Neues vom Beauty Pro: Porentief nachgefragt

Pflege grauer Haare

Die grauen Haare rauswachsen lassen, Färbemüdigkeit oder Trend? Keine Ahnung. Selbst Frauen, die einem strengen Protokoll unterworfen sind wie Königin Letizia von Spanien, zeigen plötzlich ihre Grauen. Grau ist nicht länger ein Nichts, sondern eine Farbe. Aber ganz so einfach, wie viele Frauen es sich vorstellen, ist der Umstieg von Totalfarbe auf schöne Silbersträhnen nicht. Deshalb hier meine eigenen Erfahrungen.
„Ich beneide dich. Du hast nicht mehr dieses ständige Theater mit dem leidigen Ansatznachfärben.“ Diesen Satz höre ich jetzt immer öfter von Frauen, seit ich bei meinen Haaren von Pechschwarz auf graugesträhnt umgestiegen bin. „Salz und Pfeffer” nennt man die Mischung aus hell und dunkel. Stimmt schon, meinen Ansatz muss ich nicht mehr nachfärben. Doch den übrigen Aufwand, den ich neuerdings mit meinen Haaren betreiben muss, steht dem von früher in nichts nach.
Margit Rüdiger Modepilot Beauty Pro Beauty Kolumne graue Haare
Graue Strähnen sind pflegeintensiv

Going grey

Die Grauen einfach wachsen lassen, wie es ihnen gefällt, und fertig ist der neue Style. Schön wär’s. Das funktioniert so leider nicht. Glück haben nur die Frauen, die ihre Haare zuvor nie mit Farbe malträtiert haben. Und wenn sie dann noch mehr Glück haben, bekommen sie auch wirklich ein schönes Grau, ein Geschenk der Natur. Aber leider ist das äußerst selten. Wir Anderen brauchen einen guten Friseur, der einem zur Seite steht, und auch viel Eigeneinsatz, damit das Grau auch wirklich gut aussieht und nicht nur einfach grau ist. Außer man kultiviert einen Zottel-Look, der irgendwo zwischen Hirtenhund und Märchenbuch-Hexe liegt.
Ob es cool oder oll aussieht, kommt auch immer auf das Grau an. Es gibt ein freundliches Aschton-Grau und eben auch ein edles Grau, wie man es oft an Italienerinnen sieht. Man sagt, dass die ehemalig Schwarzhaarigen das schönste Grau bekommen. So einen kühlen Grauton, der diese Salz-Pfeffer-Optik ergibt. In manchen Fällen wirkt es, als ob es mit Silber behandelt wäre. Aber bei den Südländerinnen ist das von Natur aus so. Bei mir nicht.

Das Ziel in weiter Ferne

Gut ein Jahr hat es gedauert. Der chinesische Philosoph Konfuzius behauptet zwar „der Weg ist das Ziel“. Doch ehrlich gesagt, wäre mir ein kürzerer Weg und ein schnelles Ziel lieber gewesen. Tatsächlich war der Weg zur Wunschfrisur lang und mühsam, was natürlich auch an der extrem dunklen Ausgangsbasis meiner Haare lag. Trotzdem hätte ich mir vorher nicht träumen lassen, wie aufwändig so eine Veränderung sich gestaltet. Ich dachte, ich gehe einfach zum Friseur meines Vertrauens und lasse mir silberhelle Strähnen in den dunklen Rest blondieren. Denkste!
Erstmal müssen die Grauen vier bis fünf Zentimeter herausgewachsen sein, bis ein Haar-Experte Hand anlegen kann. 50 Prozent fordert gar mein langjähriger Haar-Profi-Freund Manfred Kraft, der, seit er seine Salons verkauft hat, in Sachen Typberatung, Fotoshooting-Betreuung und Image-Beratung für Salons und Celebritys unterwegs ist. Die Übergangszeit habe ich versucht, mit Ansatzpuder zu bewältigen – mit mehr oder weniger Erfolg. Beim Auftragen mit dem Pinsel kam ich übrigens besser zurecht als mit Sprays. Der Pinsel erreicht einfach viel präziser die Ansätze als lediglich aufgesprühte Farbe. Aber mit der nächsten Wäsche war natürlich alles wieder weg und die leidigen Ansätze wieder deutlich sichtbar. Wenn ich davon zu sehr genervt war, habe ich es mit einer Intensivtönung mit leichtem Oxidant aus dem Drogeriemarkt versucht. Das klappte ganz gut, weil die Tönung nicht gleichmäßig abdeckt, sondern eher transparent ist. Es bleiben also bestimmte Anteile von Grau sichtbar. Aber Vorsicht, wenn jemand sehr feines Haar hat! „Dann deckt eine Intensivtönung viel stärker ab, und man hat fast wieder einen gefärbten Effekt“, so Kraft.

