Was können Anti-Aging-Cremes wirklich? Ein Expertengespräch

Anti-Aging-Cremes können Falten gar nicht bekämpfen? Wir befragten Dr. Patricia Ogilvie, eine Frau, die es wissen muss. Die Hautärztin betreibt zusammen mit ihrer Schwester Dr. Alexandra Ogilvie zwei Praxen in München: www.skin-concept.de. Sie führt klinische Studien mit unterschiedlichen Kosmetikmarken durch.

Dr. Patricia Oglivie ist auch Fachärztin für Venerologie und Allergologin. Die 47-Jährige botoxt sich seit circa 17 Jahren selbst und unterspritzt sich gelegentlich Hyaluronssäure. Außerdem unterzieht sie sich einmal im Jahr einer Laserkur, die die Haut gleichmäßiger macht, kleine braune Flecken und Äderchen entfernt und die Poren verfeinert. Plus regelmäßiger Anwendung medizinischer Kosmetik.

Beauty Mythen aufgeklärt: Anti-Aging-Cremes

Dr.Patricia Ogilvie Modepilot

Dr. Patricia Ogilvie in ihrer Praxis in München

Mythos: Keine Gesichts- oder Augencreme kann die Schwerkraft aufhalten oder Falten minimieren. Sobald eine Creme tiefenwirksam ist, ist sie verschreibungspflichtig.

Dr. Ogilvie: „Die Schwerkraft ist eine unausweichliche Kraft, die alles „nach unten“ zieht, das ist natürlich richtig. Nicht zutreffend ist, dass hochwertige Wirkstoffe dieses Schicksal nicht zumindest bremsen könnten. Gerade festigende Inhaltstoffe, die der Haut in den tieferen Schichten Struktur verleihen, sind in ihrer Wirksamkeit sehr gut wissenschaftlich belegt (z.B. Pal-KTTKS). Die Eindringtiefe von Wirkstoffen ist hierbei etwas verwirrend: Tatsächlich dürfen formal nur Inhaltstoffe in den freiverkäuflichen Markt kommen, deren eigene Wirkung nicht tiefer reicht als bis in die oberen Hautschichten. Viele moderne Inhaltstoffe setzen jedoch in den oberen Schichten der Haut Prozesse in Gang, deren Wirkung sich auch wesentlich tiefer entfalten kann. So ist die Reichweite dieser Inhaltstoffe tiefer als ihre eigene Eindringtiefe. Das gilt übrigens auch für Lichtschutzfaktoren: Auch ein „nur“ auf der Hautoberfläche liegender physikalischer Lichtschutzfilter wie Titandioxid oder Zinkoxid kann von UV-Strahlen ausgelöste Schäden an der DNA von Hornzellen und Bindegewebszellen verhindern, ohne selber dorthin zu gelangen. Auch diese Lichtschutzfaktoren sind nicht verschreibungspflichtig.“

Mythos: Man kann die Haut durch zu frühe Anwendung von Anti-Aging Cremes verwöhnen und sie altert schneller, wenn man damit aufhört.

Dr. Ogilvie: „Dies gehört auch zu den verbreiteten Mythen, die nicht dadurch wahrer werden, dass sie ständig wiederholt werden. Es gibt keinerlei wissenschaftliche Belege dafür, dass die Haut durch Unterstützung von außen (also durch Wirkstoffe in Cremes) selber faul würde und keine eigenen Abwehr- und Reparaturleistungen mehr erbringen würde. Im Gegenteil: Mit rechtzeitiger Unterstützung hilft man der Haut und ihren begrenzten Ressourcen zur Selbstheilung. Sie werden im Laufe des Lebens schlechter, somit gerät das Haut-Schaden-Konto unweigerlich irgendwann ins Minus. Je länger man hier durch Cremes Nachhilfe leistet und ein Polster angespart hat, desto später überzieht man sein Konto.“

Photo By: Dr. Patricia Ogilvie

Kommentar hinterlassen

Your email address will not be published.

Follow our travels on Instagram: