Neues vom Beauty Pro: Porentief nachgefragt

Weiße Zähne – schwarze Paste

Es ist gruselig, wenn mich ein Gesicht – und sei es mein eigenes – aus dem Spiegel mit schwarzschäumendem Mund angrinst. Dabei ist Aktivkohle-Zahnpasta ebenso im Trend wie Putz-Pillen. Ist das nur ein Hype, oder können die auch was?
Zähneputzen ist zwar langweilig, aber notwendig. Klar, dass jede Abwechslung willkommen ist. Die Industrie rückt das Thema Zahnpflege deshalb immer wieder ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Seien es intelligente elektrische Bürsten oder schöne nostalgische Verpackungen. Unter der Rubrik Innovationsgags habe ich erstmal auch schwarze Zahnpasta eingeordnet. Doch man sollte sich nicht von Verpackung oder Marketing zum Kauf verführen lassen. Entscheidend ist immer noch, welche Inhaltsstoffe was bewirken sollen.
Bei schwarzer Zahnpasta handelt es sich meistens um Holz- oder Torfkohle. Aktivkohle zeichnet eine hochporöse Struktur mit einer enorm hohen Oberfläche von bis zu 1.500 m2/g aus. Man kann sich das wie einen Schwamm vorstellen, der in seinen Poren Giftstoffe, Schmutzpartikel und Bakterien gefangen hält. Auf diese Weise werden die Zähne gründlich gereinigt. Außerdem ist Aktivkohle ein natürlicher Zahnaufheller. Das hört sich erstmal nicht schlecht an.
Doch Kritiker behaupten, dass auch nützliche Bakterien mit entsorgt werden. Sie sagen auch, dass die Wirkung der schwarzen Zahnpasta mit großer Wahrscheinlichkeit allein durch den Abrieb entsteht. Und das kann langfristig zu freiliegenden Zahnhälsen und Kälteempfindlichkeit führen. Eine Meinung von Experten ist auch, dass die reaktionsfreudige Aktivkohle vermutlich bereits durch die weiteren Inhaltstoffe der schwarzen Zahnpasta vollständig beladen ist, bevor sie überhaupt an den Zähnen wirken könne.

Das sagt der Zahnarzt

Dr. Maximilian Geyer, München: Grundsätzlich ist Aktivkohle geeignet, Schadstoffe und Bakterien aufzunehmen und auch Verfärbungen abzuschmirgeln – je nach Feinheitsgrad der Partikel. Nur sind die Aktivstoffe längst weg, wenn die schwarze Paste auf die Zähne gelangt. Denn in der Tube kommt es zu einer Reaktion mit den anderen Inhaltsstoffen, und die schadstoffbindende Wirkung und der Weißmacher-Aspekt sind dahin. Für Weißmacher gibt es übrigens generell ein natürliches Limit: Der Helligkeitsgrad ist genetisch definiert. Um darüber hinaus zu gehen, bräuchte man Wasserstoffperoxid (H2O2).
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Charcoal statt Carbon Black

Eigentlich gibt es schwarze Zahncreme schon lange. Sie ist keine Erfindung unserer Zeit. Bevor es Zahnpasta gab, haben sich die Menschen mit Asche aus Holzverbrennung oder Tabak ihre Zähne gereinigt. In manchen afrikanischen und asiatischen Ländern putzt man teilweise heute noch mit Asche und Kohle. Wissenschaftlich belegen lässt sich die Wirkung der schwarzen Zahnpasta jedoch bislang nicht. Es gibt keine unabhängigen klinischen Studien. Ökotest hat immerhin mehrere Aktivkohle-Zahncremes getestet, und das Ergebnis war weniger als befriedigend. Denn nicht zuletzt ist nicht in jeder schwarzen Paste tatsächlich Aktivkohle enthalten. Manche sind lediglich mit farbgebendem Ruß versetzt. Auf der Packung unbedingt nach der Bezeichnung „charcoal“ Ausschau halten, denn dann ist definitiv auch Kohle enthalten.
Heißt der Inhaltsstoff „Carbon Black“ sucht man am besten sofort das Weite. Denn dahinter verbirgt sich Industrieruß, den die Internationale Agentur für Krebsforschung für den Menschen als möglicherweise krebserregend einstuft. Inwieweit das für die in schwarzer Zahnpasta verwendeten geringen Mengen gilt, muss noch untersucht werden. Außerdem können bei der Herstellung von Aktivkohle gefährliche polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe entstehen. Damit diese nicht in der Zahnpasta landen, müsste der Hersteller die Kohle reinigen. Ob das durchgeführt wird, kann man als Verbraucher nur direkt bei der Firma erfragen. Dass schwarze Zahncreme rußig schmeckt, muss man übrigens nicht befürchten. Die meisten haben ein frisch-limoniges Aroma. Nach dem Putzen den Mund am besten mit einer Mundspülung gründlich reinigen. Denn bis alle schwarzen Reste verschwunden sind, kann es etwas dauern. Ansonsten, das sagt zumindest mein Zahnarzt, ist Mundspülung ein nettes Add-on, aber man braucht es nicht.

