Karl Lagerfeld gestorben

Heute früh starb Karl Lagerfeld im Amerikanischen Krankenhaus in Paris, wie französische Medien berichten. Der weltbekannte Modeschöpfer litt an Bauchspeicheldrüsenkrebs und wurde 85 Jahre alt. Bis zuletzt arbeitete er an der nächsten Kollektion. Erst in der vergangenen Nacht wurde Lagerfeld ins Krankenhaus eingeliefert. Der Hamburger starb in den frühen Morgenstunden.

Karl Lagerfeld gestorben

Karl Lagerfeld bei der Chanel-Sommerpräsentation im Oktober 2018
Lagerfeld war bekannt dafür, auf geniale Art und Weise den Geist von Coco Chanel in unsere Zeit zu übersetzen. Das tat er 35 Jahre lang. Neben der kreativen Leitung für Chanel, war er seit 1965 auch als Designer für Fendi tätig. Mehrmals pro Jahr überraschte er in Paris und Mailand mit neuen Ideen. Nachkommenden Designern war er stets einige Einfälle voraus. In den zahlreichen Interviews, die er gab, haute er in Sekundenschnelle Sprüche heraus, die noch heute – selbst von Branchenfremden – immer wieder zitiert werden. Den mit der Jogginghose können vermutlich auch schon Banker nicht mehr hören.

Rückblick: Lagerfelds Schaffen für Chanel

Ob Kettengürtel, Goldknopf oder Bouclé – Karl Lagerfeld fand für Coco Chanels Mode-DNA immer neue Varianten („Man muss etwas Neues machen, wenn man den Leuten das Geld aus der Tasche ziehen will”, sagte er). Bei Chanel begann er 1983 als Berater für die Haute Couture und wurde bereits ein Jahr später als Chefdesigner auch für die Prêt-à-porter eingestellt. Für die kreative Ausrichtung war er bis zu seinem heutigen Tod verantwortlich. Zu den Models, die Lagerfeld bekannt machte, gehören Inès de la Fressange (in der Fotogalerie auch mal mit Zigarette auf dem Laufsteg) und Claudia Schiffer.

Sommer 1986 bis Sommer 2019

In den Urlaub ging er nie

Urlaub war nicht seins, sagte er. Aber wie hätte das auch gehen sollen? So viele Kollektionen, für die er verantwortlich war! Übrigens entwarf der Markenerneuerer auch das heute allgegenwärtige Fendi-Logo aus zwei ineinander gedrehte, zueinander zeigenden Fs.

Silvia Venturini Fendi schreibt heute zu seinem Tod:

„Ich bin zutiefst erschüttert. Heute verloren wir einen einzigartigen Menschen und einen konkurrenzlosen Designer, der Fendi und mir selbst so viel gegeben hat. Ich war noch ein Kind, als ich Karl zum ersten Mal sah. Unsere Beziehung war sehr besonders. Sie beruhte auf einer tiefen und echten Zuneigung. Wir hatten viel Wertschätzung und Respekt füreinander. Karl Lagerfeld war mein Mentor und meine Anlaufstelle. Ein Blick genügte und wir verstanden uns. Seine kreative Genialität war stets unser Leitbild und formte die DNA des Hauses. Ich werde ihn sehr vermissen und unsere gemeinsame Zeit nie vergessen.“

Lagerfelds Biografie

Karl Lagerfeld wurde 1933 in Hamburg in die Inhaberfamilie der Glücksklee-Dosenmilch geboren. Das bedeutete ein privilegiertes Heranwachsen, aber auch ein streng geführtes. Vor allem seine meinungsstarke Mutter, Elisabeth Lagerfeld, prägte ihn. Sie war es, wie er gern schmunzelnd erzählte, die ihn zum schnellen Reden anheizte, weil die Welt nicht lange Zeit habe, sich seinen Unsinn anzuhören.

Paris

Paris sei das Tor zur Welt. Man müsse nur hindurch laufen, sagte seine Mutter. Als Lagerfeld 20 Jahre alt ist, ziehen sie gemeinsam in die Stadt der Mode. Zunächst besucht Lagerfeld eine Privatschule und lernt an der Lycée Montaigne. Dann arbeitet er als Modeillustrator. Bis zuletzt konnte er besser zeichnen als abstecken.

Mit einem gelben Wollmantel begann die Designerkarriere

Mit einem Entwurf eines Cocktail-Mantels belegt er den ersten Platz beim renommierten International Woolmark-Preis. Bei der Verleihung lernt Lagerfeld seinen Dauerrivalen Yves Saint Laurent kennen, der in der Kategorie „Abendkleid” gewinnt. Sie sind zunächst befreundet und verkehren in den gleichen Kreisen.
Pierre Balmain, einer der Woolmark-Juroren, bietet ihm eine Assistenz an und so beginnt Lagerfeld eine Schneiderlehre bei einem der großen Namen – bereits ein Jahr nach seiner Ankunft in Paris. Sein Mantelentwurf geht in Produktion. Dreieinhalb später wechselt der gelernte Schneider Lagerfeld zu Jean Patou, wo er fünf Jahre lang als künstlerischer Direktor tätig ist. In dieser Zeit lanciert er ein eigenes Label namens „Roland Karl”. Nach Aufhebung seines Exklusivvertrages arbeitet der Unermüdliche für zahlreiche Marken gleichzeitig, unter anderem für Valentino, Krizia und Monoprix.

Chloé

1963 nimmt er die künstlerische Leitung bei Chloé an und bleibt 15 Jahre lang. Dazwischen, 1974, gründete er in Deutschland sein eigenes Unternehmen „Karl Lagerfeld”. Später arbeitete er wieder frei für die Marke, von 1992 bis 1997 sogar wieder als Chefdesigner, parallel zu seiner Aufgabe bei Chanel, bis ihn Stella McCartney bei Chloé ablöst.

persönliche Anekdote

Sein Gedächtnis war überragend! Ich traf ihn bei einer Filmpremiere in München. Neben mir saß die Schauspielerin Sunnyi Melles, die ihm 17 Jahre zuvor ein Geschenk machte. Er: „Ich denke jeden Morgen an Dich, wenn ich mir die Knopflöcher mit Deinem Brieföffner öffne.“ Sie war so baff. Ich auch, als sie mir sagte, dass sie sich seither nicht mehr sahen.
Seine Nachfolge bei Chanel tritt Virginie Viard an. Die Leiterin des Chanel-Fashion Creation Studios arbeitete seit 30 Jahren an Karl Lagerfelds Seite. Sie steigt mit sofortiger Wirkung zur Position des Creative Directors auf. Im vergangenen Herbst schien Lagerfeld sie der Weltöffentlichkeit offiziell vorstellen zu wollen, als er sie nach der Show für den Sommer 2019 mit nach vorne nahm.
Karl Lagerfeld mit Virginie Viard bei der Chanel-Präsentation für den Sommer 2019
Photos by: Catwalpictures

Kommentare

  • Aline sagt:

    Ich bin so traurig , Karl war mein Idol ((
    • dafo sagt:

      eine wunderbare Würdigung mit besonders gelungener Fotoauswahl!
      • Kathrin Bierling sagt:

        Vielen Dank, liebe efz!