Hyères 2018: Die Gewinner & Insider Report

Im südfranzösischen Hyères wurde am vergangenen Wochenende wieder der spannendste Mode-Nachwuchpreis vergeben. Hier, in der Provence, zeigen nur die besten Absolventen der renommiertesten Modeschulen. Wer hier seine Kollektion einer hoch karätigen Jury präsentieren darf (dieses Jahr u.a. Haider Ackermann und Tilda Swinton), ist ein Ausnahmetalent – Jemand, der Kreation, Konzeption und Umsetzung gleichermaßen beherrscht.

Die Jury

Teil der Jury: Byredo-Gründer Ben Gorham und Schmuckdesignerin Delfina Delettrez
Jury-Vorsitz für den Grand Prix: Designer Haider Ackermann (Mitte), Schauspielerin Tilda Swinton (links), Sängerin Lou Doillon (rechts)
Teil der Jury: Gewinnerin des Grand Prix 2017 Vanessa Schindler mit Modelmuse Farida Khelfa

Teil der Jury: Byredo-Gründer Ben Gorham und Schmuckdesignerin Delfina Delettrez

Jury-Vorsitz für den Grand Prix: Designer Haider Ackermann (Mitte), Schauspielerin Tilda Swinton (links), Sängerin Lou Doillon (rechts)

Teil der Jury: Gewinnerin des Grand Prix 2017 Vanessa Schindler mit Modelmuse Farida Khelfa

Aus dem 1986 gegründeten Festival gingen schon Designergrößen wie Viktor & Rolf oder Anthony Vaccarello (heute Chefdesigner von Yves Saint Laurent) hervor.

Wer hier gewinnt, zeigt eine Mode, die wir uns genauer ansehen sollten, und trägt einen Namen, den wir uns lieber schon mal merken.

Neben Modekollektionen werden bei diesem jährlich stattfindenden Festival auch Photographie und Accessoires gekürt. Die Münchner Schmuckdesignerin Saskia Diez gehört bereits zum Inner Circle und besucht das Festival regelmäßig, seitdem sie 2011 selbst in der Jury saß. Mittlerweile tragen Organisatoren des Festivals Verlobungs- oder Eheringe von ihr.

Saskia Diez Tilda Swinton Hyeres 2018 Modepilot

Die Münchner Schmuckdesignerin Saskia Diez mit der schottischen Schauspielerin Matilda „Tilda” Swinton beim Hyères Festival

Neulich kam eine Mitarbeiterin von Diez in ihrem Münchner Atelier zu ihr: „Du, wir haben eine Riesenbestellung von einer Matilda Swinton in die Highlands nach Schottland. Ist das Tilda Swinton?” Diez dachte, dass Swinton vielleicht lauter Geschenke orderte. Aber beim Festival verriet ihr jetzt Swintons Partner, der deutsche Künstler Sandro Kopp: „In unserem Badezimmer stehen lauter runde Schachteln von Dir herum.”

Entspannte Atmosphäre und traumhafte Villen

Das Schönste an dem Festival ist, findet Diez, dass alles so entspannt ist. Die wichtigsten Entscheider der Pariser Modeszene kommen, aber anders als in Paris, bringt jeder Zeit und Muße mit. Auf den Schotterwegen und Rasenflächen tragen auch die Damen flaches Schuhwerk – das ist ungewöhnlich für eine Modeveranstaltung, die auch von den Carine Roitfelds dieser Welt besucht wird.

Egal, ob LVMH-Funktionär oder Nachwuchskünstler: Wer das fast fünftägige Festival an der Côte d’Azur besucht, übernachtet sehr wahrscheinlich in einem kleinen, einfachen Hotel. Fünf bis 14 Zimmer haben die Hotels in der Umgebung. Im Hotel La Reine Jane, wo die Jury untergebracht wurde, sind die einzelnen Zimmer mittlerweile von verschiedenen Designern gestaltet worden, berichtet Diez.

Villa Romaine Modepilot Hyeres 2018

Den Ort liebte schon Christian Dior: Privatvilla Romaine

Gegessen wird außerhalb des Festivals. Gäste werden in umliegende Villen zu einem Lunch im Garten eingeladen. Dann läuft man zunächst lange Toreinfahrten entlang, die von riesigen Kakteen und Palmen gesäumt sind, bis man atemberaubende Grundstücke kennenlernt. Die Villa Romaine von 1880 ist zum Beispiel so ein herrlicher Ort. Modeschöpfer Christian Dior wählte ihn seinerzeit für seine Sommerfrische.

Gewinner der 33. Festivals in Hyères, 2018

Gewinner des Grand Prix de Jury Première Vision ist der niederländische Herrenmoden-Designer Rushemy Botter, der in Antwerpen studierte. Er stammt aus Caracas und verarbeitet in seiner Kollektion, was er von Küstenstädten kennt: Strandgut aus Fischernetzen, Plastiktüten und Touristen-Souvenirs. Sein Look: Strandverkäufer mit einer Botschaft. Auf manchen Köpfen seiner Models stapeln sich Hüte, auf einem anderen ist ein böse schauender Delphin befestigt. Wir müssen etwas gegen das viele Plastik im Meer tun.

