Neues vom Beauty Pro: Porentief nachgefragt

Typgerechtes Duschen

Worüber man sich in so einem langen Lockdown Gedanken macht. Habe ich a.c. (ante Corona) oft zwei- bis dreimal am Tag geduscht, nämlich morgens und dann noch mal nach dem Sport und manches Mal auch abends – so überlege ich heute, ob mehrmaliges Duschen so gut für meine Haut ist. Und ob es eine ideale Tageszeit dafür gibt. Und was ist mit meinen Wohlfühlbädern, ein Ritual, das mich besonders in schwierigen Situationen tröstet?
Ich frage in meinem Umfeld nach „Wann und wie oft duscht ihr denn?“ Es kristallisieren sich zwei Lager heraus: die Frühduscher und die Spätduscher. Die Morgenduscher schwören auf den erfrischenden Strahl nach dem Aufstehen. Die Abendduscher sagen „Nee, morgens geht gar nichts, da schlafe ich lieber etwas länger“. Und die, die zweimal am Tag duschen, machen es routinemäßig, „weil man es so gelernt hat“. Erst einmal ist es offensichtlich eine Typfrage. Aber in Wahrheit steckt mehr dahinter. Denn Duschen erfüllt nicht nur den Zweck der schnöden Körperreinigung.
Chalayan Modepilot Typgerechtes Duschen
Typgerechtes Duschen? Fashion Show von Chalayan, Frühjahr/Sommer 2016

Fit in den Tag und entspannt in die Nacht

Wer morgens nur schwer aus dem Bett kommt, startet nach dem Duschen fitter in den Tag. Um in Schwung zu kommen, sollte das Wasser jedoch eher kühl sein. Beim Warmduschen steigt die Körpertemperatur zwar erstmal an, fällt aber genauso schnell wieder ab, wenn man aus der Dusche steigt. Das Abkühlen macht müde und gaukelt dem Organismus vor, dass Schlafenszeit ist. Denn auch ohne Dusche sinkt die Körpertemperatur abends, und man wird schläfrig. Hat man ein Thema mit Einschlafproblemen kann Warmduschen am Abend ein guter Trick sein: Durch die künstliche Abkühlung wird man schneller bettschwer.
Morgenduscher mögen wiederum ins Feld führen, dass der Körper nachts schwitzt und die Bakterien es sich dann auf Haut und Bettwäsche gemütlich machen. Und die will man nach dem Aufstehen doch lieber sofort wieder loswerden. Nicht zuletzt ist warm duschen die beste Möglichkeit, um zu entspannen, die Muskeln zu lockern und Stress abzubauen. Also doch morgens und abends duschen? Wer keine problematische Haut hat, kann das tun. Allerdings gilt auch dann: nicht zu lange „unter Wasser“ bleiben.
Was Dauer und Temperatur angeht, sollte man es weder in der Duschkabine noch in der Wanne übertreiben. Beim Duschen sind bereits zehn Minuten ausreichend. Wer auf ein gelegentliches Bad – wie ich – nicht verzichten möchte, sollte maximal 20 Minuten bei 37 - 40 Grad im Wasser bleiben. Sonst quillt die Haut zu sehr auf und der Säureschutzmantel braucht länger, um sich zu regenerieren. Auch stark schäumende Zusätze entziehen der Haut Fett und Feuchtigkeit. Ist die körpereigene Schutzschicht nämlich erst einmal angegriffen, haben Keime ein leichtes Spiel. Nach einem kürzeren Bad hingegen erholt sich der pH-Wert der Haut schneller, und Giftstoffe werden trotzdem aus dem Körper geschwitzt.

