Neues vom Beauty Pro: Porentief nachgefragt

Braucht man überhaupt Gesichtswasser?

Darüber streiten sich die Beauty-Geister. Die einen sagen: Ja, unbedingt, weil es der Nachreinigung der Haut dient. Die anderen finden, dass eine gründliche Gesichtsreinigung ausreicht. Ich persönlich bin der Meinung, dass alles, was sich auf der Haut gut anfühlt, ihr und mir auch gut tut. Vor allem seit es die Softener aus Korea mit pflegenden und feuchtigkeitsspendenden Eigenschaften gibt, bin ich ein echter Fan der zart duftenden Wässerchen. Ansonsten kann ich den unzähligen Pflegestepps der Asiatinnen eher wenig abgewinnen. Bei mir muss alles effektiv sein und schnell gehen, aber für ein paar Sprühstöße ist immer Zeit (Ich verwende „Organic Rose Mist“ von Urang). Mittlerweile reist auch im Flugzeug ein kleines Sprayfläschchen im Handgepäck mit, und im Sommer lagere ich es im Kühlschrank für einen extra Cooling-Effekt. Tatsächlich haben für mich Gesichtswässer aber weniger mit Reinigung zu tun als mit einem angenehmen Feuchtigkeits- und Frischegefühl auf der Haut. Eben ein durchaus sinnliches Erlebnis!

Ein Produkt, viele Namen

Bei uns werden Gesichtswässer auch als Toner (engl. für Gesichtswasser), Tonic oder Lotion bezeichnet. Alles dasselbe. Gemeint ist die wässrige Flüssigkeit, die als Zwischenschritt nach der Reinigung und vor der Feuchtigkeitspflege aufgetragen wird. Sie tut nichts anderes als Reste des Reinigungsmittels und Kalkablagerungen aus dem Leitungswasser von der Haut zu nehmen. Dass sie das Gewebe weich macht, sodass die nachfolgende Pflege schneller und tiefer einzieht, stimmt nur bedingt. Denn schon durch Wasser allein quillt die Haut auf und lässt alle Substanzen (leider auch unerwünschte!) einfacher penetrieren.
Also: „Gesichtswasser ist kein Muss, wenn man sein Reinigungsprodukt gründlich mit Wasser abwäscht“, bestätigt auch Dr. Marianne Waldmann-Laue, Leitung R&D Hautpflegeprodukte bei Henkel. Keine Option zur Reinigung ist übrigens Wasser in Kombi mit einem herkömmlichen Stück Seife oder Flüssigseife. Denn was schmutzige Hände sauber macht, entzieht der Haut im Gesicht den natürlichen Fett- und Feuchtigkeitsfilm, was Irritationen, Rötungen und Entzündungen hervorrufen kann. Industriell hergestellte Seifen sind stark alkalisch mit einem pH-Wert zwischen 8 und 12 und deshalb extrem austrocknend. Der pH-Wert einer gesunden Haut liegt nach neuesten Erkenntnissen im leicht sauren Bereich von etwa 4,8. Also wenn schon Seife favorisiert wird, dann wenigstens seifenfreie Waschstücke oder eine spezielle Gesichtsseife benutzen.

Hybrid-Funktion

Inzwischen gibt es unter den Tonern viele Spielarten. Eine davon ist das Mizellen-Wasser, das vor ein paar Jahren in die Badezimmer Einzug gehalten hat. Es ist ein Hybrid, da es im Gegensatz zu normalem Gesichtswasser gleichzeitig reinigt und tonifiziert. Wie das? „Chemisch gesehen ist es nichts anderes als ein stark verdünntes Reinigungsgel mit weniger Tensiden“, so Waldmann-Laue. Tenside sind die waschaktiven Substanzen, die aus einem hydrophilen (wasserliebend) und einem hydrophoben (wasserabstoßend) Teil bestehen. Dadurch können sie Fett- und Öl-Schmutz lösen. Verreibt man sie auf der Haut, mischen sich die Tenside mit der Luft und bilden einen Schaum. Die Ansammlung der Tensid-Moleküle nennt man Mizelle. Grundsätzlich sind sie in jedem Reinigungsgel enthalten, aber im Mizellenwasser eben so stark verdünnt, dass es so wässrig wie ein Toner aussieht.
Ebenfalls ein Hybrid-Produkt sind so genannte Essenzen – ein Zwischending aus Toner und feuchtigkeitsspendendem Serum. Sehr beliebt und beheimatet in Asien. In ihrer Textur sind sie einem Toner ähnlich, in ihrer Wirkstoffdichte einem Serum. Trotzdem ersetzen sie weder das eine noch das andere. Sie sind eher ein weiterer Zwischenschritt. Für Beauty-Junkies: Sie werden auf dem gereinigten Gesicht und nach dem Toner sanft in die Haut eingeklopft. Versprochen wird eine Art Glow-Effekt, da sie die obere Lipidschicht verdichten sollen und somit das Licht besser reflektieren. Vorsicht ist gerade bei einer sehr empfindlichen Haut geboten. Bei zu vielen Zwischenschritten kann es zu einer Überdosis Pflege kommen mit der Folge von Entzündungen und Rötungen.

