Justin Leone: Basics – Wenn ich bei null anfangen müsste

Justin Leone ist dieser unglaublich gut angezogene Kanadier, über den die Weinwelt spricht. Er ist Dandy, er ist Rockmusiker und er ist Chef-Sommelier bei Deutschlands berühmtesten Sternerestaurant, dem Tantris in München (auch 2017 erhielt das Tantris wieder zwei Sterne vom Guide Michelin). Der gelernte Musiker und Quereinsteiger ist seit 2011 für den Weinkeller verantwortlich. 2013 wurde er zum Sommelier des Jahres gewählt (Preisverleihung „Leader of the Year“). Heute ist der 35-Jährige auch Jury-Mitglied bei der Fernsehshow „Masterchef“ auf Sky 1 (montags, um 20:15) und an dem Hamburger Accessoire-Label „Gentleman’s Agreement“ beteiligt. Als wäre das alles nicht genug: In circa einem Jahr wird er in München, neben seiner Tätigkeit fürs Tantris, ein eigenes Restaurant eröffnen. Da soll sich dann alles um Barbecue, Rock ’n‘ Roll und guten Wein drehen. Leone kam gerade von seiner BBQ-Recherche aus den USA zurück, als ich ihn traf und fragte: Was würdest Du Dir heute neu zulegen, wenn plötzlich alle Deine sorgfältig ausgewählten Anziehsachen, die vielen schönen Anzüge, weg wären?

 

Justin Leone über seine Lieblingsbasics

1. Das Sakko

Für einen guten Business-Anzug ist die Savile Row immer noch die erste Adresse. Aber keiner, wirklich keiner rockt die Casual/Cool/Classy-Kategorie lässiger als die Italiener. Mein aktueller Favorit ist eine Neuentdeckung, die sicherlich noch groß rauskommen wird, also haltet Ausschau nach Mulish (z.B. beim nächsten Wormland in deiner Nähe)! Die Marke kommt ohne der krassen Exzentrik von Etro aus und ist weit von Zegnas spartanischem Konservatismus entfernt. Die Schnittführung umarmt die Figur, die Farben  – und das Design sind einfach sexy!

Sakkos von Mulish

2. Der Anzug

Im richtigen Anzug fühlt sich ein Mann wie eine Million Bucks, unbesiegbar und riesengroß. Natürlich kostet ein Maßanzug etwas mehr (auch Zeit!) als das Wegwerfmodell von der H&M-Stange, aber es gibt absolut keinen Ersatz für das gute Gefühl, einen perfekt sitzenden Anzug zu tragen. Man bewegt sich in ihm, redet und und entscheidet mit mehr Autorität. Das Selbstvertrauen, das man ausstrahlt, wirkt wie ein Magnet. Leute möchten Dich näher kennenlernen, weil Du offensichtlich jemand bist, der sich auskennt, abwägt und sich nur für das Beste entscheidet. In München vertraue ich auf Stefan Sicking (Foto oben) in Schwabing für einen Savile-Row-trifft-Neoklassizimus-Stil. Für einen entspannteren, italienischen Mismatch-Look ist Dieter Betz (Foto unten) der Beste. Wenn ich unterwegs bin, kehre ich bei Herr Von Eden ein.

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Chef-Sommelier und Musiker Justin Leone im Sternerestaurant Tantris (Mismatch-Look by Dieter Betz)

 

3. Die Jeans

Es gibt kaum eine bessere Art, sich ganz bei sich zu fühlen, als in dieser zuverlässigen, alten Blue Jeans, die genau richtig passt. Sie begleitet Dich durch dick und dünn. Sie war dabei, als Du Liebeskummer hattest. Sie erlebte Hochgefühle, Erfolge und Niederlagen mit. Und sie war immer da für Dich. Bei mir ist es eine Drykorn Jeans, die mich seit einiger Zeit liebevoll und weich umarmt. Bei Ludwig Beck gibt es sie in vielen, coolen Farben, Färbungen, Schnitten und Styles – für Jeden ist etwas dabei! Es ist völlig in Ordnung, wenn man sie so lange trägt, bis sie auseinander fällt.

