Emily: alles andere, aber nicht Paris
Die neuen Folgen Emily in Paris werden gedreht und ich zähle die Wochen bis zur Ausstrahlung. Ja, ich weiß, super seicht. Darren Star, der Mann, der uns Sex and the City schenkte, hat hier ein Werk geschaffen, das so aggressiv oberflächlich ist, dass es fast schon wieder subversiv wirkt. Doch viele Menschen, so wie ich, hatten ein Made-my-day-moment, als sie erfuhren, dass im Mai die Dreharbeiten der neuen Staffel beginnen. Vor lauter Vorfreude beschloss ich, ein paar Wochen als Emily in Paris zu verbringen.
Klara in Paris

Emily fällt durch ihre übermotivierte und schrille Art auf, unterstrichen von ihren Outfits. Sie sehen aus als hätte man „Mode“ gegoogelt und die ersten fünfzehn Ergebnisse zusammen gemixt. Es ist einfach over the top. Sie verkörpert alles andere, aber nicht Paris. Trotz ihrer für manche nervigen Art, schwebt sie durch Paris. Ihr fällt alles in den Schoß – nicht nur Jobs, sondern auch Männer (viele Männer). Männer, die Emily lieben, genau wegen dieser Art.
Ende des Jahres soll die neue Staffel beginnen. Und ich frage mich: Kommt Emily mit Gabriel happy aus Griechenland zurück, lernt sie dort vielleicht einen neuen Mann kennen oder entscheidet sie sich am Ende für die reizloseste Option: für sich selbst? Wir sind doch alle Fans von Dramen, also bitte kein spirituelles Wiederfinden!

Während ich dabei war, mich wiederzufinden, fragte ich mich, warum wir die Serie oft als nervig empfinden. Vielleicht, weil wir dieses Leben nicht haben können, neidisch sind auf Emily und zudem eine andere Sichtweise als Emily haben, also weniger naiv durchs Leben gehen.
In Paris sehe ich vollgestopfte, stinkende Metros und eine Taubenplage. Warum werden diese Dinge in der Serie nicht gezeigt? Emily fokussiert sich auf die positiven Dinge im Leben und lässt sich nicht von Kleinigkeiten abfucken. Ihre Art von delulu sein, macht sie erfolgreich in allen Disziplinen.
Sie verkörpert alles andere, aber nicht Paris.

Ich wagte mich ans delulu sein. Meine erste Woche in Paris war ein Abklatsch der ersten Folge. Auch ich wohnte im 5. Stock, ebenfalls ohne Aufzug. Neben mir befanden sich eine Boulangerie, ein französisches Restaurant und ein Blumenladen. Der Ausblick aus meinem Fenster: Wooow!

Doch dann holte mich die Realität ein. Fuck, wieso bringt Duolingo einem auf Französisch „mit Karte bitte“ nicht bei? Das Wetter in der ersten Woche ähnelte Sylvies Laune. Und auch mein Magen hatte genug. Fiebrig fragte ich mich, ob mir mein Hang zur Überromantisierung zum Verhängnis wurde.

Ich versuchte mich abzulenken und aufzuheitern. Natürlich mit Shopping! Niedergeschlagen, ohne Tüten, fragte ich mich auf dem Heimweg: „Okay, was würde Emily machen? Eine Instastory? Oder sollte ich vielleicht lieber gleich mit Social Media durchstarten?“ Was ihr mühelos gelang, war für mich eine Challenge. TikTok-Videos zu posten, machte zur Überraschung nicht so viel Spaß, wenn man sich davon etwas erwartete. Ich hörte damit auf, als ich bemerkte, dass es nur so semi lief und sich Männer in meiner Kommentarspalte wohl fühlten.
Also kopierte ich Emilys Sportroutine. Durch das Joggingprogramm graste ich Montmartre, die Seine und den Jardin des Tuileries ab. Besonders viel Erleichterung verschaffte es mir, dass man in Paris – anders als beim Reformer-Pilates – keinen Wert auf passende Sportoutfits legte. Lieben wir! Es wirkte so als würde jeder das tragen, was daheim auf dem Sessel herum lag. Ab diesem Moment fühlte ich mich, als würde ich ein Stück weit dazugehören.

Und auch ich fand meine Mindy. Nicht im Palais Royal, aber auf Bumble for Friends. Mit ihr und meinen anderen Freundinnen kam endlich Drama, Party und ganz viel Leichtigkeit in mein Leben. Aber dennoch: Die Darstellung von Emilys Leben ist nicht mal ansatzweise so fake wie die massenhaften Kellys in Paris. Was Emily in Paris so faszinierend macht, ist nicht das, was die Serie über Frankreich sagt – sondern das, was sie über Amerika verrät. Emily stolpert durch Paris mit der unerschütterlichen Überzeugung, dass ihre Perspektive nicht nur valid, sondern überlegen ist. Ihre französischen Kolleg*innen rollen die Augen? Liegt an ihnen. Ihre Marketingideen sind plump? Funktionieren trotzdem.
Das ist kein Zufall. Das ist das amerikanische Selbstbild, destilliert in eine Figur. Der Glaube, dass gute Intentionen ausreichen. Dass Enthusiasmus Kompetenz ersetzt. Dass man überall hingehört, einfach weil man da ist. Herrlich. Ich freue mich auf die neuen Folgen!
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