Fluorid muss sein

Egal ob Ihre Zahnpasta schwarz oder weiß ist, Sie sollten auf den Fluoridgehalt achten. Das entzieht den Kariesbakterien im Mund den Nährboden und härtet den Zahnschmelz. Zahnfäule, Zahnfleisch- und Zahnbettentzündungen entstehen seltener. Dass Fluorid in die Kritik geraten ist, liegt daran, weil es in extrem hoher Dosierung gesundheitsschädigend sein kann, was den Markt für viele Alternativprodukte geöffnet hat. Die Salze der Fluorwasserstoffsäure können Krämpfe, Koma und Herzstillstand verursachen und sogar töten. Dazu müsste man allerdings auf einmal fünf bis zehn Gramm Fluorid zu sich nehmen, das entspricht mindestens 30 bis 60 Tuben Zahnpasta mit zulässiger Fluoridhöchstkonzentration.
Laut Kosmetika-Verordnung ist für Zahnpasten eine zulässige Höchstgrenze von 1.500 ppm festgelegt (parts per million eine Hilfsmaßeinheit, die man mit 'ein Millionstel' übersetzen könnte. Sie steht für die Zahl 10 hoch minus 6). Ideal ist die Kombination von Fluorid und Xylit, mindestens 10 Prozent. Zu der karieshemmenden Wirkung von Xylit liegen mehrere hundert Studien vor. Es reduziert die Bildung von Zahnbelag, denn genau dort befinden sich die Kariesbakterien. Beim Abbau von Zucker produzieren diese als Abfallprodukt Säuren, die den Zahn angreifen. Karies entsteht. Xylit hingegen können Kariesbakterien nicht abbauen, wodurch die Stoffwechsel-Aktivität dieser Mikroorganismen gesenkt wird.

Das sagt der Zahnarzt

Dr. Geyer: Es gibt nichts Besseres als Fluorid gegen Karies, zur Regeneration, Wiedereinlagerungen von Mineralien und den Säureangriff von Bakterien abzuwehren. Fluoride sind sehr gut erforscht und auch in Nahrungsmitteln wie Fisch und Tee enthalten. Um das schädliche Limit zu erreichen, müsste man Unmengen davon zu sich nehmen. Eine Zahnpasta ohne Fluorid kann man vergessen.

Erst kauen, dann putzen

Wenn man bedenkt, wie viele Zahncreme-Tuben pro Jahr weltweit entsorgt werden... Ein kluger Kopf hat ausgerechnet, dass alle der Länge nacheinander aufgestellt anderthalbmal um die Erde reichen würden. Dann macht Zahnpasta in Pulver- oder gepresster Pillenform durchaus Sinn. Hinzu kommt, dass die Plastiktuben schwer recycelbar sind. Außerdem verbleiben üblicherweise 14 Prozent der Zahncreme in der Verpackung, selbst wenn man meint, sie restlos aufgebraucht zu haben.
Putztabs werden immer komplett aufgebraucht. Sie sind entwässert, komprimiert und zum Beispiel in kompostierbare Papiersachets auf Maisstärkebasis verpackt. Hauptsächlich bestehen die Tabletten aus Zellulose. Diese sorgt dafür, dass die Zahnoberfläche glatt poliert wird und die Zähne glänzen. Auf den glatteren Oberflächen sollen sich auch weniger Beläge bilden können. Die Folge wäre weniger Zahnstein, weniger Karies und weniger Bakterien im Mund. Ob das tatsächlich stimmt, ist bisher wissenschaftlich nicht belegt. Tatsache ist, dass Konservierungstoffe, PEG (Polyethylenglykol) und Konsistenzgeber bei der Tabform nicht benötigt werden. Das Handling ist einfach: Die Pille mit etwas Wasser kauen, bis eine leicht schaumige Masse entsteht und dann wie gehabt mit der Bürste loslegen. Wer die cremige Textur bei seiner Zahnhygiene gewohnt ist, wird sich allerdings umstellen müssen. Die Tabs erzeugen eine leicht mehlige, bröselig-pastöse Konsistenz im Mund. Deshalb haben sie es auch oft etwas schwer, in die Badezimmern Einlass zu finden. Was in jedem Fall überzeugt ist der Umweltgedanke.

Das sagt der Zahnarzt

Dr. Geyer: Putztabletten haben den gleichen Reinigungseffekt wie Pasten. Was für sie spricht, ist tatsächlich das Einsparen von Plastikmüll. Aber wenn, dann auch Tabs mit Fluorid benutzen.
Mein ganz persönlicher Zahnhygiene-Tipp, zugegeben ich habe ihn von meinem Zahnarzt gelernt, als ich eine Entzündung am Zahnfleisch hatte: Kokosölspülung. Täglich einen Teelöffel so lange im Mund hin- und herschieben, bis das Öl dünnflüssig ist. Also mindestens 15 Minuten. Es entfernt die Bakterien und hellt zugleich die Zähne sanft auf. Ist zwar auch nicht durch Studien wissenschaftlich belegt. Aber bei mir hilft es.
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Photo Credit: Catwalkpictures

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