Neues vom Beauty Pro: Porentief nachgefragt

Was hilft gegen trockene Hände?

Hände verraten unser Alter, heißt es. Wenn ich mir meine gerade anschaue, müsste ich schon hochbetagt sein. So geschunden ist die Haut durch das ständige, Corona-gedankte Händewaschen und mehrmalige Desinfizieren am Tag. Da kommt man mit dem Eincremen gar nicht hinterher. Deshalb habe ich mir eine zwar Virus-schützende, aber trotzdem „Zurück-zu-Samtpfoten“-Strategie angewöhnt. Was hilft gegen trockene Hände?
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Balmain, Frühjahr/Sommer 2021
Es ist schon richtig, dass Experten uns ermahnen, täglich mehrmals die Hände mit Desinfektionsmittel zu reinigen und sie besonders sorgfältig, sprich mindestens 20 Sekunden lang, mit Seife zu waschen. Wir tun schließlich alles, um die Verbreitung des Virus zu verhindern. Aber es muss auch etwas sanfter gehen. Daher verabschiede ich mich vorübergehend von meinen schönen duftenden Seifen. Weil Duftstoffe die Haut mehr reizen und die natürliche Hautschutzbarriere stören können. Die Folge sind nicht nur raue Hände. Sondern die irritierte Haut bietet auch eine optimale Angriffsfläche für Schadstoffe und Mikroorganismen. Deshalb bin ich auf klassische Kernseife übergegangen. Genau, die Weiße mit der Prägung „Deutsche Kernseife“.

Was genau ist Kernseife?

Durch ein Jahrhunderte altes Verfahren, die sogenannte Verseifung, werden Fette oder Pflanzenöle mittels Natronlauge in die Natriumsalze der Fettsäuren und in Glycerin zerlegt. Was dabei heraus kommt, ist pure Seife. Sie ist nicht überfettet, enthält weder Duft- noch Farbstoffe, und wird deshalb auch Allergikern empfohlen. Etwas pflegender und moderner ist die Variante aus dem Biomarkt mit natürlichen Ölen aus Oliven, Aloe Vera oder Kokosnuss. Für unterwegs habe ich mir eine flüssige Arztseife „to go” (in einer kleinen Spender-Flasche) zugelegt, aus Pflanzenölen mit antibakterieller Wirkung. Beim Waschen achte ich darauf, dass das Wasser allenfalls lauwarm ist, fast schon kalt. Denn auch dadurch wird die natürliche Schutzschicht der Haut weniger stark strapaziert.
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Wir brauchen schöne Hände für den Sommer: Chloé, Frühjahr/Sommer 2021

Entweder-oder

Sind meine Hände wirklich schmutzig, wasche ich sie mit Seife und Wasser. Lautet das Urteil eigentlich „sauber", reicht ein Desinfektionsmittel. Allerdings beherzige ich immer öfter die Empfehlung der amerikanischen Dermatologin Dr. Paula Bourelly. Sie sagt, bei der Wahl zwischen dem herkömmlichen Händewaschen im Waschbecken oder Handdesinfektionsmittel sollte man immer dem Waschen mit Wasser und Seife den Vorrang geben. Das altbewährte Sterilium aus der Apotheke, wie es Chirurgen verwenden, habe ich abgeschafft. Mit 99 Prozent Ethanol-Gehalt killt es zwar Keime, beansprucht meine Haut aber viel zu sehr bei häufigem Gebrauch.
Als Alternative habe ich mir ein Desinfektionsmittel von einer Beauty-Marke gesucht, das ätherische Öle enthält, aber keine Duftstoffe. Das ist zwar vermutlich nicht so keim-tötend, dafür bin ich die juckenden, roten Stellen auf dem Handrücken los. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt übrigens Handdesinfektionsmittel mit mindestens 60 Prozent Alkohol (Ethanol oder Isopropylalkohol), um das Virus abzutöten. Was mir häufig auffällt, wenn ich andere beim Desinfizieren ihrer Hände beobachte: Sie sprühen oder gießen die Flüssigkeit in die Handflächen und reiben sie so lange gegeneinander, bis das Mittel eingezogen ist.
Aber was ist mit den Fingerspitzen? Gerade damit berühren wir doch vor allem öffentliche Flächen wie die Knöpfe am Aufzug oder den Touch am Geldautomaten. Deshalb: Fingerspitzen nicht vergessen!

