Neues vom Beauty Pro: Porentief nachgefragt

Sie sind alles andere als ein Schmuck: Dunkle Schatten unter den Augen. Sie beeinträchtigen den Gesamteindruck des Gesichts zum Negativen. Denn sie lassen müde und auch älter aussehen. Also weg damit!
Meine Kollegin Kathrin hatte mich vor ein paar Wochen gefragt, ob ich „Magic Vanish“, die neuen roten Concealer von Charlotte Tilbury schon mal ausprobiert hätte. Nee! Aber ich war neugierig geworden. Rot als Concealer? Ich entdeckte vier Farben von Pfirsich bis – tatsächlich – zu einem intensiven Rot. Was aussieht wie Blush oder Creme-Lippenstift (kann man übrigens auch so verwenden! Hab’s probiert!) sind farbige Cover Creams, die nach dem Prinzip der Farbenlehre funktionieren.
Concealer Farben gegen Augenringe Modepilot
'Magic Vanish'-Concealer von Charlotte Tilbury in vier Farben
Eine „Fehlfarbe“ im Gesicht, also Augenringe oder Rötungen, werden mit einer Komplementärfarbe ausgeglichen. Und Rotnuancen neutralisieren bekannterweise Grün-Blau. „Color-Correcting” sagen die Beauty-Profis dazu. Am einfachsten funktioniert der Umgang mit Pfirsich, wirkt wie eine Frischekur für müde Haut. Pigmentflecken, bzw. bläuliche oder grünliche Stellen lassen sich easy damit kaschieren. Etwas komplizierter ist es mit den Rottönen. Sie müssen exakt dem aktuellen Bräunegrad, bzw. dem naturgegebenen Hautton angepasst werden – also im Sommer kann man ruhig etwas intensiver rangehen.
Meine von Natur aus schon dunklere Haut war nach einem Malediventrip gebräunt. Ich habe deshalb die Nummer 3 Tan/Doré ausprobiert. Für die Nummer 4 muss man schon sehr dunkel sein. Wie auftragen? Erstmal habe ich es vorsichtig mit dem Finger versucht. Falsch! Zu viel Textur, zu harte Linien. Jetzt waren zwar die Ringe weg, aber dafür ich hatte deutlich sichtbare rote Schatten unter den Augen. Grotesk! Also alles wieder runter. Neuer Versuch mit einem Concealer-Pinsel. Passt!
Rot funktioniert tatsächlich. Die dunklen Verfärbungen und die Müdigkeit waren aus meinem Gesicht verschwunden, die Augen strahlten.

Wie man am besten mit Color-Correcting umgeht

Die Abdeckfarbe wird immer erst nach der Tagespflege aufgetragen. Wichtig ist, dass sich die verschiedenen Konsistenzen perfekt miteinander verbinden. Die bunten Farbtöne dürfen nicht als einzelne Farben erkennbar sein, sondern müssen regelrecht mit der Haut verschmelzen. Harte Linien lassen sich am besten vermeiden, wenn man cremige Concealer-Texturen mit einem Pinsel oder Appikator aufträgt. Im inneren Augenwinkel hauchdünn auftupfen und unterm Auge ausblenden. Eventuell zusätzlich mit einem kleinen Blender (eiförmiger Minischwamm) so lange einarbeiten, bis die Farbe die dunklen Ringe neutralisiert hat, ohne dass Rotspuren sichtbar bleiben.
Augenringe Modepilot rote Farben
Model Faretta backstage bei der Jason Wu Fashion Show für Sommer 2020
Nach einer kurzen Einwirkzeit kann man dann wie gewohnt Foundation auftragen. Haben Sie das Gefühlt, die Concealer-Farbe passt immer noch nicht ganz? Es spricht nichts dagegen, zwei Farbtöne zu mischen - zum Beispiel das Rot mit Apricot abmildern. Grundsätzlich gilt: Wer rötliche Augenringe hat, sollte vermehrt Grün dazumischen. Bei bläulichen oder grauen Augenschatten hilft ein Apricot oder Rot und gegen lilafarbene Schatten wirkt ein gelblicher Ton. Wer kein Make-up trägt, benutzt am besten einen hautfarbenen Concealer, da farbige Abdeckprodukte meist sichtbar bleiben. Faustregel: Er sollte eine Nuance heller sein als die eigene Hautfarbe. „Zu hell darf er aber auch nicht sein, sonst gibt's den ‚Eulenaugen‘-Effekt“, sagt Serena Goldenbaum, Make-up- und Haarstylistin, Hamburg. Um Fältchen zu kaschieren, sind pudrige Konsistenzen ungünstig. Die feinen Puderpartikel setzen sich in den Linien ab und betonen sie noch mehr.

Schlechte Gene oder zu wenig Schlaf?

