Neues vom Beauty Pro: Porentief nachgefragt

Spa im Homeoffice?

Beauty zu Pandemie-Zeiten – über viele gut gemeinte, aber dämliche Anti-Corona-Beauty-Tipps. Wie man die Stunden im Homeoffice damit totschlagen kann, und was wirklich Sinn macht.
Sorry, aber ich kann sie wirklich nicht mehr hören, beziehungsweise lesen, die angestrengt überlegten Beauty-Tipps der PR-Agenturen und Industriefirmen in Zeiten von Corona, die uns Journalisten jetzt fast täglich erreichen. Da steht dann sowas, wie Frauen sollen die erzwungene Auszeit zu Hause doch nutzen, um etwas für ihre Schönheit zu tun. Eine intensive Pflege, eine Maske auflegen und das unvermeidliche Wohlfühl-Bad mit Rosenblättern und Kerzenschein. Den Champagner nicht zu vergessen.
Da kommt mir der Gedanke, ob die Menschen denn früher im Büro gebadet haben, wenn sie das Nass-Ritual jetzt in ihr Homeoffice verlegen sollen? Und was ist mit den Freiberuflern wie uns Journalisten, die es gewohnt sind von zu Hause zu arbeiten, und bisher auch nicht in ausgebeulten Schlamperhosen und mit ungemachten Haaren in den eigenen vier Wänden herumlungerten.
Außerdem bekomme ich Vorschläge, wie ich mir die Nägel für die nächste Video-Konferenz schön anmale.
Und dann die Anleitung, wie man sich fürs Homeoffice schminkt. Bescheuert. Als wenn Frauen vor Corona, als alles noch normal lief, nichts für ihre Schönheit getan hätten. Und wer vorher keinen Wert auf sein Aussehen gelegt hat, wird es jetzt auch nicht tun, nur weil draussen neu mutierte Viren herumfliegen, und wir mehr als sonst zu Hause sitzen.
Margit Rüdiger Modepilot
Home Office Garden
Klar müssen wir selber machen, was sonst andere übernommen haben – Kosmetikerin, Pediküre, Maniküre, Friseur. Ich verstehe auch, dass Agenturen und Kosmetikfirmen verzweifelt sind über sinkende Budgets, bzw. Umsätze, und ihre Produkte an die Frau bringen wollen. Aber nicht so. Über richtig sinnvolle Tipps würde ich mich tatsächlich freuen. Doch die sind eher rar.

Mach mal (Pflege-)Pause

Klar hat man im Homeoffice mit weniger Aufträgen vielleicht mehr Zeit für sich selbst. Obwohl ich von vielen das Gegenteil höre, dass sie von ihrem Arbeitgeber ein steigendes Pensum aufgebrummt bekommen mit erweiterten Aufgaben und ständigen Videokonferenzen. Man muss ja checken, ob die Leute tatsächlich zu Hause arbeiten und sich nicht nur die Nägel lackieren. Aber vom Zeitfaktor mal abgesehen, was bringt da eine zweite Gesichtsmaske pro Woche, wo sonst eine alle sieben Tage ausgereicht hat? Allenfalls überpflegt man seine Haut und holt sich gerade bei zu viel Experimentierfreudigkeit mit neuen Produkten eine periorale Dermatitis.
Wovon man in diesen Zeiten mehr braucht, ist in jedem Fall eine gute, ph-neutrale Handcreme bei dem häufigen Händewaschen und Desinfizieren. Ansonsten ist ein Downsizen der Pflegeroutine, wie ich es kürzlich in einer Kolumne schon mal beschrieben habe (Übers Weglassen >>>), viel sinnvoller als ein Aufrüsten. Deshalb: Eine Woche lang die Haut sich selbst überlassen, damit sie sich ohne Zutun von außen regenerieren kann. In den eigenen vier Wänden (@stayhome) sieht einen eh keiner. Auch die Nägel an Händen und Füßen können gut mal eine Lackpause gebrauchen. Dafür benutze ich täglich ein pflegendes Nagelöl mit Vitamin E gegen rissige Haut und zur Stärkung der Nägel. Eine Fußmaske, die mit den hässlichen Plastiksocken, kann ich jetzt auch mal eine Stunde in meinen kuscheligen Mou-Boots (weil ständig kalte Füße am Schreibtisch) wirken lassen, ohne dass ich auf die Uhr schauen muss, weil ein Termin wartet. Und meine Füße strecke ich ohnehin beim Skypen äußerst selten in die Kamera.

