Neues vom Beauty Pro: Porentief nachgefragt

Übers Weglassen

Wenn wir uns im eigenen oder mal bei einer Freundin im Badezimmer umschauen, ist es immer das Gleiche: Unmengen von Tiegeln, Töpfchen und Tuben. Schon klar, was ein echter Beauty-Junkie ist, der wird sich nicht davon abbringen lassen. Aber wir anderen sollten uns mal überlegen, brauchen wir das alles, bzw. tut es unserer Haut wirklich gut? Könnte sie sprechen, würde sie ein „Downsizen” an Produkten oder gar ein Skin Fasting begrüßen und sich ab und an sogar über ein komplettes „Hautfasten“ freuen. Ich kann es nur empfehlen.

Was wir nicht unbedingt brauchen

Da fallen mir auf Anhieb 10 Produkte ein, die man weglassen kann: Tagescreme, Augencreme, Halscreme, Toner, Flüssig-Make-up, Primer, Lip Scrubs, Brauengel, Conditioner, Nagelhautentferner. Bei manchen werden Sie jetzt die Stirn runzeln und sagen „Darauf soll ich verzichten“?
Beginnen wir mit der Tagescreme: Sie wurde zu einer Zeit entwickelt, als Frauen, die etwas auf ihre Hautschönheit hielten, sich nur mit Sonnenschirm ins Freie wagten. Vor 1911 enthielten Cremes tierische Fette, die schnell ranzig wurden. Das änderte sich erst, als der schlesische Apotheker Oscar Troplowitz ein Hamburger Unternehmen namens Beiersdorf kaufte und zusammen mit dem Chemiker Isaac Lifschütz und dem Dermatologen Paul Unna die erste Wasser-in-Öl-Pflege-Emulsion entwickelte. Sie bekam den Namen Nivea (lat. nix, Genitiv nivis = Schnee).
Skin Fasting Modepilot weniger ist mehr
Skin Fasting – Schönheit nach dem "Weniger ist mehr"-Prinzip
Seitdem hat sich vieles verändert, vor allem die Umwelt, in der wir leben. Da machen sich Antioxidantien, z.B. in Form eines Serums gut oder auch mal ein Lichtschutz. Inzwischen enthalten solche Produkte dieselben Anti-ging-Wirkstoffe und Feuchtigkeitssubstanzen wie eine Tagespflege. Nachts verwendet man dann einen nährenden und regenerierenden Moisturizer. Und gut ist es. Braucht die Haut tagsüber mal etwas mehr Feuchtigkeit, einfach die SPF-freie Nachtpflege unter dem Sonnenschutz verwenden. Damit spart man sich eine teure Tagescreme. Verteilt man seine Pflege zugleich auf Hals und Dekolleté, braucht man auch für diese Zonen kein spezielles Produkt kaufen.

Noch mehr Sparmaßnahmen

Augencreme ist ebenfalls so ein Produkt, mit dem die Beauty-Industrie uns glauben machen will, dass wir es unbedingt brauchen für die „empfindliche Augenpartie“. Aber, wenn ein normaler Moisturizer an den Augen Irritationen hervorruft, würde er dies nicht auch auf der restlichen Gesichtshaut tun? Deshalb lieber bei der Pflege darauf achten, dass sie mild und reizarm ist, frei von Alkohol und Duftstoffen. Dann spricht nichts dagegen, dass man sie bis nah an den Lidrand aufträgt. Zusätzlich empfiehlt sich der Verzicht auf kriechende Öle, die in die Augen gelangen könnten. Meist basieren diese „Kriechöle“ auf künstlichen Mineralölen, sind also körperfremd. Auch aus Silikonen werden Öle hergestellt, die „kriechen“.
Die meisten Frauen kaufen ein Gesichtswasser oder einen Toner in der Annahme, dass er nötig ist, um die Haut gründlich zu reinigen und die Poren zu verengen. Letzteres funktioniert nur – und auch nur vorübergehend –, wenn er reichlich Alkohol enthält, und der wiederum trocknet aus. Um einen Ausgleich zu schaffen, produziert die Haut dann unter Umständen mehr Sebum, und sie ist öliger als zuvor. Und was den Schmutz angeht: Wenn das verwendete Reinigungsprodukt nicht bereits alle Rückstände von der Haut entfernt, macht es keinen guten Job. Trägt jemand besonders viel Make-up oder einen starken Sonnenschutz, kann er vor der Reinigung etwas Olivenöl einmassieren, um die Schichten zu lockern.
Flüssig-Foundation und „full coverage” waren einmal. Die heutigen Foundations bestehen zwar aus hautfreundlichem Talkum, das zusammen mit Feuchtigkeitsstabilisatoren und Ölen die Haut pflegt und auch atmen lässt, sofern keine Mineralöle und Silikone enthalten sind. Trotzdem verstopfen sie die Poren, wenn man nicht ganz gründlich abreinigt. Deshalb lieber Sauerstoff an die Haut lassen und nur die Stellen im Gesicht wie Rötungen oder Unreinheiten abdecken, die es nötig haben. Dafür reicht oft schon ein guter Concealer. Zudem sind ein leichtes Mousse-Make-up oder eine Puder-Variante vorteilhafter als Flüssig-Foundation, da sie den Teint besser mattieren.

