Haarewaschen: Es muss nicht immer Shampoo sein

Auf der Berlin Fashion Week treffe ich eine sehr aparte Frau: Ingrid Geringer ist Chefredakteurin des Modemagazins Flair für Deutschland und Österreich. Sie ist der Typ „Inès de la Fressange“, also ebenso natürlich elegant und anmutig wie das französische Ex-Topmodel und Botschafterin der Schuhmarke Roger Vivier. Beide sind groß, schlank und haben einen dichten Lockenschopf – très français! Und beide sind spritzig! Ingrid Geringer erzählt mir mit einer ansteckenden Begeisterungsfähigkeit von ihrem Selbsttest: 6 Wochen ohne Shampoo – sogar ohne Trocken-Shampoo!

Es sei reine Gewohnheitssache, das ewige Haarewaschen mit Shampoo, erklärt sie mir weiter. „Wenn ich mir überlege, wie viel Zeit, Aufwand und Geld ich spare, dann ist das schon ein ganz schöner Luxus und ein Stückchen neue Freiheit.“ Ihre Haare sahen überhaupt nicht ungewaschen oder fettig aus! Sie sahen gepflegt aus und so schön, dass ich am liebsten meine Frisur gegen ihre eingetauscht hätte. Sie sagt: „Wenn man die erste Zeit durchgehalten hat, dann fettet die Kopfhaut ganz soft und ohne Geruch nach. Die Locken werden von Tag zu Tag schöner und lebendiger.“ Ich bin fasziniert. In der Folgenacht träumte ich sogar davon, ebenfalls eine lockige, volle Kurzhaarfrisur zu tragen und diese nicht waschen zu müssen.

Mein Versuch, es ihr gleichzutun, scheitert allerdings regelmäßig nach spätestens fünf Tagen. Meine Haaransätze sind einfach zu fettig und ich fühle mich dann nicht mehr wohl. Am dritten oder vierten Tag wasche ich meine Haare nur mit Wasser (wie es Ingrid mir rät), aber am fünften Morgen sehne ich mich nach einem frischen, wohlriechenden Schäumen.

Haarewaschen: Das sagen die Experten

Ich befrage zu dem Thema die Dermatologin Dr. Christina Auer und Alexander Fehrenbach-Voit, Friseur und Art Director bei Lippert’s Friseure München.

Fehrenbach-Voit: „Je häufiger man sich die Haare shampooniert, desto eher und stärker fettet die Kopfhaut wieder nach. Man kann das Ganze sozusagen trainieren, aber von zwei Tagen auf sechs Wochen halte ich für unmöglich. Beziehungsweise haben diejenigen, die das können, echt Glück!“

Dr. Auer: „Feste Regeln zur Häufigkeit der Haarwäsche gibt es nicht. Um das Haar liegt eine ringförmige Talgdrüse, die z.B. auf Bewegung des Haares (wie beim Kämmen oder Bürsten) eine kleine Menge dünnflüssiges Fett entleert, welches die Kopfhaut sowie den Haarschaft bedeckt. Dadurch entsteht im Idealfall eine weiche Kopfhaut und glänzendes Haar.“

Ingrid Geringer Locken Frisur Modepilot

Flair-Chefredakteurin Ingrid Geringer

Waschen wir uns die Haare tendenziell zu oft?

Fehrenbach-Voit: „Es würde oftmals sicherlich reichen, nur heißes Wasser zu verwenden, doch der ästhetische Aspekt von wohlduftendem und blumig riechendem Haar darf dann keine Rolle spielen. Möchte man wirklich alle Gerüche von sechs Wochen in den Haaren aufnehmen und behalten?“

Dr. Auer: „Bei trockener Kopfhaut und Haaren reicht eine wöchentliche Haarwäsche mit alkalifreien Shampoos, die das leicht saure Milieu nicht verändern, und entsprechenden Haarpflegeprodukten (z.B. Panthenol-haltig) hinterher aus. Wer es noch länger aushält, umso besser.“

Und bei einer eher fettigen Kopfhaut (wie meiner)? Ließe sich das Haarewaschen hinauszögern, wenn man es nur ausreichend „trainiert“?

