Neues vom Beauty Pro: Porentief nachgefragt

Frühstück auslassen?

Derzeit ist der Weg zum Kühlschrank etwas kürzer. Stimmt’s? Da stellt sich schon mal die Frage: Sollte man wirklich gleich morgens richtig zulangen oder lieber das Frühstück auslassen (Stichwort: Intervallfasten)? Darüber streiten sich die Wissenschaftler. Ein US-Professor warnt, frühstücken sei so gefährlich wie das Rauchen. Andere behaupten, dass frühstückende Menschen gesünder und schlanker seien. Was nun?
Von Freunden und Bekannten höre ich zur Zeit ständig, dass Homeoffice und Ausgangsbeschränkungen dazu verleiten, öfter den Weg zum prall gefüllten Kühlschrank einzuschlagen. Apropos prall gefüllt: Ich fand es übrigens so nett, wie der niederländische Ministerpräsident Mark Rutte seine Bürger aufforderte „niet hamsteren"!
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Agatha Ruiz de la Prada, Herbst/Winter 2009/2010
Ausgiebig frühstücken, weil man zu Hause ja mehr Muße hat. Natürlich mit reichlich Kaffee, um in die Gänge zu kommen. Denn: Wer sich gut fühlt, startet automatisch motivierter und positiver in den Tag. Yep! Gerade mit Kindern ist das Frühstück außerdem ein wichtiges Ritual, um nicht zu sagen ein Teil der Lebenskultur, der die Familie gemeinsam an den Tisch bringt.
Aber wie förderlich ist diese erste Mahlzeit des Tages wirklich für unsere Gesundheit?

Frühstücken so schädlich wie Rauchen! Was?

Zu den Miesmachern seit Jahren gehört der britische Biochemiker Prof. Terence Kealey. Sein Buch „Breakfast Is A Dangerous Meal“ (“Frühstück ist eine gefährliche Mahlzeit“) hat heftige Wellen geschlagen und die schon seit Jahren bestehende Frühstücks-Diskussion weiter angefacht. Kealey hält es für die gefährlichste Mahlzeit des Tages, vergleicht sie sogar mit der Schädlichkeit von Zigaretten. Das scheint mir dann doch etwas zu überspitzt, Herr Professor! Jedenfalls schreibt er, dass frühstücken den Blutzuckerspiegel erhöht, was à la longue zu Übergewicht, Bluthochdruck und Diabetes führen würde.
Bei ihm selbst wurde mit 56 Jahren Diabetes 2 diagnostiziert. Er begann daraufhin, seinen Blutzuckerspiegel akribisch zu kontrollieren und stellte fest, dass seine Glukosewerte insbesondere nach dem Frühstück gefährlich anstiegen. Ohne Frühstück dagegen sank sein Blutzucker-Level und erhöhte sich auch im Tagesverlauf nach weiteren Mahlzeiten nicht wieder. Um gesund zu bleiben, empfiehlt er deshalb auch Nicht-Diabetikern auf das Frühstück gänzlich zu verzichten.

Morgendlicher Blutzuckeranstieg sorgt für eine höhere Kalorienzufuhr über den Tag hinweg

Aber warum soll das Essen am Morgen ungesünder sein als die anderen Mahlzeiten? Kealey behauptet, dass unser Körper nicht zu jeder Tageszeit gleich reagiert. Er begründet es mit dem zirkadianen Rhythmus, der über 24 Stunden die Hormonausschüttung im Körper steuert. Eines davon ist das Stresshormon Cortisol, das am Morgen höher ist, damit wir wach werden. Abends fällt es ab, damit wir ruhig schlafen können. Cortisol ist einer der wichtigsten hormonellen Gegenspieler von Insulin und schwächt dessen Wirkung in den Zellen ab.
Kealey sagt: „Der Morgen ist die Zeit der natürlichen Insulinresistenz. Dann zu essen, provoziert und verschlimmert das Metabolische Syndrom, den Massenmörder unserer modernen Zeit.“ Mit dem Metabolischen Syndrom bezeichnet man stoffwechselbedingte Erkrankungen wie starkes Übergewicht, Bluthochdruck, erhöhten Blutzucker, Fettstoffwechselstörungen. Würde man jeden Morgen den Blutzuckerspiegel in die Höhe treiben, könnten die Körperzellen resistent gegenüber Insulin werden, was wiederum ein möglicher Auslöser für Diabetes Typ 2 ist.
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Agatha Ruiz de la Prada, Herbst/Winter 2009/2010
Kealey warnt auch, dass der forcierte morgendliche Blutzuckeranstieg dick macht, weil man über den Tag gesehen mehr Kalorien zu sich nimmt. Er meint, es würden überflüssige Kalorien aufgenommen, da sich die bei Mittag- und Abendessen verzehrte Essensmenge durch ein Frühstück nicht reduziere. Außerdem sollen viele Frühstücker vormittags schon wieder Hunger haben, und am Nachmittag ab 15 Uhr eine weitere Heißhungerattacke erleben, also insgesamt mehr essen.

Frühstücken ja, aber gesund

Und nun die Gegenspieler. Sie halten sich an das alte Sprichwort: „Frühstücken wie ein Kaiser…“. Begründung: Die frühe Mahlzeit aktiviert den Stoffwechsel, man verbrennt vermehrt Kalorien über den Tag. Eine Studie der Endocrine Society zeigte eindeutig, dass Frühstücken tatsächlich beim Abnehmen helfen kann und den Blutzucker ausgleicht, weil nach einem ausgewogenen Frühstück der Blutzucker langsamer ansteigt. Man ist länger satt und hat weniger Jieper auf Süßes. Die morgendliche Mahlzeit nimmt einen positiven Einfluss auf Stimmung und Energie, sowie auf die kognitiven Leistungen. Die Betonung liegt allerdings auf „ausgewogen“. Gemeint ist nicht das schnelle Frühstück mit Croissant, Muffin oder Donut. Es enthält zu viel Fett, zu wenig Eiweiß, zu viel Zucker. Es sättigt nur kurzfristig, spätestens nach zwei Stunden meldet sich der Hunger zurück.
Der Schweizer Präventivmediziner und Ernährungswissenschaftler David Fäh hat exakt erforscht, wie viele Kalorien und Fett verschiedene Frühstücksvarianten haben und wie lange sie satt halten. Sein Favorit: ein selbst gemachtes Birchermüsli und dazu ein gekochtes Ei. Die Kombination aus Eiweiß und den Kohlehydraten der Haferflocken, die der Körper nur langsam aufspalten kann, ist gesund und macht bis zu fünf Stunden satt. Alternativ geht auch ein Avocado-Brot, Porridge oder ein hausgemachtes Müsli mit Obst oder Joghurt. Etwa 50 bis 60 Prozent der täglichen Kohlenhydrate, wichtigster Brennstoff für Muskeln und Gehirn, kann man beim Frühstück zu sich nehmen.
Auch gute Fette sollten mit eingebaut werden. Ein Dauerbrenner! Sie treiben den Kohlenhydrat- und Fettstoffwechsel an, was den ganzen Tag über anhält. In einer neueren Studie der University of Alabama nachzulesen. Der morgendliche Fettanteil sollte bei etwa 30 Prozent des täglichen (Fett-)Bedarfs liegen. Wer allerdings täglich um 9 Uhr frühstückt und zwei Stunden später bereits einen Snack, braucht, sollte seine Frühstücksgewohnheiten überprüfen.

Nicht jeder ist gleich

Ob frühstücken oder lieber warten, muss jeder für sich selbst herausfinden. Man sollte sich zu nichts zwingen. Wichtig ist, dass man sich damit wohlfühlt, denn bei jedem tickt der Biorhythmus anders. Selbst Ernährungsexperten räumen ein, dass es verschiedene Esstypen gibt. Und eben auch den Frühstücker und den Frühstücks-Muffel. Lerche-Typen, also Frühaufsteher, brauchen eher ein Frühstück als Nachteulen, die lieber später essen. Egal zu welcher Gruppe man gehört, keiner wird nur dadurch dick. Allein die über den Tag aufgenommene und verbrauchte Energiemenge entscheidet über das Körpergewicht.
Also ich würde weiterhin nur sehr selten frühstücken, denn ich praktizierte mehrmals in der Woche 16/8, also intermittierendes Fasten – acht Stunden essen und 16 Stunden fasten. Nur den Sonntagsbrunch mit Familie und Freunden – sobald er wieder stattfinden darf – werde ich mir nicht nehmen lassen. Auch nicht von Ihnen, Herr Professor Kealey!
Lesen Sie mehr Artikel von unserer Beauty- und Medizin-Autorin Margit Rüdiger – entweder in ihrer wöchentlichen Kolumne hier auf Modepilot (>>>) oder auf ihrem eigenen Blog Culture & Cream.
Photo Credit: Catwalkpictures

Kommentare

  • Carthage, Illinois sagt:

    Sie haben eine tolle website. Ich Folge dir regelmäßig. Ich kümmere mich wirklich um Ihre Vorschläge. Danke.
    • Margit Rüdiger sagt:

      Vielen lieben Dank für das schöne Kompliment. Freut uns sehr, wenn unsere Themen gefallen, begeistern und auch nützliche Anregungen geben können. Danke <3