Sebastian Warschow: Basics – Wenn ich bei null anfangen müsste

Immer wieder gibt es Männer, die ich als Frau um ihre Herrengarderobe beneide. Sebastian Warschow, Leiter der Münchner Fashion-Unit bei der PR-Agentur Häberlein & Mauerer (z.B. Avenue32, Dorothee Schumacher, Breuninger), ist einer von ihnen.

Er hat ein Gespür dafür, traditionelle Stücke der Männermode wie einen Hut oder eine Weste richtig lässig aussehen zu lassen und außerdem ein Auge fürs Detail, z.B. Einstecktücher. Selbst Basics sehen bei ihm immer eine Spur „geputzter“ aus und die Klassiker eben eine Idee unangestrengter. Neben seinem guten Gefühl für Silhouetten und Farben, hat er auch die richtige Portion modischen Wagemut und trägt Hemden mit floralen Prints mit dieser gewissen Selbstverständlichkeit.

Jetzt möchte man (und ich sowieso) natürlich gerne wissen, wie er das macht. Vielleicht liegt es daran, dass er ein Faible für Passform und Qualität hat und nicht nur bei den bekannten Luxusmarken shoppt. Aber das erzählt er uns en detail am besten einfach selbst. Was würdest du dir sofort neu zulegen, wenn du noch einmal bei null anfangen müsstest?

Stil-Guide: Die Mode- und Beauty-Basics von Sebastian Warschow

Sebastian Warschow

Das Parfum

Bevor ich mich anziehe, benutze ich, je nach Jahreszeit, ein Parfum, dass mich kleidet und mir als Grundlage meiner Garderobe dient. Insgesamt stehe ich eher auf ledrige, hölzerne Düfte und Tabak-Noten, eher männlich konnotierte Gerüche, die jedoch hier und da auch gebrochen werden können. So benutze im Frühling das leichte Tabacco von Santa Maria della Novella, der Traditionsapotheke aus Florenz, im Herbst hingegen eher einen schwereren Duft, wie zum Beispiel Blackpepper von Comme des Garcons.

Shopping-Tipp: Ab in die Aedes de Venustas Perfumery in New York, die seit 1995 von einem schwulen Paar aus München betrieben wird und auch eigene Duft-Kreationen anbietet. Eine super Inspiration! Adresse: 7 Greenwich Avenue, New York, NY. / www.aedes.com

Die Kette

Nach dem Parfum folgt das Geschmeide: Da ich die meiste Zeit unterwegs bin, benötige ich einen Talisman für meine Reisen. Die World Necklace von Saskia Diez begleitet mich schon lange und gibt mir ein Gefühl der Sicherheit, da sie symbolisch für die immerwährende Verbindung in die Heimat steht und mir den Weg aufzeigt. Die Silberkette hält einen massiven Globus, der von einer Kompassnadel getragen wird. Dieser Verschluss macht die Kette einzigartig, und meines Erachtens braucht ein Mann nur ein einziges Schmuckstück, wenn überhaupt.

saskia diez kette weltkugel sebastian warschow

Die Wäsche

Es gibt nur zwei Unterwäschehersteller, die das wirklich können: HANRO und Zimmerli. Beide Unternehmen stammen ursprünglich aus der Schweiz und verstehen sich auf qualitativ hochwertigste Unterwäsche. Ohne die weißen Sea Island Cotton Boxers von HANRO beginnt kein Tag. Günstig sind sie nicht, das stimmt, aber da Man(n) sich nicht komfortabler fühlen könnte, als mit diesen Shorts, sind sie jeden Euro wert.

Das T-Shirt

Seit geraumer Zeit bin ich auf der Suche nach dem perfekten T-Shirt. Es muss gut sitzen, die Form auch nach mehreren Wäschen beibehalten und vom Material so fein sein, dass man nicht anfängt zu transpirieren. Damit das gleich klar ist: Ich habe es noch nicht gefunden. Eine Zeit lang dachte ich, dass die T-Shirts von BLCKDNM die Lösung wären, dann Sunspel, dann die eines brasilianischen Labels, die mich auf Mykonos über den letzten Sommer gerettet hatten: Osklen produziert wirklich feinste Ware, die schlichten T-Shirts, sind crisp in der Haptik und tragen sich komfortabel – am Ärmel weit genug, damit es im Sommer luftig bleibt, das Material nicht zu leicht, so dass man es auch in der kälteren Jahreszeit gut unter Hemden tragen kann.

Die Jeans

Für mich funktioniert seit vielen Jahren nur die Max von Acne Studios. Das heißt nicht, dass es nicht auch andere Marken und Passformen gibt, die genauso gut oder besser sind. Das heißt eher, dass leider wirklich jeder selbst den Schnitt finden muss, der zu ihm passt. Die Max hat eine schmale Silhouette und kommt in einigen Ausführungen, von der ich jede einzelne habe, jedoch zumeist nur die schlichte Schwarze trage. Ich glaube nicht, dass irgendjemand etwas anderes braucht, als eine perfekt sitzende schwarze oder blaue schlichte Jeans. Distressed (mit Waschungen etc.) Denim? Not for me.