Fehrenbach-Voit: „Pauschal kann man dies gar nicht beantworten. Ich habe tagtäglich viele Haare in meinen Händen – gewaschen oder ungewaschen. Das Thema beschäftigt viele meiner Kundinnen. Aber es hängt von der Veranlagung der Haut und der damit vom Körper vorbestimmten Talg- und Schweißproduktion ab, wie schnell Haare fettig aussehen.“

Dr. Auer: „Ein Zuviel an Talgproduktion gibt es zum Beispiel bei Stress, Hormonschwankungen; etwa in der Pubertät, Schwangerschaft und Menopause. Auch Kopfbedeckungen, eng anliegende Frisuren und zu häufiges Bürsten können das begünstigen. Bei fettig-schuppender Kopfhaut kommt unter Umständen eine Hefepilzbesiedlung dazu und dann helfen am besten Selensulfid-haltige Shampoos. Chlor- und Salzwasser sollte hinterher immer gründlich ausgespült werden, ebenso sind zu heißes Föhnen und aggressive Färbemethoden problematisch.“

Ok, und jetzt konkret: Ich müsste eigentlich alle zwei bis spätestens drei Tage meine Haare waschen. Habe ich eine Chance auf weniger Shampoo-Verbrauch? Und wäre dies nicht sogar gut für meine hoch aktive Talgproduktion?

Fehrenbach-Voit: „Also ich denke schon, dass du es schaffen könntest, nur noch einmal die Woche deine Haare zu waschen. Aber du brauchst sicherlich ein viertel Jahr, bis sich deine Kopfhaut daran gewöhnt und die Talgproduktion sich reguliert hat! Hast Du schon mal Trockenshampoo zur Überbrückung ausprobiert? Diese nimmt den Talg auf und du kannst das Haar wieder sauber bürsten, ohne shampoonieren zu müssen. Aber Du solltest darauf achten, dass es ein hochwertiges Trockenshampoo ist (Ich persönlich liebe das „Drynamic“ von Sebastian Professionals.), denn sonst fetten die Haare noch stärker nach!“

Dr. Auer: „Ich glaube, dass die Talgproduktion doch in erster Linie von den zuvor genannten Faktoren und der Veranlagung abhängt. Möglicherweise gibt es den Effekt einer leichten Verbesserung durch weniger häufige Haarwäsche – durch das subjektive Gewöhnen allemal! Aber belegt ist das bislang nicht. Haarsprays und -festiger und ggf. Trockenshampoos können die häufige Haarwäsche hinauszögern.“

Wenn’s mal wieder länger dauert: Trockenshampoo

In der Shopping-Galerie findet ihr auch das von Fehrenbach-Voit empfohlene „Drynamic“ von Sebastian Professionals und meinen Favoriten von Toni&Guy.

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Photo By: Ingrid Geringer
2 Kommentare zu
“Haarewaschen: Es muss nicht immer Shampoo sein”
  • Vermutlich hat Ingrid Geringer beneidenswert normales Haar und spült den Schmutz jeden Tag beim Duschen aus den Haaren und von der Kopfhaut. Man lebt ja in Großstädten und da gibt es jede Menge Feinstaub und weniger feinen aus den Haaren zu entfernen. Sicher könnten viele Frauen und Männer ihr Haar weniger häufig mit Shampoo waschen, ein guter Dekanstoss, aber man kann alles übertreiben. In beiden Richtungen … Und es gibt ja so tolle Shampoos, die gar nicht mehr schäumen und garantiert nicht schaden. Mich würde interessieren, womit Ingrid Geringer duscht und wie oft sie das Duschprodukt verwendet bzw. ihrer Haut zuliebe weglässt. Die Körperhaut ist zwar anders behaart, aber ansonsten nicht so weit von der Beschaffenheit der Kopfhaut weg.

  • Also ich habe mal den Selbstversuch gemacht, mir die Haare weniger zu waschen, aber ich habe nach kurzer Zeit aufgegeben. Die Haare haben bereits nach 3 Tagen so sehr gefettet, dass ich überhaupt nicht mehr nach draußen gehen wollte.

    Soll aber auch Leute geben, bei denen das funktioniert.

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