Auf den Körper hören

Kreislauf, Muskeln und Haut reagieren je nach Tageszeit sehr verschieden auf Wasseranwendungen. Heißes Wasser entspannt die Muskeln und weitet die Gefäße, wodurch der Blutdruck etwas absinkt. In Folge wird man wie gesagt schneller müde und kann besser einschlafen. Wer also lieber sehr warm duscht, sollte es auf den Abend verlegen. Ist die Haut eher trocken, profitiert sie ebenfalls von der abendlichen Dusche. Der Hautschutzmantel kann sich über Nacht leichter regenerieren, ihn stört keine enganliegende Kleidung, und auch Körperpflegeprodukte haben reichlich Zeit, um einzuziehen.
Für sehr trockene und empfindliche Haut stellt man die Wassertemperatur am besten immer auf lauwarm. Das ist für die Haut weniger strapaziös. Auch Duschgele können unnötig reizen. Deshalb seifenfreie, milde und pH-angepasste Reinigungsprodukte verwenden. Es reicht auch, nur die „geruchskritischen“ Zonen mit Duschgel zu reinigen, den Rest mit Wasser abspülen. Manchmal kann man sogar gänzlich auf Zusätze verzichten: „Wer nur verschwitzt, aber nicht verschmutzt ist, kommt gegebenenfalls auch ohne Reinigungshilfen aus. Die erwünschte Erfrischung bringt das Duschen ohnehin mit sich, und das Wasser hat einen Abspüleffekt”, bestätigt Hygiene-Mediziner Dr. Ernst Tabori, Direktor des Deutschen Beratungszentrums für Hygiene (BZH).
„Krank macht der Verzicht auf ein Duschgel jedenfalls nicht.” Menschen mit trockener Haut und insbesondere Neurodermitikern empfehlen Dermatologen ohnehin, maximal jeden zweiten Tag zu duschen. Ansonsten nur die Stellen täglich gründlich mit einem Waschlappen (Bakterienfänger! Täglich wechseln!) reinigen, an denen unangenehme Körpergerüche entstehen können. „Cleansing Reduction” nennt sich dieser Körperhygiene-Trend, der in jedem Fall den Säureschutzmantel der Haut intakt hält und so Hautjucken und Spannungsgefühl vorbeugt. Viele Dermatologen raten inzwischen sogar jedem, zum Schutz der Haut nur alle zwei bis drei Tage zu duschen.

Typgerechtes Duschen

Fassen wir zusammen: Duschen so lange wie nötig, aber so kurz wie möglich. Und das am besten auch nicht täglich. Wer nachts schwitzt, braust sich morgens ab, um den Schweiß abzuspülen und vor Geruchsbildung sicher zu sein. Fettige Haare profitieren ebenfalls von der morgendlichen Dusche, um die nächtlichen Talg- und Fettablagerungen zu entfernen und den Tag nicht mit platter Frisur verbringen zu müssen. Auch um den Kreislauf auf Trab zu bringen und Energie zu tanken, duscht man am besten morgens. Aber bitte kühl! Das macht munter und regt die Blutzirkulation an. „Es gibt keine wissenschaftlichen Belege dafür, welche Tageszeit besser für die tägliche Dusche geeignet ist”, sagt Dr. Amesh Adalja vom Johns Hopkins Center for Health Security in Baltimore. Allerdings räumt er ein, dass Menschen, die unter Akne oder einer Allergie wie Tierhaare, Hausstaub oder Pollen leiden, eher abends duschen sollten.
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Photo Credit: Catwalkpictures

Kommentare

  • Kathrin Bierling sagt:

    Liebe Margit,

    super! Beim Thema 'Duschen' hätte ich ja am liebsten nicht weitergelesen: Was sollte es da schon zu lernen geben? Aber Du hast mal wieder über meinen Horizont hinaus recherchiert.


    Ich wollte es nach dem Lesen Deiner Kolumne ausprobieren: Morgens nicht mehr heiß zu duschen. Aber ich kann einfach nicht darauf verzichten. Dafür brause ich mich anschließend eiskalt ab. Gilt das dann auch als schlaues Duschen?

    Liebe Grüße,

    Kathrin


    • Margit Rüdiger sagt:

      Liebe Kathrin,

      freut mich, dass du aus der Geschichte trotz des Thema, das auf den ersten Blick langweilig erscheint, etwas mitgenommen hast.

      Klar schafft es nicht jeder, auf die morgendliche heiße Dusche zu verzichten. Ich auch nicht! Aber ich versuche, die Temperatur nicht zu heiß einzustellen und nicht zu lange, dafür anschließend eiskalt abbrausen. Ich finde, wir beide sind da schon sehr smart unterwegs für den Anfang...

      Liebe Grüße, Margit