Primer und Lippen-Peeling

Ein Primer ist gewissermaßen eine hautverschönernde Grundierung vor der Grundierung. Er soll Unebenheiten ausgleichen, das Make-up haltbarer machen und vor Nachfetten schützen. Mag alles sein, aber tatsächlich ist es eine weitere Schicht, die die Haut belastet. Deshalb lieber mal untertags ein Touch-up machen, wenn nötig. Und sollte der Concealer zu schnell verblassen, den Hersteller oder die Farbe wechseln.
Unnötig sind auch Lippen-Peelings. Sie sind nichts anderes als eine fette Basis (Öl oder z.B. Sheabutter) mit abrasiven Körnchen. Das Lip-Polish soll abgestorbene Hautschüppchen entfernen und die trockene, fettarme Haut der Lippen besser durchbluten. Den gleichen Effekt erreicht man mit einer weichen Zahnbürste oder einem Baby-Waschlappen, den man in warmen Wasser einweicht. Und wenn es unbedingt der Rubble-Effekt sein soll, mischt man je einen Teelöffel Olivenöl, Honig und Zucker. Die Masse mit dem Finger in kleinen Kreisen um und auf den Lippen sanft einmassieren.
Nagelhautentferner sollte man auch mal genauer unter die Beauty-Lupe nehmen. Was ist drin? Meistens Bienenwachs und pflanzliche Öle, dazu noch Vitamin E. Alles Inhaltsstoffe, die sich auch in einem Lipbalm finden. Mit einem reichhaltigen Moisturizer oder einem Öl, das man ins Nagelbett einmassiert, erzielt man ebenfalls gute Weicheffekte.

Und die Haare?

Fangen wir bei den Kleineren an und zwar bei den Brauen. Was man aus der inzwischen riesigen Produkt-Palette für die Augenbrauen am wenigsten braucht, ist ein Fixier- oder Setting-Gel. So störrisch können die Härchen gar nicht sein, dass man sie nicht mit Haargel oder -spray zähmen könnte. Ich verwende dazu ein ausrangiertes, gereinigtes Mascarabürstchen. Was auch gegen Wildwuchs hilft, ist regelmäßiges Trimmen der Brauen.
Fast noch größer ist das Angebot an Haarpflege. Nach dem Shampoonieren einen Conditioner (deutsch: Spülung) zu benutzen, ist Pflicht, so liest man immer wieder. Alles Quatsch. Conditioner besitzt einen eher sauren pH-Wert, der das Haar zusammenzieht. Doch aufgrund des hohen Säureanteils muss die Spülung eigentlich schnell wieder ausgewaschen werden, was einen angeblichen Pflegeeffekt entsprechend gering hält. Die reine Wirkung des Glätten der Schuppenschicht (und damit Glanz), erzielt man mit einem kalten Guss zum Schluss und gegebenenfalls einem Schuss Essig im letzten Spülwasser (hier dazu mehr >>>).

Wie geht Skin Fasting – Hautfasten?

Der Trend des „Skin Fasting” kommt aus dem Land, wo die Frauen oft zehn und mehr Schichten auf ihre Haut lagern – nämlich aus Japan. Wie beim Fasten gibt es keine Nahrung, damit die Haut sich auf ihre natürlichen Repairmechanismen besinnt und neue Energie gewinnt. Bekommt sie keine Pflegesubstanzen, insbesondere Feuchtigkeit, von außen zugeführt, produziert sie beispielsweise eigene Öle, um sich vor Trockenheit zu schützen.
Dazu kommt die körpereigene Barriere aus Ceramiden, die die Haut vor dem Austrocknen und dem Eindringen von Fremdstoffen schützen. Reinigen wir zu viel und zu aggressiv, kann das natürliche Öle und Ceramide entfernen, die für eine gesunde Hautbarriere unerlässlich sind. Das Weglassen von Cremes verbessert außerdem den essenziellen Sauerstoffaustausch in den Zellen. Mindestens eine Woche, besser zwei bis drei Wochen, verzichtet man bei dieser Haut-Detox-Kur auf sämtliche Pflege- und Make-up-Produkte. Das Gesicht wird lediglich morgens und abends mit warmem Wasser gewaschen. Besonders wichtig während dieser Zeit ist es, ausreichend Wasser zu trinken. Das versorgt die Haut auf natürliche Weise mit Feuchtigkeit. Dermatologen befürworten übrigens das Skin Fasting. Meiner Haut hat es jedenfalls gut getan. Der natürliche Glow hinterher ist nicht nur mir positiv aufgefallen!
Photo Credit: Catwalkpictures

Kommentare