Neues vom Beauty Pro: Porentief nachgefragt

Kosmetik-tools für zuhause statt Kosmetikerin?

Auch wenn die Kosmetik-Institute wieder geöffnet sind, ist es mit Terminen dieser Art momentan schwierig. Warum nicht mal zu Hause ein paar Geräte ausprobieren, die ebenfalls schöne Haut und intensive Pflege versprechen, dachte ich mir. Lohnt sich die Investition? Genau das wollte ich herausfinden.

Ein Meteorit war schuld

Gua Sha heißt ein neuer Trend, der in USA enorm gehyped wird und den täglichen Stellenwert von Coffee to go erlangt hat. Es ist eine Steinmassage aus der chinesischen Medizin mit jahrtausendealter Tradition. Gua Sha, ausgesprochen wird es Quascha, soll bei regelmäßiger Anwendung eine bessere Durchblutung, Vitalität und Spannkraft des Teints erreichen. Studien belegen außerdem, dass damit Entzündungen abheilen können, das Immunsystem gestärkt wird, und sogar der Schlaf soll sich verbessern. Massiert wird mit einem schwarzen, flachen Stein mit abgerundeten Kanten in der Größe einer Streichholzschachtel. Er schmiegt sich warm in die Hand. Besser bekannt ist er als Bian Stone (ab 10 Euro, z.B. über Etsy).
Dank seiner vierzig Spurenelemente wird diesem Stein ein Anti-Aging-Effekt auf Zellen und DNA nachgesagt. Übrigens erzählt die Geschichte, dass er seine Entstehung einem großen Meteorit verdankt. Dieser soll vor rund 65 Millionen Jahren in Shandong, einer nordöstlichen Küstenregion Chinas mit der Erde kollidiert sein. Jedenfalls führt man den schwarzen Stein mit sanftem Druck in Streichbewegungen über die Haut, bis sie sich leicht rötet. Und das ist gewollt: „Gua“ heißt schließlich reiben, und „Sha“ beschreibt die daraus resultierende Röte der Haut. Ich hab’s probiert, und tatsächlich sah mein Gesicht danach entspannter und rosiger aus. Doch habe ich dafür auf Dauer die Geduld?
Modepilot Kosmetik-tools für zuhause
Home Spa-look von Brognano für Frühjahr/Sommer 2020

Kosmetik-tools für zuhause: Becher-Massage gegen Dellen

Und noch was Traditionelles, das wieder im Beauty-Gespräch ist: Die Anti-Cellulite-Saugglocken! Das Prinzip stammt aus der Alternativmedizin. Beim klassischen Schröpfen wird allerdings mit einer Glocke aus Glas gearbeitet, die direkt auf der Haut angesaugt werden und dadurch Unterdruck entstehen lässt. Blutergüsse sind da schon mal möglich. Das steht bei der Mini-Variante gegen Cellulite aus Silikon nicht zu befürchten, obwohl das Prinzip gleich ist: Die Saugglocke auf der zu behandelnden Körperzone aufsetzen und leicht zusammendrücken. Damit der Silikonbecher geschmeidig über die Oberfläche gleitet und das Vakuum darunter nicht verloren geht, habe ich meine Oberschenkel vorher mit einem Körperöl eingerieben. Fünf bis zehn Minuten muss man täglich mit dem Becher massieren – immer vom Knie aufwärts. Dabei wird die Hautdurchblutung und der Lymphfluß angeregt. Zugleich soll die Becher-Massage die Fettverbrennung anregen (z.B. CelluBlue, circa 20 Euro). Wer dranbleibt, der wird nach circa vier Wochen mit einem glatteren Hautbild belohnt. Glatter wohlgemerkt, denn völlig wegmassieren lassen sich die Dellen nicht. Ohnehin ist es klüger, und man lebt entspannter, wenn man Cellulite als Teil seines Körpers akzeptiert. Ist es nicht so, dass solche Merkmale uns nur individueller machen!

Kosmetik-tools für zuhause: Gesichtsreinigung

Die bewährte alte Reinigungsbürste, ein Klassiker ist die von Shiseido, kommt dem Geldbeutel am günstigsten (ca. 32 Euro). Sie soll unreine Haut, abgestorbene Hautschüppchen und verstopfte Poren beseitigen. Ihr Geheimnis liegt in den Borsten. Diese sind besonders weich, weil sie mit flexiblen Silikonpolstern ausgestattet sind, die sanft nachgeben. Deshalb bestens geeignet für empfindliche Haut, die zu Rötungen neigt. Ich habe sie morgens und abends zum Abschminken, bzw. Reinigen benutzt, auch unter der Dusche. Am besten ist die Wirkung in Verbindung mit einem Reinigungsschaum. Der ist nicht gerade mein Favorit, aber zugegeben, das Hautbild sieht schon nach der ersten Anwendung feiner aus. Allerdings habe ich trotz gründlicher Reinigung der Bürste nach jeder Benutzung stets das Gefühl, dass sie doch nicht ganz keimfrei ist.

