Fallen gelassen wie eine heiße Pantoffel

Pantoffel, Mule, Slipper, Schlappen, Babouchen : Schuhmodelle mit offener Ferse sind das Trendpiece du jour. Warum eigentlich? Und wie heißen sie denn nun wirklich?

Der Hype um die offenen Latschen

Selten eroberte eine Schuhform so schnell gleichermaßen die Herzen der Hardcore-Modefans wie auch das Straßenbild. Schuld daran ist, das wissen ja alle dank des Hypes, der "Princetown Slipper" von Gucci, ein Geniestreich des Gucci-Designers Alessandro Michele. Das mit Kängurufell gefütterte Modell löste Begeisterungsstürme aus, weil ein als spießig wahrgenommener Schuh (Loafer) nun aussah, als hätte man mal eben einen Ausflug in die Wildnis unternommen und dabei versehentlich auf einen Biber getreten. Durch die freigelegte Ferse wirkt der Schuh trotzdem so gemütlich wie Haus-Pantoffeln. Der Gucci-Slipper mit Fell ist sozusagen eine Allegorie auf das moderne Leben: eine modische Überwindung zwischen Traumbild und Realität unseres Lebens, das wir auf dem Sofa sitzend als wilde Dauerparty inszenieren.  Aber ich schweife ab.
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Der Gucci-Mania-Beginn: Gucci Herbst/Winter 2015/16, präsentiert im Februar 2015
Der Gucci-Sipper sei "wie eine herbstliche Cabriofahrt“, so beschrieb der Zeit-Autor Daniel-C. Schmidt die scheinbar unvereinbare Kombination aus winterlichem Fell und sommerlicher Schuhform. Klingt nach einem Paradoxon und genau darum geht es in der Mode: Bekanntes in einen neuen Kontext setzen. Der Schuh war ruck-zuck ausverkauft. Mittlerweile sind die Slipper nicht mehr mit Känguru-, sondern mit Lammfell ausgelegt und wieder erhältlich. Unklar scheint immer noch: Wie heißt der flache Schuh mit offener Ferse nun?

Mules oder Pantoffel?

Per Definition ist "Mule" der aus dem 16. - 18. Jahrhundert stammende, französische Begriff für "Pantoffeln". Diesen wiederum beschreibt das Modelexikon folgendermaßen: "Seit Ende des 4. Jahrhunderts n. Chr. belegte Fußkleidung aus Sohle und Vorderkappe ohne Fersenteil. Eine Sonderform ist der Pantoffel-Schuh mit niedergedrückter Ferse." Egal ob die Fersenkappe nun gar nicht da ist oder nur als Stilmittel heruntergetreten ist: Pantoffel bleibt Pantoffel.
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Garance Doré in der Kampagne von Massimo Dutti für Frühjahr/Sommer 2016

Die Geschichte des Pantoffels

Das Wort Pantoffel ist frühneuhochdeutsch (ca. 1350 bis 1650), abgeleitet vom "frz. pantoufle" (gehört zum Wortstamm patt- "Pfote", "Tatze",). Der Begriff Schlappen ist niederdeutsch, kommt von "schlappen", also "lose sitzen", und bezeichnet seit dem 18. Jahrhundert Hausschuhe. In Österreich hingehen nennt man die Schlüpf-Schuhe "Patschen" (von Baboschen, Babuschen, frz. Babouches. Er stammt ursprünglich aus dem Persischen "papūsch", aus "pa" für "Fuß" und "pûsch" für Decke). Nochmal im Überblick, grob eingeteilt:
Babusche= Pantoffel, Mule = Pantoffel, Schlappen= Pantoffel.
Im 15. Jahrhundert ging der Pantoffel auf Europareise, gelangte von Italien ("Pantofla") nach Frankreich und nach Deutschland. Im 17. und 18. Jahrhundert war dann der Seiden-Pantoffel mit Absatz bei den Damen modern und wurde ganz chic "Mule" genannt, blieb aber trotzdem ein Pantoffel. Die Herren trugen das Modell ohne Absatz als Hausschuh. Einfache Varianten wurden auch von Mägden getragen. Im 19. Jahrhundert wurde der Begriff "Pantoffel" dann allgemein für bequeme Schuhe verwendet, in die man hineinschlüpft, also auch für Haussschuhe. Der Begriff "Slipper" kam ab 1947 auf, stammt aus dem Englischen ("to slip" -  hineinschlüpfen) und bezeichnet einen weitausgeschnittenen Schlupfschuh mit niedrigem Absatz. Wenn ihr mich fragt: ein gepimpter Pantoffel.
Diese Geschichte und die verschiedenen Formen des Pantoffels kann man übrigens im Schuhmuseum von Bally in der Schweiz bewundern. Mein persönlicher Lieblings-Pantoffel stammt auch von Bally.

