Neues vom Beauty Pro: Porentief nachgefragt

Schminkfehler

Wenn man von der Frage absieht, ob man Make-up überhaupt braucht, um sich besser zu fühlen – wie in meiner letzten Kolumne erörtert (>>>) – , sollte man seine Schminkgewohnheiten von Zeit zu Zeit überprüfen, wie man auch seine Creme im Lauf der Jahre wechselt. Denn falsch geschminkt, das macht den Teint alt und fahl statt jung und frisch.
Ich liebe es, Gesichter zu studieren. Die Augen, die Mimik, die Haut. Bei Frauen achte ich schon berufsbedingt aufs Make-up. Da fällt mir immer so Einiges auf, was mir verbesserungswürdig erscheint. Manchmal muss ich mich zurückhalten, um nicht übergriffig zu werden. Im Stillen denke ich mir, dass weniger mehr wäre oder die Farben einfach nicht stimmen und das Objekt meiner Betrachtungen eigentlich viel attraktiver aussehen könnte. Denn das Gesicht ist in der Regel, wir sprechen jetzt nicht von Models, Fotoshootings und Runway-Anforderungen, keine Leinwand, die man nach Lust und Laune bepinselt. Gerade im Alltag und besonders bei einer Haut, die nicht mehr 25 Jahre jung ist, sollte man die Schmink-Routine den Gegebenheiten anpassen. Und da lautet das Rezept eindeutig: Weniger ist mehr!
Louis Vuitton Modepilot 2021
Louis Vuitton, Frühjahr/Sommer 2021

Falsch grundiert

Beginnen wir mal bei der Foundation. Ich bin überhaupt kein Fan davon, sondern mische lieber ein paar Bräunungsdrops unter meine Tagescreme, wenn ich mir zu blass vorkomme. Aber wenn schon Foundation, sollte die nur benutzen, wer sie tatsächlich braucht, um etwas zu überdecken. Starke Rötungen, Unreinheiten. Und dann bitte auch nur an besagten Stellen auftragen und gut verblenden. Sonst nimmt man der Haut den natürlichen Glow. Einer der häufigsten Fehler ist es, zu viel Make-up zu benutzen. „Caky" nennen die Amerikaner den Effekt, weil das Gesicht wie zugebacken aussieht. Das hat auch den Nachteil, dass sich die Pigmente in Fältchen und Poren absetzen und damit noch betonen, was man eigentlich kaschieren wollte. Oft reicht auch eine getönte Tagescreme und dann ein Concealer, um kleine Makel punktuell abzudecken. Aber eigentlich braucht man zwei davon: Einen im Hautton zur „Punktlandung“ und einen etwas helleren Ton für die Augenringe. Gegen das Absetzen der Pigmente hilft übrigens ein Primer, bzw. eine ausreichende Versorgung der Haut mit Feuchtigkeit.

Tonlage finden

Und nun zum Farbton der Foundation. Das ist eine Wissenschaft für sich. Frauen, die die Tendenz zu einer fahlen Gesichtsfarbe haben, sollten das Make-up einen Ton dunkler wählen. Über den Tag neigt die Haut nämlich dazu, immer mehr „ausgewaschen“ zu wirken. Die dunklere Foundation wärmt sie optisch und gleicht Zeichen von Stress und wenig Schlaf aus. Ist der Teint eher ungleichmäßig und tendiert zu Rötungen, geht man eine Nuance heller als der natürliche Hautton. Bei gelbstichiger Haut auf keinen Fall eine rosalastige Foundation verwenden! Das lässt unweigerlich älter aussehen.
Für ein ebenmässiges Finish die Foundation stets mit einem speziellen Pinsel oder einem angefeuchteten Kosmetik-Schwamm auftragen. Damit verteilt sie sich schön dünn, und das Resultat sieht natürlich und nicht angemalt aus. Ach, und dann der Hals, den darf man keinesfalls vergessen. Ein häufiger Fehler ist, dass die Foundation mit einem Rand an der Unterkieferkontur abrupt endet. Ganz schlimm, wenn die Farbe nicht hundertprozentig stimmt. Mein Tipp: Besser als den Hals mit Make-up zuzuschminken ist ein nicht zu dunkler Puderbronzer, den man mit einem dicken Pinsel verteilt, so daß Hals und Gesicht farblich harmonieren.