Botter darf nun die Handwerkskunst-Ateliers des französischen Couture-Hauses Chanel für seine nächste Kollektion in Anspruch nehmen. Dazu zählt zum Beispiel die Maison Lesage mit ihrer wundervollen Stickereiarbeit oder auch die Maison Massaro mit ihrem Schuhmacherhandwerk.

Festival-Partner, die Pariser Stoffmesse Première Vision, hilft zudem allen zehn Finalistin bei der Materialbeschaffung. Gerade für Newcomer ist es oft schwierig, an gute Stoffe zu kommen. Da sie mit ihren (noch) kleinen Stückzahlen die Mindestabnahmemengen nicht erreichen.

Für den Chloé-Preis wurden vor allem Kollektionen gezeigt, die einen Spagat zwischen „interessante Idee” und „kann man tragen” schaffen. Gewonnen hat Marie-Ève Lecavalier, deren Kollektion eine perfekt gestaltete Visitenkarte ist, um sich auf einen Designerposten bei Chloé zu bewerben.

Kollektion von Marie-Ève Lecavalier

Marie-Ève Lecavalier gewann mit ihrer Kollektion den Prix Chloé
Die Designerin spielt gern mit Leder und entwickelte eine Lederstricktechnik
Auf den ersten Blick vielleicht kein überraschender Look…
… aber die Gürtel-Detaillösung gefiel der Jury ganz besonders
Die Farbmuster sind Sinnbild für die Halluzinationen, die Marie-Ève Lecavalier in ihrer Kindheit hatte

Marie-Ève Lecavalier gewann mit ihrer Kollektion den Prix Chloé

Die Designerin spielt gern mit Leder und entwickelte eine Lederstricktechnik

Auf den ersten Blick vielleicht kein überraschender Look…

… aber die Gürtel-Detaillösung gefiel der Jury ganz besonders

Die Farbmuster sind Sinnbild für die Halluzinationen, die Marie-Ève Lecavalier in ihrer Kindheit hatte

Für eine Kollektion, die für die Größen 34 bis 50 konzipiert wurde, bekam Ester Manas den Galeries Lafayette-Preis (Bilder unten in der Galerie.)

Die Belgierin und Absolventin aus Amsterdam Sarah Bruylant erhielt den Publikumspreis der Stadt Hyères. Ihre Kollektion trägt den Namen „Meet Me In Another World” und ist geprägt von einer klaren, voluminösen Formensprache, aber auch von Handmalerei.

Hörgerät stylish Modepilot schön schick Hyeres Swarovski

Gewinner des Accessoires-Preises ist ein schickes Hörgerät

Der Swarovski-Preis für Accessoires ging an Kate Fichard, Flora Fixy and Julia Dessirier. Die drei Französinnen haben sich dem Design von Hörgeräten gewidmet. Man müsse sie doch nicht verstecken, finden diese. Lieber zum Modeaccessoire machen.

Eva O’Leary bekam den Photographie-Preis für eine Arbeit, die 11- bis 14-jährige Mädchen und ihre Schönheitsrituale portraitiert. Die Auszeichnung beinhaltet ein Preisgeld von 15.000 Euro, das Hauptsponsor Chanel stiftet. Den Vorsitz der Photografie-Jury hatte keine geringere als Fotografien Bettina Rheims inne.

Siegerin des Publikumspreises: Sarah Bruylant
Sarah Bruylants schöne Utopie
Sarah Bruylant
Arbeit von Sarah Bruylant aus Belgien
Gewann den Preis der Galeries Lafayette: Ester Manas
Arbeit von Ester Manas aus Frankreich
Outfit der Deutschen Regina Weber
… sie studierte in Weissensee und absolvierte 2017 ein Praktikum bei Margiela
Arbeit von Regina Weber aus Deutschland
Arbeit von Linda Kokkonen aus Finnland
Linda Kokkonen
Arbeit von Anna Isoniemi aus Finnland
Anna Isoniemi

Siegerin des Publikumspreises: Sarah Bruylant

Sarah Bruylants schöne Utopie

Sarah Bruylant

Arbeit von Sarah Bruylant aus Belgien

Gewann den Preis der Galeries Lafayette: Ester Manas

Arbeit von Ester Manas aus Frankreich

Arbeit der deutschen Regina Weber

… sie studierte in Weissensee und absolvierte 2017 ein Praktikum bei Margiela

Arbeit von Regina Weber aus Deutschland

Arbeit von Linda Kokkonen aus Finnland

Linda Kokkonen

Arbeit von Anna Isoniemi aus Finnland

Anna Isoniemi

Photo By: Catwalkpictures, Saskia Diez, Jean Picon, Paul Rousteau
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