Dicke Sneaker! Aber welche?
Kathrin Bierling

Dicke Sneaker! Aber welche?

Man hält sich vielleicht nicht für den Typ, der dicke Sneaker trägt. Aber um die hohen und breiten Sohlen kommen wir kaum herum – wie damals, als wir sportuntaugliche Straßensneaker kurz „Buffalos" nannten. Fast jeder weibliche Teenager bockte sich in den Neunzigerjahren damit um fünf bis zehn Zentimeter auf. In der Techno- und Spice Girl-Szene ging es noch höher. Auch viele Jungs und Männer machten da mit. An die verlängerten Beine gewöhnten wir uns leicht, weshalb die oft komplett in Schwarz gehaltenen Schuhe getragen wurden bis sie auseinander fielen.

Und heute?

Das Modell „Triple S” von Balenciaga war sofort ausverkauft, obwohl es 650 Euro kostete. Aber eigentlich auch kein Wunder, schließlich handelt es sich um eine gemütliche Beinverlängerung mit Empfehlung vom aktuell angesagtesten Designer: Demna Gvasalia.

Auf eBay werden die Schuhe für 1.000 Euro gehandelt. Amazon ist geflutet von Fälschungen. Selbst unter eingeschworenen Sneaker-Sammlern wird der High Fashion Sneaker gefeiert. Die Sohle sei einzigartig und würde auf meilenweite Entfernung „Balenciaaaaaga” schreien (sneakerfreaker.com). Die Designidee Gvasalias: Ein Schuh, der – rein optisch – schon drei Disziplinen absolviert hat: Laufen, Basketball und Leichtathletik. Daher die ineinander gestampften, unterschiedlichen Sohlen. Sneakerheads tragen jetzt Balenciaga wie Schuhe, für die sie früher vorm Nike-Store übernachtet haben.

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Der „Triple S” von Balenciaga bei der Herbst/Winterpräsentation 2017/18 der Herren, Januar 2017

Dicke Sneakersohlen: Entstehungsgeschichte

Woher kommt der Trend? Anfang der 2000er Jahre lancierte Nike ein Allerweltsmodell, das ohne die Vorarbeit der technohörenden Jugend in den Neunzigerjahren nicht möglich gewesen wäre. Der „Nike Air Monarch” war mit seiner sehr stabilen Sohle perfekt fürs Seniorentraining, den Schulsportlehrer und die bequemen Amerikaner. 2013 war der Monarch das meist verkaufte Schuhpaar von Nike – auch aufgrund seines günstigen Preises von circa 55 Euro. Dann geschah etwas, das kein Marketingstratege vorhersehen konnte: Der so genannte „Dad Sneaker” fand Gefallen unter den Trendbewussten als cooles, nerdiges Modell. Normcore!

Nike Air Monarch Modepilot Dad Sneaker dicke Sohlen
Nike Air Monarch

2013 zeigten einflussreiche Kreative ihre Interpretationen von dem, was in der Luft lag. Modedesigner Raf Simons lancierte für Adidas seinen ersten „Ozweego”, einen Sneaker mit derber und geschwungener Trekkingsohle. Musiker Kanye „Yeezy” West folgte, ebenfalls für Adidas, und ebenfalls mit enormen Sohlen. Sein „Wave Runner” liegt ganz nah am „Triple S” von Balenciaga – zeitlich und optisch.

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Nike Air Huarache (oben links), Adidas Yeezy Wave Runner 700 Triple White (oben rechts), Adidas by Raf Simmons Ozweego 3, Balenciaga Triple S (unten rechts)

Meine Wahl

Seit circa drei Jahren feiert der bereits 1991 lancierte „Nike Air Huarache” sein Comeback. Es ist das Breitlatschenmodell meiner Wahl. Der Huarache wurde von Air Max-Erfinder und Nike Air Jordan-Designer Tinker Hatfield zunächst als Laufschuh konzipiert, ein Jahr später (1992) auch als Basketballschuh. Seither kommen ständig neue Modelle auf den Markt: leichter, greller oder pastellfarbener, atmungsaktiver.

Nike Air Huarache (links), Balenciaga Triple S (rechts)
Nike Air Huarache Run (links), Balenciaga Triple S (rechts)

Wer es minimalistischer mag, schließt sich vielleicht meiner Freundin Julia an. Sie mag keine hellen oder bunten Sneaker an ihren Füßen: „Damit sehe ich immer aus als wäre ich auf dem Weg zum Sport”. Ihr Modell der Stunde stammt von Adidas. Den „EQT Bask” gibt es auch in komplett Schwarz.

Shoppen für einen stabilen Stand

Photo Credit: Catwalkpictures

Modepilot
Modepilot ist Deutschlands erster Modeblog. Mit seiner Gründung in 2007 war und ist er Vorreiter der unabhängigen Mode-Berichterstattung. Noch heute wird die Seite leidenschaftlich von Mitgründerin Kathrin Bierling geführt. Sie ist eine ausgebildete und erfahrene Journalistin, die zunächst bei der Financial Times lernte und arbeitete und dann einige Jahre bei der WirtschaftsWoche beschäftigt war, bevor sie die Seiten Harpersbazaar.de, Elle.de und InStyle.de verantwortete. An Modepilot liebt sie, dass sie die Seite immer wieder neu erfinden muss, um am Puls der Zeit zu bleiben. Worin sie und ihre Autoren sich stets treu bleiben: Den Leser ernst nehmen, nicht sich selbst.

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