Beides kann die Ursache sein für dunkle Schatten unter den Augen. Unterhalb der Augenpartie finden sich jede Menge kleine Blutgefäße und Lymphdrüsen. Zudem ist die Haut dort extrem dünn und verfügt über wenig Fettzellen, so dass die bläulichen Adern durchschimmern. Augenringe sind deshalb eigentlich ganz normal. Veranlagungsbedingt können sie jedoch mehr oder weniger stark ausgeprägt sein. Verstärkt werden sie außerdem durch verschiedene äußere Faktoren. Dazu zählen durchzechte Nächte mit Alkohol, Zigaretten und zu wenig Schlaf, außerdem Nährstoffmangel (z.B. Eisen und Zink), Wasserverlust, Stress, zu wenig Sauerstoff im Blut.

Die Oma kennt sie

Nämlich die Hausmittel, mit denen man Augenringen zu Leibe rücken kann. Eine Kühlung mit Kompressen aus kaltem Kamillentee, grünem oder schwarzem Tee. So geht’s: Tee aufgießen, Teebeutel abkühlen lassen, kurz ins Eisfach geben und dann auf die geschlossenen Augen legen. Kein Tee zu Hause? Geht auch mit gut gekühltem Quark. Auch kalte Kompressen und Gel-Masken regen die Durchblutung an. SOS Beauty-Hack: Einen Kaffeelöffel tiefkühlen und morgens sanft auf die untere Augenpartie drücken. Durch die Kälte ziehen sich die Blutgefäße zusammen und der Stoffwechsel wird aktiviert. Zu kalt sollte der Löffel allerdings nicht sein, sonst schädigt er die Haut.
Generell hilft es auch, bei offenem Fenster, aber nicht ohne Kissen (kann die Lymphe unter den Augen stauen) zu schlafen. Oft an die frische Luft gehen und dabei tief atmen. Beim Essen weitgehend auf Salz verzichten, es lagert sich auch in der Augenregion ein. Viel Wasser trinken, um es wieder auszuschwemmen. Glutamat meiden, wenn man empfindlich darauf reagiert – macht dicke Augen. Es kann ebenfalls sein, dass zur Zeit des Eisprungs oder der Menstruation Schwellungen im Augenbereich auftreten, da das weibliche Hormon Östrogen Wassereinlagerungen im Körper verantwortet. Eine teure Augencreme hat bei mir übrigens noch keine Augenschatten in schlafreduzierten Stressphasen weggezaubert. Da muss ich doch eher dem französischen Star-Coloristen Stephane Pous Recht geben. Er empfiehlt Kundinnen, die zu dunklen Schatten unter den Augen neigen, honigfarbene Highlights in den Haaren. Die hellen Strähnchen sollen wie ein Weichzeichner für das Gesicht wirken, es jünger und strahlender erscheinen lassen.

Den Beauty-Doc fragen

Ich muss gestehen, meine allererste Begegnung mit einer Hyaluronspritze, um Augenringe zu füllen, war eine Katastrophe. Ich hatte genug vom Abdecken und wollte eine etwas langfristigere Lösung. Doch aufgrund seiner hydrophilen Eigenschaften hat das Hyaluron bei mir reichlich Gewebewasser gebunden und unter dem rechten Auge für mehrere Tage eine häßliche Beule entstehen lassen. Erst Jahre später habe ich es ein zweites Mal gewagt, und das Ergebnis war perfekt. Bei Dr. Gerhard Sattler von der Rosenparkklinik Darmstadt habe ich nachgefragt, worauf es bei der Hyaluronsäure-Injektion ankommt und was er sonst noch gegen Augenringe in petto hat:
Dr. Sattler: „Bei der Verwendung der Hyaluronsäure muss eine Überkorrektur vermieden werden, weil die Hyaluronsäure als Eigenschaft mit sich bringt, zusätzlich Wasser zu binden. So kann es zu einer dauerhaften Überkorrektur kommen, begleitet von einem bläulich verfärbten Tyndall-Effekt (Streuung von Licht), der die Verfärbung des Augenrings sogar verstärken könnte. Auch bei der Verwendung von Eigenfett als Füllmaterial darf keine Überkorrektur erfolgen, da insbesondere am Auge mit einer einmaligen Behandlung dauerhafte Ergebnisse entstehen können. Die Platzierung des Fillers erfolgt immer unterhalb des Augenringmuskels (Musculus Orbicularis) und immer direkt auf dem knöchernen Rand der Augenhöhle. In allen Fällen erfolgt tendenziell eine Unterkorrektur.”

Was ist besser – Hyaluronsäure oder Eigenfett?

Dr. Sattler: „Ich gebe keinem der beiden Filler-Materialien den Vorzug, sondern mache es davon abhängig, was mir zur Verfügung steht. Habe ich das Fett schon durch eine zuvor erfolgte Fettabsaugung gewonnen, dann verwende ich dieses. Habe ich dagegen einen ambulanten Patienten vor mir, von dem mir kein frisches Fett vorliegt, dann verwende ich Hyaluronsäure.”

Wann braucht es eine Unterlidkorrektur, um Augenringe zu korrigieren?

Dr. Sattler: „Selten und meist bedient diese nicht die Korrektur der Augenringe, sondern glättet die Unterlidhaut im mittleren und äußeren Unterlidbereich.”
Mehr von der Autorin, z.B. ihre Reiseberichte, gibt es hier auf ihrem Blog Culture and Cream >>>
Photo Credit: Collage aus Bildern von Charlotte Tilbury

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