Erste Enttäuschung

Froh war ich schon, als dann endlich mein erster „Mutations“-Termin beim Friseur vor der Tür stand. Deshalb war die Enttäuschung besonders groß, als ich fünf Stunden später mit gelb- und orangestichigen Strähnen statt dem gewünschten coolen Silber auf dem Kopf wieder auf der Straße stand. Ich hätte heulen können. „Ganz normal“, erklärte mir mein Friseur-Freund. „Am Anfang ist immer noch die gefärbte Farbe von vorher im Haar. Daher ist es fast unmöglich, von Beginn an einen klaren Ton zu bekommen. Oftmals bleibt ein Gelbstich zurück, einfach weil die zuvor eingefärbten Pigmente schwerer herauszubekommen sind.“ Aha. Je dunkler vorher gefärbt war, desto schwieriger und langwieriger ist es offensichtlich einen schönen klaren Grauton zu bekommen.

Stilwechsel

Und dann wären da auch noch die Veränderung betreffend Outfit und Make-up. Mit schwarzen Haaren konnte ich einfach (fast) jede Farbe tragen. Anfangs mit den Gelb- und Orange-Strähnen kleidete ich mich nur noch Schwarz. Mit jeder Farb-Farbe kam ich mir vor wie im Karneval. Viel zu bunt, wenn es die Haare schon bunt trieben. Auch mein ohnehin schon geringes Make-up habe ich fast auf Null reduziert, nur noch etwas Wimperntusche und bloß keinen auffallenden Lippenstift. Diese Farb-Phobie hat sich erst gelegt, seit ich in diesem Jahr den Haarstyle erreicht habe, den ich mir vorgestellt hatte: Salz und Pfeffer.

Pflege grauer Haare beim Koloristen

Apropos Schnitt. Ich saß konsequent alle zehn Wochen zum Nachschneiden auf dem Friseurstuhl und einmal im Vierteljahr beim Strähnen. Um einen weichen Übergang hinzubekommen, werden Strähnen in den Ansatz gefärbt von der vorherigen Farbe, aber auch hellere. Manfred Kraft erklärt es so: „Ich gehe sozusagen einen Schritt zurück, indem ich nochmal von der alten Farbe einige Strähnen reinsetze und die Grauen, die bereits rausgewachsen sind, mache ich heller. Dadurch verwischt der Ansatz.“ Eine Millimeter-Arbeit für den Koloristen, weil die Strähnen extrem fein sein müssen, gerade bei nachfolgenden Blondierungs-Sitzungen. Ansonsten entsteht ein Gesamt-Grau-Eindruck. „Mehlhauben” wird er abschätzig genannt.
Seit meiner ersten super starken Blondierung bei einem anderen Friseur einige meiner Stirnsträhnen abgebrochen sind, mischt meine Farbexpertin Caro unter die Blondierung jetzt immer „Smartbond“. Das schützt die Haarfaser während der Coloration vor den aggressiven Chemikalien. Und danach bekomme ich jedes Mal ein Glossing, das die Farbe intensiviert und Glanz bringt. Insgesamt vier Farbentzug-Behandlungen habe ich gebraucht, bis ich endlich so richtig glücklich war mit dem Ergebnis. Aber die Arbeit zu Hause geht weiter…

