Ein Gespräch mit Patrick Cox macht mich nachdenklich

Das Modemuseum in Antwerpen weiß, womit man eine ganze Menge Frauen ins Museum locken kann: mit Schuhen. Von Manolo Blahnik, Christian Louboutin oder Salvatore Ferragamo zum Beispiel. In der aktuellen Ausstellung „Footprint“ werden davon gleich mehr als 400 Paar gezeigt. Begleitend zur Ausstellung gab es am vergangenen Sonntag einen „Breakfast Talk“ in der belgischen Stadt. Hier sprachen Geert Bruloot (Schuh-Shop-Besitzer und Kurator der Ausstellung) und Hettie Judah (britische Journalistin) mit Schuhdesigner Patrick Cox über sein Leben und seine Karriere. Cox begann als Schuhdesigner für Vivienne Westwood und machte die Designerin zum Fan von Plateau-Sohlen. Er ebnete quasi den Weg für den legendären Fall von Naomi Campbell auf dem Laufsteg. Seine Karriere verlief nicht steil, liefert dafür aber rückblickend reichlich Stoff für lustige Anekdoten.
Patrick Cox, Herbst/Winter 2001/02
Patrick Cox, Herbst/Winter 2001/02
Am Anfang hatte Patrick Cox wie die meisten britischen Designer seiner Generation kein Geld in der Tasche (weder für die Karriere noch für das Leben), dafür aber umso verrücktere Outfits und reichlich Tatendrang. 1983 kreierte er die besagten ersten Plateau-Schuhe für Vivienne Westwood, als er noch im ersten Semester am Cordwainers College studierte. Westwood war damals völlig pleite, wie Cox erzählt. „In ihrem Atelier war man auf Kerzen als Lichtquelle angewiesen. Bei der besagten Show 1983 warteten wir bis zum geplanten Showbeginn noch immer auf die Kollektionsteile aus Italien! Als der Lieferwagen endlich kam, lud dieser statt einer fertigen Kollektion nur Nähmaschienen, Stoffbahnen und Schnittmuster aus und fuhr davon. Also musste Backstage das ganze Team nähen und wir holten Designer wie John Galliano und Stephen Jones aus dem Publikum, um dabei zu helfen.“
Man stelle sich das mal in Berlin vor: Bobby Kolade hat die Kollektion noch nicht fertig und Marina Hoermanseder und Malaika Raiss stürmen Backstage, um noch schnell die Musterteile zu nähen.
Geld bekommen hat Patrick Cox, der 1985 sein eigenes Label gründete, für keine seiner Show-Schuhe. Nicht von Vivienne Westwood und auch nicht von John Galliano, mit dem er ebenfalls zusammenarbeitete. „Das zweite Jahr in London habe ich mir finanziert, indem ich selbst bemalte Dr. Martens verkauft habe.“ Förderung? Gab es nicht. Trotzdem hat er es geschafft. Je länger ich dem unfassbar sympathischen und brutal ehrlichen Designer zuhörte – und ich liebe verrückte Geschichten wie seine –, desto dringender stellte sich mir die Frage:
Würde ich für meine Kunst unter der Brücke schlafen? Oder meinen Traum dann doch an den Nagel hängen? Und wofür würden sich die Nachwuchsdesigner in London oder Berlin heute entscheiden? Träume bezahlen keine Stromrechnung. Vielleicht würde aber ein wenig Kerzenlicht, hin und wieder nur, manchmal die Energie und den Zauber in die Mode zurückbringen?
2007 hat Patrick Cox sein eigenes gleichnamiges Label übrigens, als es dann tatsächlich schon lange profitabel war, an die Gier seiner Investoren verloren. In dieser Saison Herbst/Winter 2015 lanciert er seine neue Schuhkollektion, für die er nun seinen zweiten Namen verwendet – Lathbridge. Die neuen Entwürfe zeigen sich deutlich kommerzieller als die Fantasie-Schuhe, die er damals für Westwood und Co. entwarf.
 
Photo Credit: Frédéric Uyttenhoven, PR

Kommentare