Der perfekte Pantoffel

Die schwarzen Lederschuhe mit großer Gold-Schnalle kann man als Loafer ODER Pantoffel tragen, weil man die Fersenkappe an der Kante umschlagen kann. Modell "Janelle" von Bally, um 495 Euro.
 

Shop the Trend: Pantoffeln

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Photo Credit: Catwalkpictures, Massimo Dutti, Bally

Kommentare

  • Lalla Babouche sagt:

    Wow, das ist bestimmt der umfassendste Artikel zu Babouches, den ich bislang gefunden habe - vielen Dank, liebe Isabelle. Mittlerweile ist der Trend ja voll angekommen. In Berlin sieht man diesen Sommer neben Birkenstock und Adiletten immer mehr Babouches. Viele Grüße aus Kreuzberg!
  • Sybille sagt:

    Sicher nicht für jeden Anlass, aber ich ist doch mal etwas anderes, ich finde diese Slipper, wo man die Fersenkappen runtertreten kann total hype. Je nach Outfit, Kleidungsstil und Wetter kann man sie als hinten offene Slipper, oder geschlossene Loafers tragen. Wenn ich ein passendes und bezahlbares Paar finde, kaufe ich mir welche. Ich hab das schon als Teenager in den 80er mit den Espadrilles mitgemacht, das war es doch auch schon fast salonfähig Esprilles mit eingeklappten (runtergetretenen) Fersenkappen zu tragen.
    • Carmen sagt:

      Endlich mal wieder etwas frischen Wind in der Schuhmode. Mir gefallen diese Schuhe. Ich würde sie daher auch nicht als Pantoffeln, sondern ganz einfach als Slipper bezeichnen. Ich denke auch das ich mir ein Paar leisten werde. Vermutlich sind diese Slipper aber eher dafür geeignet, dass man sie hauptsächlich mit eingeklappten Fersen, halt eben als Slipper trägt. Ich hab vor einigen Tagen ein Paar anprobiert; das Leder der Fersenkappe ist sehr weich, daher hat man bei hochgeklappten Fersen nicht den besseren Halt in den Schuhen als wenn man sie runtergeklappt trägt... aber man hat doch immer noch die Option die Slipper jederzeit in Halbschuhe zu verwandeln. Aber es sind ja Schuhe für die warmen Tage, daher hinten offen tragen und ich finde es sieht ganz gut aus.
  • Eva sagt:

    Ein schöner Artikel!
    Mit den Schlappen kann ich überhaupt nichts anfangen. Am zweitschlimmsten sind die Fellteile von Alessandro Michele und der Hype, den er insbesondere bei nicht ganz geschmackssicheren Modebloggerinenn ausgelöst hat. Zur Schau getragene Dekadenz an Stelle von gut gemachten, schönen Schuhen und diese Bally-Teile sehen aus, als ob man normale Schuhe runtertreten würde, weil man zu bequem ist, sie richtig anzuziehen. Wer's mag, bittesehr!