Pflege grauer Haare – Anti-Gelbstich

Die Zeiten, als ich immer ein Shampoo benutzte, das ich gerade zur Hand hatte oder ein neues Produkt, das ich ausprobieren wollte, sind passé. Um gegen den Gelbstich vorzugehen, verwende ich ausschließlich Silbershampoos. Und danach öfter eine Kur mit Blau-Violett-Pigmenten. Damit tut man gleichzeitig etwas für die Pflege und bekommt einen schönen Grauton. Macht der Gelbstich sich mal wieder bemerkbar, lasse ich die Kur 20 Minuten oder länger einwirken, unter Plastikhaube und Handtuch. Andererseits darf man auch nicht zu häufig kuren, sonst nehmen die hellen Strähnen einen zu intensiven Violett-Ton an. Außerdem benutze ich ein Spitzenserum, das sich wie eine Rüstung um die Haare legt und nach dem Blondierenden ein Abbrechen verhindert. Jetzt soll noch mal einer sagen, graue Haare erfordern keinen Aufwand…
Mehr von unserem Beauty Pro Margit lesen Sie jeden Freitag hier auf MODEPILOT.de (all ihre bisherigen Beauty Pro-Kolumnen >>>) und auf ihrem Blog Culture & Cream (>>>)
Photo Credit: Catwalkpictures

Kommentare

  • Monika sagt:

    Oh je, ich glaub dann färb ich doch erstmal weiter.

    Ich dachte ja, dass es ein Mittel geben muss, dass alle künstlich zugefügten Farbpigmente dem Haar wieder entzieht, und man dann easy peasy seine grauen Haare hat. Leider hat mir mein Frisör diese Illusion genommen.

    Allerdings knallen die Farben deutlich besser auf den grauen Haaren, was auch nen schönen Look gibt. Den Stress den du dir gegeben hast, werde ich mir glaub ich nicht geben. Da mach ich lieber irgendwann Tabularasa und lass mir die Harre ganz kurz schneiden.


    • Margit Rüdiger sagt:

      Liebe Monika, das kann ich gut verstehen. Aber als ich das geschnallt habe, was es für einen Aufwand bedeutet, war ich schon mittendrin.

      Bin nur froh, dass das Ergebnis letztendlich so ausgefallen ist, wie ich es mir vorgestellt hatte. Liebe Grüße, Margit


  • Andrea sagt:

    Du machst mir ja Mut 🤣 Vielen Dank jedenfalls für deine offenen Worte und deine Ratschläge. Noch zeigen sich bei mir nur vereinzelt farblose Strähnchen im naturroten Schopf.
    • Margit Rüdiger sagt:

      Dann hast du ja noch ein bißchen Zeit. Aber graue Strähnen in Naturrot können auch toll aussehen. Lg Margit
  • Mia sagt:

    Achja, die lieben graue Haare :). Ich fidne die wirklich nicht schlimm. Ist halt der Lauf der Dinge. Es gibt drchaus schlimmere Sachen die man bekommen kann, wenn man älter wird.
    • Margit Rüdiger sagt:

      Da hast du natürlich Recht, es gibt durchaus Schlimmeres. Ich finde immer,

      es ist wichtig, dass man sich in seiner Haut wohlfühlt und da ist es

      durchaus legitim, ein bißchen nachzuhelfen 😉


  • vivien_noir sagt:

    Ich lass die Grauen seit 7 Jahren, seit ich 25 bin, einfach mal wachsen. Es gibt natürlich Kommentare von Kollegen, die auch schon einmal ungefragt meine Haare angreifen (und ich hasse, hasse, hasse das). Bei mir sind sie stressbedingt, und das sage ich auch denen, die fragen. Immer mit dem Zusatz: die sind alle selbst er-lebt, und die bleiben, die glänzen so schön! Das Coole: jetzt können sich Mama und ich Pflegetipps geben. Nachdem die Grauen meistens eine andere Struktur haben und "störrischer" sind, ist gute Pflege hier noch wichtiger. (Wir waren beide von einem Culum-Natura-Shampoo ganz überrascht und begeistert, weil wir seither beide keine Spülungen mehr brauchen. Vielleicht ist das für die ein oder andere auch ein guter Tipp?)
    • Margit Rüdiger sagt:

      Guter Tipp, liebe Vivien.Danke. Dass einem Leute ungefragt in die Haare greifen, finde ich unmöglich.

      Ich hasse das auch. Ebenso wenig wie man fremden Babys nicht über den Kopf streicht -

      selbst wenn es nett gemeint ist. Geht gar nicht. Liebe Grüße, Margit