Was erlauben Moncler?

Es gibt wenige Marken, die dem Einzelhandel vorschreiben können, was er zu ordern hat. Ganz vorne weg: der Abverkaufsgarant Moncler. Das italienische Modelabel, das mit wiedererkennbaren Daunenjacken, die jeder haben wollte, groß geworden ist, treibt diese Macht nun auf die Spitze. Aber in sofern in einer guten Art, da sie frischen Wind in die Läden bringt.

Der Einzelhandel, vor allem in Deutschland, ist dafür bekannt, konservativ einzukaufen: graue Rollkragenpullover, schwarze Daunenjacken. Besondere Teile, darunter auch besonders schöne und vor allem neuartige Designs, erreichen den Endkunden daher oft nicht – aus Angst, man könne auf der Ware sitzenbleiben. Man tat es schließlich schon so oft.

Moncler stellt heute Abend in Mailand ein Projekt vor, genannt „Genius Project”: acht Designkooperation, darunter welche mit Simone Rocha, Valentino-Chefdesigner Pierpaolo Piccioli und Francesco Ragazzi von Palm Angels. Das Projekt umfasst – der Anzahl der Kollektionen entsprechend – acht Warenauslieferungen. Sie kommen ab Juni in einem Abstand von einem Monat in die Läden und verschwinden entsprechend wieder – keine Preisnachlässe.

Wer als Einzelhändler mitmachen möchte, der hat alle acht Würfe zu ordern, das ganze Projekt sozusagen. Alles oder nichts. Doch bei Moncler stellt sich nicht die Frage, ob man als Einzelhändler bei etwas mitmachen möchte, sondern ob man mitmachen darf. Moncler gehört immer noch zu den gefragtesten Mode-Luxusmarken mit einem Verkaufszahlenplus in 2017 von 15 Prozent im Einzelhandel und 19 Prozent in eigenen Stores.

Die zwei Modelinien Gamme Rouge und Gamme Bleu werden indes eingestellt. Die Sommerkollektionen 2018 sind die letzten. Seit 2008 entwarf Giambattista Valli die extrem modische Damenlinie, seit 2009 entwarf Thom Browne die extrem modische Herrenlinie. Sie ebneten den Weg.

Jetzt heißt es aber: mehr Ware in kürzeren Abständen.

Wird es die Modeschauen noch geben oder sind sie überflüssig geworden? Eine Frage, die wir uns immer wieder stellen. Monclers CEO Remo Ruffini spricht immer wieder von „mehr Energie” und meint damit einen schnelleren Zyklus, der von einer flüchtigeren Welt verlangt wird. Bei BoF wir er zitiert mit: „Der Kunde möchte etwas Neues jede Woche, jeden Monat. Zuvor hatten wir sechs Monate bis zur Auslieferung eines Produkts.” … „Wir spielen im Markt vorne mit, wenn wir mehr Energie, mehr Auslieferungen, mehr Produkte liefern.”

Ich bin mir nicht sicher wie vorbildlich und erfolgsvorsprechend ich diesen Ansatz finde. Mehr Produkte brauchen wir, denke ich, nicht. Schöne, echte Geschichten schon. Auch weiß ich nicht, ob man dem Einzelhandel bei seiner Order nicht lieber vertrauen sollte. Keiner kennt seinen Kunden besser. Aber ich lasse mich überraschen.

Weitere Kooperationspartner des Projektes sind: Stylist Karl Tempel für ‚Moncler 1952‘; Sandro Mandrino für ‚Moncler Grenoble‘; Craig Green; Kei Ninomiya; Hiroshi Fujiwara für ‚Moncler Fragment‘.

Photo By: Catwalkpicures
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