obersten Drittel der Liste der Inhaltsstoffe als „Glycolic acid“ aufgeführt. Weil die Haut darauf gereizt reagieren kann, sollte man die Anwendung so eines Produkts langsam steigern. Peelings mit einer Konzentration über 15 Prozent können sehr effektiv sein, müssen aber professionell gehandhabt werden. Bei einer Konzentration von über 30 Prozent sollte man nur den Arzt oder eine medizinische Kosmetikerin ranlassen.

Mandelsäure

Mandelsäure ist mit ihren größeren Molekülen – selbst hoch dosiert (10 Prozent) – milder und verträglicher als Glykolsäure. Sie verursacht weniger Irritationen und ist deshalb auch für eine empfindliche Haut geeignet. Denn die großen Moleküle können die Hornschicht nur langsam passieren. Die Besonderheit der Mandelsäure hat der US-Dermatologe Mark B. Taylor in einer dreijährigen Studie belegt: Sie wirkt antientzündlich und antibakteriell, wovon gerade fettige, zu Unreinheiten neigende Haut profitiert. Außerdem ist sie ein Bakterienkiller, indem sie überschüssiges Fett absorbiert und damit den Bakterien die Grundlage für ihr Wachstum entzieht. Mandelsäure ist auch die einzige unter den AHAs mit einer natürlichen antibiotischen Wirkung. Eine vergleichbare Eigenschaft findet man nur bei der Salicylsäure.
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Apfelsäure

Apfelsäure, die man als „Malic acid“ auf der INCI (Internationale Nomenklatur für kosmetische Inhaltsstoffe) findet, ist extrem mild, aber dafür auch weniger wirksam. Sie wird deshalb auch kaum alleine eingesetzt, sondern mit anderen Fruchtsäuren kombiniert. Vielfach findet man sie in geringen Mengen in Antifalten-Cremes für eine sensible Haut, fahlem Teint, großen Poren und Feuchtigkeitsarmut.

Milchsäure

Milchsäure ist ähnlich großmolekular wie Mandelsäure und daher mild, weil die Moleküle eher an der Oberfläche agieren. Sie kommt auch in unserer Haut vor, deshalb ist die Anwendung besonders risikoarm. Das ist perfekt für sensitive Hauttypen. Verhornungen, Aknenarben, Pigmentflecken und erste Fältchen bei Feuchtigkeitsmangel lassen sich damit behandeln. Gute Erfolge erzielt man ebenso bei einer Haut, die zu Rosacea und anderen Problemen neigt, was eine aggressivere Säure noch verschlimmern würde. Anfangen sollte man mit einer 5-prozentigen Konzentration, dann langsam bis auf 10 Prozent steigern.

Zitronensäure

Zitronensäure wird kaum als alleiniger Peeling-Agent eingesetzt, weil sie dafür zu stark ist. Vielmehr wird ihre Wirkung genutzt, um andere Fruchtsäuren zu verstärken. Man findet sie beispielsweise in Kombination mit Glykolsäure. Die herausragende Eigenschaft von Zitronensäure ist ihr aufhellender Effekt, der genutzt wird, um Pigmentflecken und Sonnenschäden zu minimieren. Wie Vitamin C gilt auch sie als wirksames Antioxidans. In Cremes fungiert sie als natürlicher Konservierungsstoff und balanciert den pH-Wert aus.

Bloß nicht übertreiben

Aber kann man diese Säuren bedenkenlos kombinieren? Meine Bedenken bestätigt Dr. Schumachers: „Die Kombi von mehreren exfolierenden Produkten ist schwierig, da es auch einmal zu viel werden kann. Ich empfehle, immer nur ein Produkt zu einer bestehenden Routine dazu zu holen und das vorsichtig. Beispiel: Wenn man täglich Retinol verwenden möchte, dann sollte man das einige Monate machen, bevor man ein weiteres „aggressives“ Produkt dazu kombiniert.
Die Haut entwickelt mit der Zeit eine gewisse Toleranz gegenüber Retinol. Wenn das geschehen ist, kann man zum Beispiel anfangen, Peeling Pads in den Pflegeablauf zu integrieren. Fruchtsäure ist in sehr vielen Cremes und Seren in geringer Konzentration enthalten. Wenn man höher konzentrierte Fruchtsäuren verwenden will, kann man das als Kur über drei bis vier Wochen machen, um eine gute Exfoliation zu erreichen. Während so einer Kur sollte man mit anderen aggressiven Produkte besser pausieren. Ein beliebter Fehler bei exfoliativen Pflegeprodukten ist auch der ‚Viel hilft viel-Mythos‘. Es ist oft besser, die Cremes oder Seren nur dünn und nur einmal täglich aufzutragen.“

Woran merke ich, dass ich es übertrieben habe?

Hat man doch einmal zu viel des Guten getan. Woran merkt man, dass die Haut überexfoliert ist? „Es kommt zu Rötungen, Schuppung, Juckreiz bis hin zu einem ekzemartigen Bild. Viele Betroffene glauben dann, dass sie eine Allergie auf eines der Produkte haben. Tatsächlich war es aber einfach nur zu viel. Man stoppt dann die Anwendung, bis alle Symptome wieder verschwunden sind und fängt dann langsam wieder von vorne an.“
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