Neues vom Beauty Pro: Porentief nachgefragt

Haben Sie Hühnerhaut?

Nein, das ist kein Schreibfehler. Viele Frauen haben das Problem, das die Amerikaner wenig charmant als „Chicken Skin“ bezeichnen. Eine Freundin erzählte mir kürzlich ganz verzweifelt am Telefon, dass sie auf ihrer ansonsten reinen Haut kleine weiße Pickel unter beiden Augen entdeckt hat. Und nicht nur einen, sondern gleich mehrere. Das machte mich stutzig. Als ich dann die Gelegenheit hatte, das Problem persönlich in Augenschein zu nehmen, war mir klar: Das sind keine Pickel, sondern Milien. Und tatsächlich sieht eine Milien-Haut aus wie die von einem soeben gerupften Huhn. Kein sexy Thema, ich weiß, aber wer sie hat, möchte sie schleunigst wieder loswerden. Nur so einfach ist das nicht.

Milien: Hormone im Spiel?

Man diese tastbaren Pünktchen auch „Grieskörner” oder „Hautgries”. Sie treten bei jungen Frauen häufig im Rahmen des Menstruationszyklus auf oder auch während der Wechseljahre. Männer sind seltener betroffen, außer im Babyalter. Vor allem Jungs bekommen oft gleich nach der Geburt Milien. Das alles lässt vermuten, dass es etwas mit Hormonen zu tun hat, denn auch Babys sind natürlich während der Schwangerschaft den Hormonen der Mutter ausgesetzt. Sobald sich der Hormonhaushalt der Säuglinge normalisiert hat, heilen die Milien von selbst vollständig ab. Wissenschaftliche Beweise für den hormonellen Bezug fehlen allerdings bislang.

Harmlos, aber lästig

Milien bilden sich meist unter den Augen, im oberen Wangen- oder Schläfenbereich, aber auch in anderen Gesichtsregionen oder im Genitalbereich. Gefährlich sind die stecknadelgroßen, weiß bis gelblichen Körnchen keinesfalls, eher optische Störenfriede. Diese gutartigen Mini-Zysten unter der Haut bestehen aus Keratin und Talg. Es sind abgestorbene Hautzellen, die die Haut nicht abstößt, sondern unter der Oberfläche bunkert.
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Milienprävention: sich vor der Sonne schützen, z.B. mit diesem Hut aus der Sommerkollektion 2021 von Etro
In einer Hülle entsteht dann die ein bis drei Millimeter große gefüllte Hautzyste. Da sie sich nicht wie ein herkömmlicher Pickel verhält, sollte man sie auch auf keinen Fall so behandeln – auch wenn die Versuchung groß ist. Ausquetschen funktioniert nicht, allenfalls schädigt man die sensible Haut, und die feinen Äderchen darunter können platzen. Drückt man unsachgemäß an ihnen herum, kann es außerdem zu Entzündungen kommen. Also Finger weg!

Primär oder sekundär?

Fragt man einen Dermatologen, unterscheidet dieser zwei Arten von Milien: „Primäre Milien” nennt er die, die ohne erkennbare Ursache meist im Gesicht um die Augen herum auftreten. Hier vermutet man hormonelle Schwankungen. Stört man sich an den Körnchen, muss man sich professionelle Hilfe holen. Von selbst wird man sie nicht los. Anders bei den sekundären Milien, die normalerweise nach ein paar Woche von alleine verschwinden. Sie bilden sich als Folge von Hautverletzungen, beispielsweise Entzündungen, nach übermäßigem Sonnenbaden ohne UV-Schutz, Verbrennungen oder Hautabschürfungen. In manchen Familien und bei trockenem Hauttyp ist Hautgrieß häufiger zu beobachten. Deshalb spielen vermutlich auch die Gene eine Rolle. Sekundäre Milien können überall sitzen, weil sie dort entstehen, wo die Haut geschädigt wurde.
Der Hautarzt oder die Kosmetikerin ritzt die Haut über den Körnchen mit einer Lanzette (kleines Skalpell) leicht an und drückt dann die verkapselte Keratin-Talg-Substanz heraus. Wichtig ist, dass der Propf komplett entfernt wird, sonst entsteht eine neue Milie. Darin besteht auch die Gefahr, wenn man selbst Hand anlegt. Das kleine Einstichloch hinterlässt keine oder nur winzige Narben, die Wunde verheilt innerhalb weniger Tage. Gute Erfolge bringt oft auch eine Behandlung mit Retinol- oder Cortisonsalben unter ärztlicher Anleitung. Gegebenenfalls kann der Hautarzt noch ein stärkeres Geschütz auffahren. Vor allem wenn es sich um mehrere Milien handelt, setzt er den Erbium-Laser ein. Dieser trägt die oberste Schicht über den Zysten ab und verdampft deren Inhalt gleich mit. Es bilden sich kleine Krusten, die innerhalb weniger Tage abheilen. Weil die neu gebildete Haut extrem empfindlich ist, sollte man nach der Behandlung unbedingt einen hohen Sonnenschutz verwenden.

Vorbeugende Pflege

Gerade Frauen, die zu Hautgrieß neigen, sollten ihre Pflege darauf abstimmen. Das ist zwar auch kein Garant, dass die Körnchen ausbleiben, aber man kann das Risiko speziell mit bestimmten Inhaltsstoffen reduzieren. Gerade bei übermäßiger Talgproduktion ist eine gründliche Reinigung zweimal täglich zu empfehlen. Der Reiniger sollte die Haut aber nicht allzu stark austrocknen. Regelmäßige AHA-Peelings (Alpha-Hydroxysäuren wie Fruchtsäuren, Milch-, Mandel- oder Glykolsäure) verhindern, dass sich tote Zellen anhäufen und zu Milien werden.
Peelende Eigenschaften besitzt auch Retinol oder Vitamin A in Cremes und Seren. Übertreiben sollte man es allerdings auch nicht mit derartigen Maßnahmen. Sonst kann die Haut mit Irritationen reagieren. Außerdem macht Vitamin A die Haut lichtempfindlicher und verlangt tagsüber nach ausreichendem UV-Schutz. Idealerweise trägt man ein retinolhaltiges Serum deshalb nur abends und alternierend zu den Peelings auf. Weil zu viel UV-Strahlung die Grießkörner verstärkt, sollte man auch im Winter auf Lichtschutz achten.
Sehr trockene Haut kann ebenfalls die Entstehung von Milien begünstigen. Zu fettige Cremes sind allerdings kontraproduktiv. Besser sind Produkte mit Lipiden, die dem Verlust von Hautfeuchtigkeit entgegenwirken und sie hydratisieren mit Wirkstoffen wie Hyaluronsäure, Glyzerin und Kollagen. Einen guten Effekt können auch einfache Hausmittel erzielen. Allen voran: Gesichtsdampfbäder oder warme Kompressen mit Zutaten wie Kamille oder Heilerde. Anschließend ein reines Aloe Vera-Gel auftragen. Die Wüstenpflanze liefert nicht nur einen intensiven Feuchtigkeitskick, sondern besitzt auch entzündungshemmende Wirkung.
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Photo Credit: Catwalkpictures

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