Toner vs. Adstringent

Diese beiden Wässer sehen ähnlich aus. Aber das ist auch schon die einzige Gemeinsamkeit. Sie besitzen unterschiedliche Inhaltsstoffe und erfüllen unterschiedliche Funktionen. „Toner enthalten oft Glycerin und eine Form von Glykol, um Wasser in die Haut zu schleusen und den pH-Level zu puffern“, erklärt Dermatologie-Professor Adam Friedman von der George Washington University School of Medicine. Während Toner sich für nahezu jede Haut eignen, sind klärende und porenverfeinernde Gesichtswässer für die ölige Haut entwickelt. Deshalb tragen sie auch die Bezeichnung „Adstringent“ oder „Adstringens“ (lat. zusammenziehen). Sie sind meist Alkohol-basiert und so formuliert, dass sie übermäßiges Sebum von der Haut nehmen und damit Unreinheiten entgegenwirken. Beispiele für adstringierende Substanzen sind Silbernitrat und Gerbstoffe, also Tannine wie sie in Rotwein oder Grüntee vorkommen, außerdem Extrakte von Salbei oder Roter Johannisbeere sowie Toluol- und Phenolsulfonsäurepolykondensate. Allerdings trocknen sie auch aus, greifen den Säureschutzmantel an und stören die pH-Balance.
Anschließend unbedingt ein leichtes Feuchtigkeitsprodukt auftragen, damit die Haut nicht noch weiter strapaziert wird. Für normale oder gar trockene Haut sind Adstringentien ungeeignet. Das gilt auch für alkoholfreie Varianten. Auch diese sind beispielsweise mit Salicylsäure so konzipiert, dass sie entfettend wirken. „Normales Gesichtswasser kann man nie überdosieren, ein Adstringent schon“, so Stacy Cox, Beauty-Expertin und Gründerin des Pampered People Spas in Los Angeles. Deshalb bei Bedarf ruhig nur punktuell auftragen, zum Beispiel auf eine ölige T-Zone.

Best Choice

Wer ein Gesichtswasser benutzen möchte, sollte eines wählen, das zum aktuellen Hautzustand passt. Denn anders als ein Reinigungsprodukt verbleibt der Toner auf der Haut. Auch die vorangegangene Reinigungsprozedur spielt eine Rolle. Benutzt man eine Seife oder einen basischen Reinigungsschaum, macht es durchaus Sinn, den pH-Wert mit einem Gesichtswasser etwas nach unten zu regulieren. Gut geeignet sind Hydrolate, also Pflanzen-Blütenwässer, die durch Wasserdampfdestillation gewonnen werden. Sie bewegen sich meist im sauren Milieu. Ansonsten gibt es Toner für jedes Bedürfnis: Pflanzenextrakte wie Tigergras oder Hyaluronsäure mit Anti-Aging-Effekt, Fruchtsäuren und Salicylsäure entfernen abgestorbene Schüppchen und damit den Grauschleier, Vitamin C besitzt leicht aufhellende Wirkung und Haselnuss, Algen- und Traubenkern-Extrakte klären die Haut und reduzieren Entzündungen. Man kann Toner mit einem Wattepad auftragen, bzw. aufsprühen. Oder einfach in die Handflächen geben und sanft ins Gesicht 'padden'. Verbindet man es mit einer Mini-Massage, regen die kreisenden Bewegungen zusätzlich die Durchblutung an.
Photo Credit: Babor Cosmetics

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