Virtual Facial statt Kosmetikerin

Was in puncto „Corona“-Pflege für mich irgendwie noch akzeptabel ist, sind die Online-Beauty-Dienste diverser Experten, wenn man seine Kosmetikerin allzu schmerzlich vermisst. Die wirklich Guten haben allerdings ihren Preis. Virtual Facial nennt man die Online-Beratungen und Tutorials. Da erfährt man zum Beispiel für 90 Euro von der britischen Haut-Expertin Michaella Bolder, wie man selbst ein hauttypgerechtes Facial durchführt oder eine professionelle Gesichtsmassage. Anmeldung für eine private Session über DM auf ihrem Instagram-Account @michaellabolder. Schon länger keine Kosmetikbehandlung mehr gehabt? Andrea Pfeffer, Gründerin der Skincare Clinic Pfeffer Sal in London, bietet in ihrem Online-Skin-MOT-Programm eine Haut-Analyse per Video an und später für circa 130 Euro ein Guided Facial mit den entsprechenden Produkten, die sie bei Interesse zuvor per Post zugeschickt hat: Pfeffersal.com.

@home wird zum Fitness-Studio

Für mich persönlich ist es eine echte Herausforderung, meine gewohnte Fitnessroutine beizubehalten, die ich jetzt zu Hause anstatt im Studio absolvieren muss. Dazu habe ich in jedem Zimmer eine Trainingseinheit eingerichtet, die natürlich für den Abend zu zweit verschwindet. Also: An meiner Badezimmer-Tür hängt das TRX-Band, im Wohnzimmer habe ich die Expander- und Hantel-Station aufgebaut, und in meinem Büro steckt im Computer der Stick meines Yoga-Lehrers. Je nach Lust, Laune und Verfassung mache ich sein 20-, 35- oder 70-Minuten Programm. Meist Letzteres, weil ich festgestellt habe, dass mir das virtuelle Training doch mehr Spaß macht als ich gedacht hätte. Aber Abwechslung will sein. Dazu habe ich mich im Web mal schlau gemacht, was es sonst noch alles gibt.

Die besten Online-Home-Workouts

Viele Fitness-Studios haben für ihre Mitglieder und Interessierte Online-Home-Workouts unter professioneller Anleitung ausgearbeitet. Das Hamburger Fitnessunternehmen Meridian Spa&Fitness beispielsweise bietet kostenlose Videos und Live Streams über Facebook und Instagram für das Training zu Hause an. Unter Meridian@home findet man die Uhrzeiten, an denen beispielsweise Yoga, Tabata, Core Training und sogar Salsa online unterrichtet wird. Auch auf der IG-Seite von Lululemon – genau, das ist die Brand mit den tollen Workout-Klamotten – findet man Trainings-Einheiten von Yoga über Meditation bis hin zu Power-Kraftübungen. Oft mit ganz einfachen Mitteln. Global Ambassador Jasmine Blocker zeigt beispielsweise ein 15-Minuten-Bagpack Workout mit einem vollbepackten Rucksack. Ganz schön schweißtreibend.
Die App des Nike Training Clubs (im App store downloaden) versorgt einen gar mit 185 Kursen von HIIT bis Mobility Workouts für monatlich ca. 14 Euro. Oder lieber mal Barre, Ballett oder Pilates ausprobieren? Der englische Fitness-Trendsetter Barrecore.com. hat jetzt für einen Monatsbeitrag von ca 26 Euro Klassen für jede Schwierigkeitsstufe on air. Bei der Münchener Konkurrenz Studio.12 kann man auf deren Facebook Seite für eine Teilnahmegebühr von 12 Euro online mitmachen. Was man dazu braucht? Nur einen Facebook Account. Den Stundenplan erfährt man über die Buchungs-App Mindbody.