Der Sweater

Statement Sweater ja oder nein? Was soll’s. Ein Sweater mit Aufdruck als Reminisenz an meine Brutphase, die glorreichen 80er Jahre, darf im Schrank nicht fehlen. Ob ich dabei nun meine Comic-Träume mit Snoopy bei Gucci befriedige oder eher Albtraumhaftes bei Givenchy shoppe, kann jeder selbst entscheiden. Ich optiere gerade für die Batman– oder Mickey-Sweater von Zoe Karssen, dem kleinen niederländischen up and coming Streetwear Brand. Super Quali, wenig Euros. I like.

Das Hemd

Hemden sind der Terror. Sie passen nie perfekt, außer man hat die Zeit und das Geld für Maßhemden. Alles andere ist immer nur – ähnlich wie bei einem Anzug – der Versuch, einen Fit bei einer Marke zu finden, der möglichst gut auf meinen Körper passt. Hier gibt es für mich nur zwei Optionen: High Fahion = Dries van Noten und eher Basic = Seidensticker. Bei Dries verhält es sich bei mir wie mit seiner gesamten Kollektion: passt perfekt, zeitlos kombinierbar und dennoch fashion statement in einem. Seidensticker (z.B. via Seidensticker.de) hingegen produziert seit fast 100 Jahren Herrenhemden und weiß, wie das funktioniert. Da macht man nichts falsch und hat für jeden Anlass das richtige Hemd.

Hemd von Dries van Noten floral

 

Das Sakko

Und schon die Königsklasse: das Sak-ko (bitte auch immer genau so betonen!). Das Sakko, das ich mir wieder kaufen würde, gibt es leider nicht mehr. Es stammt vom mittlerweile im Dornröschenschalf schlummerndem deutschen Maßkonfektionisten „Regent handtailored und wurde in Zusammenarbeit mit dem Designtalent Kostas Murkudis entwickelt. Den Unterschied zwischen einem mit der Hand und Roßhaar vernähten Oberstoff und einem geklebten Sakko von der Stange erkennt man erst, wenn Man(n) beide Varianten getragen hat. Danach wählt man leider nie wieder ein geklebtes Sak-ko. Done.

Die Uhr

Eine Herausforderung! Die Wahl hängt natürlich vom Budget ab. Daher kommt für mich zu diesem Zeitpunkt nur eine Möglichkeit in Betracht: Ein weiteres Mal die schlichte Breitling vom meinem Großvater erben. Das Modell aus den 1950er Jahren kommt so unaufdringlich daher, dass es schon fast langweilig wirkt. Kenner wissen jedoch, dass das weißgoldene Zifferblatt des halbautomatischen Zeitmessers nicht nur wertvoll ist (materiell und ideell), sondern durch auswechselbare Armbänder zu jedem Look passt. Wenn ich genug Budget hätte, würde ich wahrscheinlich versuchen, irgendwo auf der Welt eine der wenigen Stahlarmband-Modelle der Jaeger-LeCoultre Memovox aus den 1960ern zu ergattern. Am liebsten mit schwarzem Gesicht, gibt es aber kaum. Bei einer Uhr muss jeder, aber natürlich sehr individuell überlegen, welche Marke und welches Modell zu ihm passt. Das bringt mindestens ein Jahr Recherche mit sich. Bloß nicht glauben, dass ein modisches Modell von Skagen oder Gucci auch nur ansatzweise das Wert wäre, was der Hersteller dafür verlangt. Das ist ein wenig wie bei Zara einen Fake kaufen – macht man einfach nicht.

Die Brille

Ich bin passionierter Brillenträger – aus zwei Gründen: Erstens bin ich ohne so gut wie blind, zweitens rundet eine Brille jeden Look ab und gibt mir eine weitere Styling-Möglichkeit. Auch hier mache ich es mir möglichst einfach: Entweder Sonnenbrillen von Céline oder Korrekturgestelle von Lunettes aus Berlin. Und dann am besten mehrere Modelle, damit zu jedem Look eine Fassung passt. Natürlich die Farben der Gläser nach eigenem Gusto bestellen, ich hab grüne, graue, schwarze und braune Gläser, mit und ohne Verlauf, verspiegelt oder nicht usw. Wie Socken kann man auch nie genug Brillen haben. Sie adden das gewisse Extra zu dem Gesamt-Look, wie ein Einstecktuch. Mein Lieblingsmodell in Braun oder Schwarz: Jeunesse Toujours.

Sebastian und seine gute Freundin Sarah Sharon Karsten

Sebastian und eine enge Freundin, die Stylistin Sarah Sharon Karsten

Die Schuhe

Ein paar verlässliche Schuhe braucht der Mann, wenn es ein einziges Paar sein soll: 641 Leather Derby Shoes von J.M. Weston in Schwarz oder Dunkelbraun – je nach Garderobe. That’s it. Wer dann noch Lust hat, kann sich noch den 180 The Moccasin Leather Loafer von J.M. Weston gönnen, komplementär in der jeweils anderen Farbe. Alles andere ist Quatsch. Etwas günstiger gibt es das dann bei Mr. Hare.

 

Photo By: privat
1 Kommentar zu “Sebastian Warschow: Basics – Wenn ich bei null anfangen müsste”
  • Hey hey! Wie super cool ist der denn?!
    Bin gerade schockverliebt und hätte ihn gerne als besten Freund und Shoppingbegleitung, da hat man mit Sicherheit irre Spaß und bekommt seine kompetente Beratung als Sahnehäubchen on top. Klasse Typ!

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