4. Die Tracht

Zu den drei Konstanten im Leben zählen der Tod, die Steuern und die Tatsache, dass das Oktoberfest unsere Stadt jedes Jahr in eine Shit Show verwandelt. Die Wies’n ist aber auch ein Vergnügen und – „let’s face it“ – für viele im internationalen Business ist die Wies’n auch Zeit der Geschäftsabschlüsse und Unterhaltungsprogramm für Topkunden. Als kultivierter Gastgeber verkörpert man da am besten den Wies’n-Spirit als Inbegriff bayerischer Eleganz. Damit der Gast mit dem Gefühl nach Hause geht, dass es hier nicht nur um vollgekotzte Einweg-Lederhosen geht, die in amerikanischen Kleiderschränken als Halloween-Kostüm enden. Die Tracht gehört zum Leben in Bayern und ein ordentliches, traditionelles Outfit muss sein – auch für Zugereiste. Die zünftige Garderobe eignet sich für noch viel mehr als die drei chaotischen Oktoberfestwochen. Ich entdeckte neulich erst Purple Angels – keine Designerin der alten Schule, aber dafür für junge und erfolgreiche Kenner konzipiert. Ich trage die Weste gern mal zu einem Anzug oder zur Jeans.

Tracht Herrenweste Justin Leone Purple Angels Modepilot

Trachtenweste (Lammwolle mit Samtpaspeln) von Purple Angels

5. Die Accessoires

Haltet mich für voreingenommen, aber ich hätte mich an der Marke „Gentleman’s Agreement“ nicht beteiligt, wenn ich nicht zuvor schon ein großer Fan der Produkte gewesen wäre. Accessoires sind essentiell, denn der Teufel steckt im Detail. Es ist ein langer Weg, bis wir alles zusammenhaben: eine Statement-Krawatte, ein Farbspritzer, der die Schuhe unter der Hose hervorpoppen lässt, oder ein Einstecktuch, das alles farblich zusammenhält (aber nicht zwingend Ton-in-Ton mit der Krawatte ist). Dazu vielleicht noch eine Anstecknadel oder eine Blume am Revers. Es sind die Details, die einen Sieger von einem Verlierer unterscheiden. Ich rede nicht vom Pfauengehabe, sondern von Geschmack. Also dem Geschmack, der einem im Blut liegt, von Kopf bis Fuß, also zeigt das auch! Auf der Homepage von Gentleman’s Agreement kann man sich mit Handgearbeitetem aus Hamburg eindecken. Übrigens: Fertiggebundene Fliegen zum Anstecken sind ein süßes Accessoire für Fünfjährige, aber nicht für uns! Lernt endlich, eine Fliege zu binden!

Justin Leone in a suit by Herr von Eden – in front of Tantris restaurant
Justin Leone in a suit by Dieter Betz in Tantris restaurant
Justin Leone in a suit by Alexander (Savile Row)

Justin Leone in a suit by Herr von Eden – in front of Tantris restaurant

Justin Leone in a suit by Dieter Betz in Tantris restaurant

Justin Leone in a suit by Alexander (Savile Row)

6. Das Haarstylingprodukt

Das Einzige, das in München noch ermüdender ist als uniformierte Banker, die bei Tagesanbruch die Leopoldstraße entlang marschieren, ist deren immer gleiche Frisur: aalglatt, zurückgeschleimt, mit der angeklebten Aussage „Ich bin ein Mistkerl, also hoffe, dass ich Dir nichts in den Drink getan habe, den ich Dir gekauft habe“. Ich greife lieber auf „Sumotech“ von Bumble and Bumble zurück: natürlicher Griff, mattes Finish. Es bewegt sich mit Dir und Deinem Tag. Damit es nach „eben Sex gehabt“ aussieht, braucht es einige Übung.

Sumotech Bumble and Bumble Modepilot Haarwax

Haargel „Sumotech“ von Bumble and Bumble, z.B. über hager-shop.de

 

7. Die Gesichtspflege

Junge Leute, vor allem Männer, glauben unverwundbar zu sein. Bis es zu spät ist. Klar. Die Krähen spüren in der Augenregion schon Land unter ihren Füßen. Aus „verknittert“ werden Furchen auf der Stirn und die Haut hat insgesamt weniger von dem berühmten „Glow“. Immerhin können wir gelegentlich in den Jungbrunnen der Herrenkosmetik (wenn nicht überteuert) abtauchen. Ich verwende die Produkte von Kiehl’s: Face Cleanser, Facial Fuel, Eye Defense, Shaving Cream & After Shave Balm.