Schminkfehler mit Puder

Viele Frauen scheinen immer noch zu glauben, dass das Make-up mit Puder abschließen muss, weil es dann länger hält. Allerdings kann man damit allenfalls die T-Zone mattieren, wenn sie nachbetet. Bloß nicht den Bereich der berühmten Lachfältchen! Das ganze Gesicht abzupudern, hat den fatalen Effekt, dass man gut zehn Jahre älter aussieht. Gerade trockene Haut trocknet mit Puder noch mehr aus und jedes noch so kleine Fältchen wird betont. Mit einem Setting-Spray hat man diese Probleme nicht.
Louis Vuitton Schminkfehler Modepilot
Absichtlicher Schminkfehler bei Louis Vuitton, Frühjahr/Sommer 2021

Schminkfehler mit Rouge

Ich denke, man braucht es nicht zwingend. Einen Hauch Bronzer auf den Wangenknochen finde ich allemal natürlicher und attraktiver. Aber wenn, sollte man mit Rouge sorgfältig umgehen, da kann man jede Menge falsch machen: Zu tief aufgetragen wirkt das Gesicht hohlwangig. Die falsche Farbe lässt krank aussehen. Dicke rotbraune Balken sind ein Relikt aus den 80ern - und genauso alt sieht man damit aus. Rosige Frische erreicht man nur mit Korall- und Rosa-Nuancen. Bordeaux- und Brauntöne wirken viel zu hart. Und die Farbe gehört genau auf die Rundungen der Apfelbäckchen, nicht drunter, nicht drüber. Rouge in Puderform erst auftragen, wenn die Foundation trocken ist, andernfalls lässt es sich schlecht verblenden und wird fleckig. Creme-Texturen und Sticks sind einfacher in der Anwendung und - praktisch - können notfalls mal den Lippenstift ersetzen.

Schminkfehler bei den Brauen

Jared Bailey, Global Brow Expert bei Benefit Cosmetics, sagt: „Sie können sich entweder liften lassen oder ihre Augenbrauen ordentlich stylen.“ Klar, üppige Augenbrauen symbolisieren Jugendlichkeit. Nur, je älter wir werden, desto dünner werden sie und wandern auch etwas tiefer, weil die Haut erschlafft. Außerdem ist auch nicht jeder von Mutter Natur mit vollen Brauen ausgestattet. Da wird aufgefüllt und gemalt, was das Zeug hält. Am schlimmsten sind die übertrieben hochgezogenen Brauenbögen im Dauer-überrascht-Zustand.
Die perfekte Form zum Gesicht, lässt man am besten von einem Profi machen, wenn man sie nicht von Natur aus hat oder unter Wildwuchs versteckt hält. Dann fällt das Nachzupfen auch leichter. Zum Nachzeichnen dünner Brauen und zum Auffüllen kahler Stellen einen guten Brauenpuder verwenden, so gibt es keine harten Linien. Wer doch lieber zum Stift greift, da rät Jared Bailey: „Konzentrieren Sie sich darauf, nur die Lücken aufzufüllen, nicht die gesamte Braue nachzeichnen.“ Und auch da gilt, keine langen Striche ziehen oder die Bögen ausmalen. Das sieht unnatürlich und böse aus. Am besten „imitiert“ man in kleinen Strichen die echten Härchen und verblendet die Farbe mit einem Bürstchen.

Kleckern statt klotzen

Das gilt insbesondere für Farbe an den Augen. Bloß nicht zu viel Mascara, zu viel Lidschatten oder Eyeliner! Generell sollte der untere Wimpernkranz frei bleiben von Mascara und Kajal. Nicht nur, dass das optisch nach unten gezogene Auge einen müde und alt aussehen lässt. Getuschte Wimpern am Unterlid wirken schnell tantig. Setzt sich die Mascara dann auch noch auf der Haut ab, sieht es wie Augenringe aus. Lieber eine Kajallinie nah am oberen Wimpernkranz ziehen und für einen softeren Look gut verwischen. Ist die Linie zu dick und definiert, erscheint ein ohnehin schon kleines Auge noch kleiner. Bei Lidschatten auf Perl-Texturen setzen. Sie lassen die Augen erstrahlen, kaschieren kleine Fältchen und lenken von dunklen Ringen ab. Coco Chanel war bekannt dafür, dass sie weiße Blusen mit mehrreihigen Perlenketten kombinierte, um jünger und strahlender auszusehen. Dieses Erfolgskonzept von Madame funktioniert auch für die Augen.