Elektrische Tiefenreinigung

Das „Keimproblem“ ist auch das, was Experten an elektrischen Gesichtsbürstchen bemängeln. In den Bürstenköpfen können sich schnell Schmutz und Bakterien ansammeln, die sich nur unzureichend wieder beseitigen lassen. Man unterscheidet zwischen Modellen mit rotierenden und solchen mit oszillierenden Bürstenköpfen (z.B. Clarisonic, circa 200 Euro). Die rotierenden Versionen fahren mit kreisrunden Bewegungen über die Haut und massieren sie. Oszillierende Bürsten schwingen in vibrationsartigen Bewegungen von links nach rechts. Was sie können? Sie arbeiten die Reinigungslotion auch in Mimikfalten und an Stellen ein, die man mit den Fingern nicht erreichen kann. Außerdem werden tote Hautschüppchen entfernt. Auch hier ist das Hautbild anschließend klarer und gut durchblutet.
Mit den rotierenden Modellen komme ich weniger gut zurecht, da sie die Haut leicht zerren. Weniger strapaziös für die Haut empfinde ich oszillierende Bürsten. Aber auch dann ist mir der tägliche Gebrauch, wie häufig empfohlen, zu viel. Maximal dreimal die Woche reicht mir als Tiefenreinigung. Definitiv sanfter zur Haut sind die elektrischen Gesichtsreinigungsgeräte aus medizinischem Silikon (z.B. Beurer, circa. 41 Euro). Der Bürstenkopf besteht aus hautfreundlichen, weichen und nicht porösen Silikonnoppen, die leicht zu säubern sind. Die Wirkung entsteht durch Schallwellen, bzw. Vibrationstechnologie. Poren werden geöffnet, Ablagerungen entfernt. Betrieben wird das Gerät über einen Akku. Praktisch: Man kann es gefahrlos auch in der Dusche oder Badewanne benutzen.

Kosmetik-tools für zuhause: Die 90-Sekunden-Maske

Meinem ungeduldigen Naturell kommt ein Gerät besonders entgegen. Damit kann ich koreanische Tuchmasken, die normalerweise 20 Minuten einwirken sollen, auf 90 Sekunden verkürzen. Und trotzdem strahlt die Haut danach. Das Ufo, so heißt das Ding tatsächlich, arbeitet mit Thermo-, LED Licht-Therapie und T-Sonic Pulsationen. Je nach verwendeter Maske werden die Technologien individuell kombiniert und in die tieferen Hautschichten transportiert. Die Anwendung ist einfach: Massagegerät mit der App verbinden, den Haltering vom Gerät nehmen, die kleine runde Mini-Tuchmaske einlegen und wieder schließen. Entsprechend dem gewählten Pflegeziel stimmt sich das „Ufo“ automatisch mit der App ab und legt los. Mein Favorit ist die H2Overdose Mask, weil sie mit reichlich Hyaluronsäure die Haut sofort aufpeppt. Einziger Wermutstropfen: Die verschiedenen Pflegemasken sind mit 20 Euro für sechs Stück nicht gerade günstig, das kleinste Gerät von Foreo kostet 99 Euro. Aber vom Effekt her lohnt sich der Einsatz.

Rollen mit Nadeln

Die Microneedling-Technologie ist bei den Pflege-Profis längst State of the Art. Mit einem speziellen Nadelroller werden kontrollierte Mikroverletzungen in der Haut gesetzt, um die natürliche Kollagen-Produktion anzuregen. Solche Dermaroller mit etwas kürzeren Nadeln gibt es inzwischen auch für den Heimgebrauch (ab circa 10 Euro). Man kann sie im gesamten Gesicht benutzen, bevor man beispielsweise ein Serum aufträgt. Umgekehrt ergibt es wenig Sinn, weil dann zu viel von dem Produkt in den Nadeln hängenbleibt.
Ich benutze meinen Roller in Verbindung mit einer Lippencreme (z.B. von Doctor Mi!, circa 59 Euro). Das piekst am Anfang unangenehm, weil gerade die Lippenhaut und die Partie um den Mund herum empfindlich ist. Aber es ist auszuhalten, und tatsächlich sehen die Lippen kurz nach der Anwendung voller aus und haben mehr Farbe. Nach ein bis zwei Stunden ist der Effekt leider wieder weg. Allerdings stelle ich fest, dass die Oberlippenfältchen flacher werden. Bringt aber nur etwas, wenn man am Ball bleibt. Wer dazu neigt, solche Beauty-Aktionen nur anfallsweise durchzuführen, der kann es gleich lassen.
Noch ein Wort zum Schluß. Wenn Sie mich fragen, ob Beauty-Tool oder Kosmetikerin. Ich gehe doch lieber zu „meiner“ Julia ohne App-gesteuerte Gesichtsreinigung und „alte“ Steine auf der Haut. Ich mag die klassische Methode von menschlichen Händen berührt und massiert zu werden. Denn gerade eine Massage kann man an sich selbst nie mit demselben Entspannungsfaktor durchführen wie man ihn auf der Kosmetikliege erlebt.
Mehr von der Autorin lesen Sie hier auf MODEPILOT.de jeden Freitag (>>>) und auf ihrem eigenen Blog Culture & Cream (>>>)
Photo Credit: Catwalkpictures

Kommentare

  • Marie sagt:

    Das Ufo habe ich schon seit einem Monat und ich bin begeistert. Meine Haut ist nie schöner gewesen und die Masken sind der Wahnsinn. Das Ufo ist auf jeden Fall jeden Cent wert.
    • Margit Rüdiger sagt:

      Liebe Marie, danke dir für Deinen Kommentar. Ich bin ganz Deiner Meinung, das Ufo und die Masken sind ihren Preis wert. Liebe Grüße, Margit
  • Geerke sagt:

    Das ist wirklich sehr schöner Blog-Artikel. War sehr interessant zu lesen.
  • Nino sagt:

    Hallo Margit,

    es ist supernett, dass du unterschiedliche Produkte uns vorstellst. Mich interessiert die Massage Becher aus Silikon. Kann man sie auch für Gesichtsmassage anwenden?


    Danke

    Nino


    • Margit Rüdiger sagt:

      Hallo Nino,

      es gibt die Massagebecher in unterschiedlichen Größen für Gesicht und Körper.

      Liebe Grüße, Margit