8. Die Sonnenbrille

Diese Sonnenbrille trägt sogar meinen Namen „Justin“, aber das wusste ich nicht, als ich Elvis Costello zum erstem Mal auftreten sah – ich wollte unbedingt so cool aussehen wie er mit seiner Sonnenbrille. Dann entdeckte ich die klassische Ray Ban-Sonnenbrille in Schildpatt-Optik und da war’s um mich geschehen. Erst später fiel mir auf, dass die Linie „Justin“ heißt. Man könnte es Kismet nennen. Wenn man bedenkt, dass sich mein Job um das Konsumieren von Alkohol kreist, wird es niemanden verwundern, dass ich Sonnenbrillen verliere wie andere Kugelschreiber verlegen. Es ist also wichtig, dass neben dem Style auch das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt, wenn alle zwei Monate eine Neue her muss.

9. Die Lederjacke

Ob man sich nun eher als Easy Rider oder Punk Rocker sieht: Gegen jene wie Brando oder Ramone hat meine keine Chance, wenn man nicht auf diese Lederjacke setzt. „The Classic Perfecto Horsehide Leather Biker Jacket“ von New Yorks ältestem Lederjackenfabrikanten Schott NYCdas Original der Coolnesss. Wer sich die Horsehide kauft, beschert seinen Kindern, Enkeln und Ur-Enkeln das coolste Erbe, denn die Jacken sind unzerstörbar.

Marlon Brando in a leather jacket by Schott
Co-founder Irving Schott with son Mel
Here is where the coolest leather jackets come from
James Dean in a Schott leather jacket

Marlon Brando in a leather jacket by Schott

Co-founder Irving Schott with son Mel

Here is where the coolest leather jackets come from

James Dean in a Schott leather jacket

Kult-Lederjacken von Schott NYC:

 

10. Die Schuhe

Frauen lieben Schuhe, kaufen sie tonnenweise und tragen sie voller Stolz. Warum glauben Männer also, Frauen könnten unser Schuhwerk weder bemerken noch einordnen? Ein gepflegter Mann, der auch noch einen guten Absatz trägt, ist der Diamant unter den Rohedelsteinen. Also legt los mit diesem herrlich romantischen wie praktischen Design aus Italien! Magnanni (z.B. bei Oberpollinger oder online in der Galerie unten) gibt es unzähligen Farben: von klassischen Erdtönen bis Türkis, Violett und Babyblau. Außerdem in unterschiedlichen Lederqualitäten, mit allerlei Schnürsenkeln oder einem Monk Strap. Dazu passende Gürtel, selbstverständlich!

11. Die Armbanduhr

Ähnlich wie mit den Frisuren ist es in München auch um die Armbanduhren bestellt: Jeder Mann trägt eine verfluchte Rolex Deepsea, Submariner oder GMT Master. Versteht mich nicht falsch, Rolex steht für Qualität, keine Frage. Aber wir sprechen von Taucheruhren und Sportuhren an den Handgelenken von Münchner Anlageberatern. Fahren die in der Mittagspause an die Küste, um eine Bohrinsel zu reparieren? Warum tragen sie klobige Metall-Sportuhren zu ihren eleganten Anzügen? Da bevorzuge ich diese geschmeidige Master Control World Time von Jaeger-LeCoultre. Sie ist ebenfalls sportlich und praktisch, aber vor allem ein subtiles Gentleman Statement.

Jaeger-LeCoultre Master Control World Time Modepilot

Die „Master Control World Time“ von Jaeger-LeCoultre, z.B. über Christie’s

 

Photo By: Justin Leone, Mike Krueger
1 Kommentar zu “Justin Leone: Basics – Wenn ich bei null anfangen müsste”
  • Wie cool, na klar, ich kann mich noch genau erinnern, als ich Ende letzten Jahres zum „Jahresende-Essen“ im Tantris war. Der coole Typ ist mir sofort aufgefallen. Oh, schön, jetzt mehr über ihn zu erfahren. Cool! Gut angezogene Männer sind einfach großartig. Danke für den Bericht, der mich auch daran erinnert hat, dass ich auch einen Blog-Beitrag über das Tantris in der Pipeline habe… der geht im März dann mal endlich online.

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