Schminkfehler auf den Lippenstift

Matte Lippenstifte in dunklen Tönen sind gerade im Herbst angesagt. Aber man muss sich darüber im Klaren sein, dass dunkle Farben optisch verschlanken. Bei dunkler Kleidung ist der Effekt erwünscht, bei Lippen weniger. Denn wenn man nicht künstlich nachgeholfen hat, wird der Mund mit den Jahren meist von selbst schmaler. Und was matte Töne angeht, da hat mich Nicolas Degennes, Artistic Director bei Givenchy Beauty, mal in einem Interview in Paris geschockt: „Matte Farben auf den Lippen lassen tot aussehen“. Und das, wo ich gerade mit rotmatt geschminktem Mund vor ihm saß.
Jedenfalls plädiert Degennes für glänzende Formulierungen oder gar Glosse. Wünscht man sich seine Lippen voller, zuerst Gloss auftragen und dann den Lippenstift. Als Töne empfehlen Visagisten in solchen Fällen gerne Pfirsich- und Nude-Farben. Na ja. Für meinen Teil bleibe ich dann doch lieber bei meinem matten Orangerot – Alles muss man sich auch nicht vorschreiben lassen. Stimmt’s?
Photo Credit: Catwalkpictures

Kommentare

  • Petra sagt:

    Toller Beitrag
  • vivien_noir sagt:

    Sehr interessant. Ich würde mich mit Margit Rüdiger so gerne einmal für eine ausführliche Runde an Makeup-Besprechungen und Diskussionen zusammensetzen! Das wäre spannender als vieles, was ich mir vorstellen kann. Ich sehe auch sehr vielen Menschen auch berufs- und vor allem leidenschaftsbedingt ins Gesicht, und was ich da im Alltag alleine manchmal sehe! Ich sehe so viel Rouge, das nicht aufgetragen wurde (und das das Montagmorgen-Gesicht trotz ernster Laufstegmine auf der Rolltreppe zugleich so ätherisch und frisch erscheinen lassen könnte), so viel Mascara (und Wimpern-Extensions), die übertrieben wurden... und ich hatte auch schon einmal eine Dame in meinem Schminksessel sitzen, die bereits mit leichter "Grundlage" kam, dann ein recht starkes Makeup wünschte - und mich dann damit überraschte, dass mein "stark" keineswegs an ihr "stark" heranreichte! Am Ende war sie hochzufrieden, ich wäre aber lieber bei meiner weniger intensiven Variante geblieben, weil sie für mein Gefühl damit frischer und weicher gewirkt hätte. Ich würde einen Tupfen Concealer in die Tagescreme mischen, damit der Übergang vom punktuell gesetzten Concealer weicher fließt (the one and only, erst recht bei Haut über 35: ByTerry Densiliss Concealer, pflegt wie ein Serum, deckt mit einer beeindruckenden Natürlichkeit ab, der begeistert mich jedes Mal aufs Neue). Puder... hmm... gegen ein ganz zartes mit Hyaluron (Shamanic oder wieder ByTerry), oder ein Finishing Powder wie z.B. von Laura Mercier, in sehr geringer Menge mit einem guten Pinsel verteilt habe ich wirklich gar nichts einzuwenden! Es legt sich unsichtbar auf die Haut und bewahrt die Grundierung davor, in die Fältchen zu kriechen. Setting Spray darüber - sitzt. Passt. Perfekt! Und Glow schenken die meisten dieser Sprays auch noch. Ohne Puder merke ich zum Beispiel bei vielen Menschen (auch mit trockener Haut oder 35+), dass sie einen "Schwitz-Glanz" bekommen, aber das könnte auch der Studiobeleuchtung bei Shootings geschuldet sein (ich arbeite viel für Fotografen).

    Hach, es gäbe so viel zu besprechen!


    Matte Lippen setzen - finde ich - übrigens einen grandiosen Kontrast zu glowy oder glänzender Haut <3