Power Package

Egal wie sanft die Desinfektionsmittel sind, sie alle entziehen der Haut mehr oder weniger Feuchtigkeit. Und gerade die ist auf dem Handrücken sehr dünn. Dort haben wir kaum Fettgewebe und nur wenige Talgdrüsen. Die Handinnenflächen müssen sogar ganz ohne Talgdrüsen auskommen. Unter normalen Umständen bewahrt der natürliche Schutzfilm aus Fetten die Haut vor dem Austrocknen, vor Reiz-Stoffen und negativen Umwelteinflüssen. Doch „normal“ kommt derzeit in unserem Wortschatz nicht vor. Also muss ausreichend Pflege das Defizit ausgleichen.
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Balmain, Frühjahr/Sommer 2021
„Cremes sind besser als Lotionen, Salben wirken am besten – Sie sind jedoch aufgrund ihres übermäßigen Fettanteils eher für den Gebrauch vor dem Schlafengehen geeignet”, erklärt Dr. Bourelly. Ich habe mir gleich mehrere gute, duftfreie Handcremes zugelegt. Eine leichte Feuchtigkeitscreme, die nicht fettet, steht immer griffbereit am Schreibtisch, eine kleinere Tube habe ich in der Handtasche. Ich achte auf Inhaltsstoffe wie Glycerin und Ure (Harnstoff) zur Feuchtigkeitsbindung, sowie pflanzliche Öle wie Jojoba- oder Olivenöl. Eine Bodylotion ist übrigens nicht geeignet für die Pflege der Hände, weil diese – wie oben gesagt – anders aufgebaut sind als die übrige Haut des Körpers. Und von Handpeelings war ich persönlich noch nie ein Fan (wozu auch??), aber auf die sollte man in diesen „reizenden“ Zeit eh unbedingt verzichten.

Was hilft gegen trockene Hände?

Was ich dagegen für mich neu entdeckt habe, sind Handmasken. Am liebsten mag ich die vorgefertigten in einem Pflegehandschuh, der einfach übergestreift wird. Die Pflegesubstanz ist nach ein paar Minuten eingezogen. Reste können entweder einmassiert (bis übers Handgelenk) oder abgewaschen werden. Besonders reichhaltige Varianten lässt man am besten über Nacht wirken. Allerdings können die Handschuhe nur einmal verwendet werden. Sparsamer sind Handcremes, die man zur Maske umfunktioniert. Die Creme großzügig auftragen, gut einmassieren und im Anschluss Baumwollhandschuhe überziehen, das intensiviert die Wirkung.
Bis zu 30 Mal wieder verwendbar sind Handpads aus medizinischem Silikon mit hochwirksamer Hyaluronsäure angereichert. 2019 wurden sie mit dem „German Innovation Award“ ausgezeichnet. Die hautfarbenen Pads werden über Nacht auf den Handrücken geklebt. Durch das Mikroklima, das zwischen Silikon-Pad und Haut entsteht, kann der Wirkstoff optimal absorbiert werden und auch in tiefere Hautschichten eindringen. Am nächsten Morgen einfach abziehen und mit Wasser abwaschen.
Apropos Handschuhe: Zur Hausarbeit, vor allem wenn Wasser im Spiel ist, trage ich neuerdings immer Gummihandschuhe. Für feinere Arbeiten verwende ich dünnere Ausführungen aus Latex, obwohl ich finde, dass man mit behandschuhten Fingern viel weniger Gefühl hat. Aber meine Hände sind dankbar für diese Schutzmaßnahmen.
Mehr von unserer Beauty- und Medizinautorin Margit Rüdiger lesen Sie hier Ihr jeden Freitag auf MODEPILOT.de (all ihre bisherigen Pro-Kolumnen >>>) und auf ihrem Blog Culture & Cream (>>>)
Photo Credit: Catwalkpictures

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