Trainieren im „Blaumann“

Letztendlich habe ich mich doch für etwas ganz anderes entschieden, was ich noch nie ausprobiert habe. Nämlich für ein EMS (Elektro-Muskelstimulation)-Training der nächsten Generation zum Muskelaufbau, Stoffwechselanregung und Ausdauersteigerung. Das Interessante daran: Entwickelt hat es ein Herzchirurg, Prof. Dr. Fritsche aus Cottbus, und damit mehr als 2000 Trainingseinheiten an Patienten mit einer Herzmuskelschwäche durchgeführt. Der blaue Spezialanzug erinnert mich an meinen Neoprenanzug beim Segeln und Windsurfen, ist nur viel leichter. Er ist mit Trockenelektroden und einer kabellosen Trainingssteuerung ausgestattet, über die der Strom in Form von sehr niedrigen elektrischen Impulsen die Muskeln stimuliert.
EMS für zuhause Modepilot
EMS-Training während Corona
Die Anbindung an iPhone oder Tablet funktioniert per Bluetooth. Eigentlich wollte ich die Methode in einem der Easymotionskin-Studios ausprobieren. Aber nachdem die wie alle Fitness-Einrichtungen momentan geschlossen sind, habe ich mir einen Testanzug für zu Hause ausgeliehen. Über die Handy-App Easymotionskin wähle ich mein Training: Cardio-, Kraft oder Stoffwechseleinheiten. Zweimal 20 Minuten pro Woche genügen. Das Relaxprogramm kann ich immer dann machen, wenn mir danach ist. Was ich besonders praktisch finde: Ich kann den Anzug tragen, wann immer ich will – indoor wie outdoor. Zu meinem Circle-Training in der Wohnung, aber auch zum Putzen und Kochen ebenso wie zum Joggen, Spazierengehen oder zum Einkaufen. Da ziehe ich dann allerdings einen weiten Hoodie über meinen „Blaumann”. Später, wenn es wieder möglich ist, kann ich den Anzug gut auch auf Reisen mitnehmen. Mal sehen, was sich bis dahin an meinem Körper tut. Nach sechs Wochen soll ich bereits positive Veränderungen merken. Ich bin gespannt!
Photo Credit: Margit Rüdiger, up_n_co

Kommentare

  • Grace sagt:

    Oh mein Gott wie cool ist denn der EMS Anzug für zu Hause. Wo bekommt man den, also ausleihen oder bestellen?? So einen muss ich haben 😍

    Und by the way, super Artikel zum Thema Beauty und Sport zu Hause. Das Frau, Haut und Nägel einfach mal entspannen lassen soll ohne Farbe und co 👌🏼


    • Margit Rüdiger sagt:

      Liebe Grace, erstmal danke für das schöne Kompliment. Freut mich, dass Dir der Artikel gefallen hat.

      Was den EMS-Anzug angeht, möchte ich Dich gerne an den super netten Trainer von easymotionskin weiterleiten.

      Er heißt Frank Scholz, Tel. 0173/6666651. Er kann Dir alle Deine Fragen beantworten. Grüße ihn von mir. Hoffe, es geht Dir gut. Melde Dich doch mal nach Ostern.

      Schöne Feiertage und bleib gesund. Alles Liebe, Margit


      • Grace sagt:

        Ja super, vielen Dank. Ich werd direkt mal nächste Woche anrufen. Bin gespannt 😄

        Freu mich schon auf den nächsten spannenden Artikel.

        Ganz liebe Grüße und bleib gesund 😄


  • vivien_noir sagt:

    Der EMS-Anzug (und auch noch trocken!) ist ja genial! Ich habe gerade vor Corona das Training für mich entdeckt und war ganz begeistert. So einer zum Leihen wäre tatsächlich cool! Bei meinen Recherchen hab ich in Österreich aber keine solche Firma entdeckt - aber bald dürfen ja auch die Studios wieder aufmachen 🙂
    • Kathrin Bierling sagt:

      Ich finde EMS auch super effektiv und hätte gern so einen Anzug zuhause – Das stelle ich mir noch effektiver vor. Ui, ich könnte nächsten Sommer bei Baywatch anfangen 🙂