Beauty Tutorial Wahnsinn

Aktuell liegt das #ich-Magazin mit Cover-Star Karolina Kurkova am Kiosk. Das High Fashion Magazin aus dem Red Bull Media House wird vor allem in Österreich vertrieben, weshalb ich hier nun aus meiner aktuellen Kolumne "Tutorial Tortur" zitiere. Ich durfte mich über Schminkvideos im Internet auslassen, über so genannte "Beauty Tutorials"...

Beauty Tutorial Kolumne

"Beauty-Tutorials im Internet sind eine Tortur. Allein beim Hören dieses Begriffs fällt mir mein Kopf auf die Tischplatte. Es handelt sich meist um junge Frauen, die erst Offensichtliches erklären (warum sie eine Haarklammer tragen etwa) – und das sehr ausschweifend. Dann erörtern sie in 72 einfachen Arbeitsschritten, wie sie aus Nacktmulch-Augen binnen 30 Minuten Chihuahua-Glubschaugen zaubern. Dafür braucht es „gar nicht viel“, denn „das ist ganz einfach“. Man braucht halt den Willen dazu. Im besten Fall ist so eine Anleitung – dank Selbstironie, Zeitraffer oder Malheur – unterhaltsam. 500.000 Zugriffe verzeichnen solche Make-up-Tutorials, die mit „Hi Leute, ich bin’s, Katiiiiiiiii!“ beginnen. Dabei winken mir meine neuen Freundinnen zu und bedanken sich, dass ich wieder (?) eingeschaltet habe."

Ich überspringe die Grundierung. Es geht in der Kolumne weiter mit:

"Mich erinnert das immer an den Mathematikunterricht der Oberstufe: Ich schalte ab, wenn sich mir das Verhältnis von Aufwand zu Mehrwert nicht erschließt. Kopf auf Tischplatte. Dabei ist es immer das Gleiche: Smokey Eyes werden mit Sandtönen vorbereitet, mit Sandtönen! Man „arbeitet“ sich Schritt für Schritt („you can blend it“, „smudge it“, „fade it out“) von hell nach dunkel, mit den Fingern, dem Schwämmchen und dem Pinsel, weil das Ergebnis sonst – wie ich schon weiß – dilettantisch und fleckig aussieht. Schminkkünstler sprechen von ein paar einfachen Handgriffen und Tricks, die jeder zu Hause nachmachen kann. Man fühlt sich faul und unmotiviert, wenn man dabei nur an den enormen Aufwand denkt. Oder die unzähligen Male, es wieder nicht versucht zu haben. Und wenn ich die ersten paar Kommentare von 500 unter den YouTube-Videos durchlese, dann geht es mir noch schlechter: Ich bin die Einzige, die es nicht einmal probiert. Ich bin ein Loser.

Deswegen die finale Frage: Möchte ich den „J.Low Glow“? Nein, ich möchte einfach nur einen Trick, wie ich in der Früh fünf Minuten länger im Bett liegen kann und trotzdem 1a aussehe. Mit einem Lidschattenduo. Ohne Grundierung. Oder noch besser: Ich möchte den YouTube-Stars die Wohnung neu einrichten, zumindest jenen Teil, den man immer im Hintergrund sieht. Hey, ihr seid erfolgreich, ihr habt Einnahmen durch vorgeschaltete Werbung und Verträge mit der Beauty-Industrie. Ihr müsst nicht alle die gleiche Ikea-Kommode aufstellen."

Photo By: Carli Byble
4 Kommentare zu
“Beauty Tutorial Wahnsinn”
  • Sehr unterhaltsam ... :-)) was mir auch noch nicht klar ist, wie es zu dieser Popularität von echten Dragqueen-Looks für Bühne und Mardi-Gras für Mädels kam ...

  • Also ich verstehe nicht warum man darüber einen Artikel schreiben muss. 1. zwingt einen keiner solche Videos zu schauen (besonders die mit den scheinbar nervigen Damen), 2. gibt es so eine Vielfalt an Tutorials und auch viele die ein schnelles Make-up für Morgenmuffel als Ziel haben.

    • Liebe Marina,
      als aufmerksamer Mode- oder Beauty-Journalist bleibt einem das Phänomen "Beauty Tutorials" und deren Reichweite nicht verschlossen und man setzt sich unweigerlich damit auseinander. Man wundert sich, welche Videos besonders häufig gesehen werden im Vergleich zu solchen, die einen persönlich eher ansprechen. Und dann sammeln sich diese Verwunderungen im Kopf bis sie sich in einer Kolumne ergießen. Manches möchte man einfach einmal loswerden 😉 Welches Beauty-Tutorial kannst du uns und unseren Lesern denn empfehlen?
      Liebe Grüße,
      Kathrin

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