Neues vom Beauty Pro: Porentief nachgefragt

Ausmisten im Badezimmer: Ist das noch gut? Der Produkte-Check

Homeoffice? Für heute erledigt. Die tägliche Laufrunde? Absolviert. Beim Rundgang durch die Wohnung fallen mir im Badezimmer die übervollen Schubladen und Ablagen auf. Da ist es, mein Projekt für heute: ausmisten.
Ich muss es zugeben, ich bin ein Kosmetik-Sammler. Ich liebe schöne Flakons, harmonische Farben und ästhetisches Design. Aber weniger besitzen, befreit auch. Das kenne ich von meinem Kleiderschrank. Deshalb werde ich rigoros ausmisten. Das meiste muss raus: Das teure Gesichtsspray, das ich immer für heiße Tage aufhebe, es aber dann regelmäßig vergesse mitzunehmen; der Bräunungsschaum für den Körper, den ich nie benutze, weil mir die Geduld fehlt zu warten, bis ich mich endlich anziehen kann. Auch der wunderschöne Louboutin-Lippenstift in einer Farbe, die mir bei noch so viel Wohlwollen einfach nicht steht, hat hier nichts verloren.

Vorsicht, Formaldehyd!

Der Selbstbräuner ganz hinten im Badezimmerschrank ist vom letzten Frühjahr und muss auch weg. Nach sechs Monaten verliert er seine Wirkung. Und nicht nur das! Alle Selftanner enthalten zwei bis fünf Prozent des Wirkstoffs Dihydroxyaceton, kurz DHA, der mit den Haut-Proteinen reagiert und so die oberste Hautschicht braun färbt. Bei langen Lagerzeiten ebenso wie unter starker Wärmeeinwirkung zerfällt das DHA, und es entsteht Formaldehyd. Die farblose Substanz gilt als gesundheitsschädlich. Ob sich der Stoff im Produkt bereits gebildet hat, kann man als Verbraucher nicht erkennen. Ältere Produkte werfe ich deshalb lieber weg. Auch die angebrochene Sonnencreme, die ich Ende des Sommerurlaubs noch nachgekauft habe, hat ausgedient. Sie war zu oft der Hitze ausgesetzt und lag auch mal im Auto rum. Auch wenn sich die Substanz noch nicht verändert oder verfärbt hat, ist der UV-Schutz sicher nicht mehr optimal. Also weg damit. Ungeöffnet hält eine Tube Sonnencreme trocken und kühl gelagert, übrigens 30 bis 36 Monate. Will man ein angefangenes UV-Schutz-Produkt überwintern, packt man es am besten in den Kühlschrank.

Aufs Töpfchen achten

Auf jedem Kosmetikprodukt muss seit 2005 eine Art Verfallsdatum angegeben sein. Das Symbol ist ein offener Cremetiegel mit einer Zahl, die die Monate angibt, die das Produkt nach dem Öffnen haltbar ist. Weiterhin gibt der Gesetzgeber vor, dass ungeöffnete Produkte mindestens 30 Monate haltbar sein müssen. Voraussetzung dafür sind normale Lagerbedingungen, d.h. Raumtemperatur und keine direkte Sonneneinstrahlung. Grundsätzlich kann man sagen, dass feuchte und sehr fetthaltige Produkte schneller verderben als trockene. Ein hoher Wasseranteil sorgt dafür, dass sich Bakterien und Mikroorganismen schneller vermehren können als in trockenen Texturen wie Puder. Ausgenommen davon sind Kosmetika mit viel Alkohol (Parfum), da er ein guter Konservierungsstoff ist. Alkoholhaltiges Gesichtswasser hält deshalb bis zu 3 Jahre, alle übrigen nur zwei Jahre. Naturkosmetik ist oft weniger lang zu gebrauchen, weil sie sehr oft auf Konservierung verzichtet. Der Kühlschrank ist übrigens nicht für alle Beautyprodukte ein guter Aufenthaltsort. Gerade Emulsionen setzt die Kälte zu, indem sich Fett und Wasser trennen, Puder beginnen zu bröckeln und Lippenstifte verlieren ihre Farbe.

Was kann weg?

Wimperntusche – angebrochen, aber nicht aufgebraucht, muss leider in den Müllbeutel. Oft ist sie auch schon bröckelig. Denn beim Auf- und Abbewegen des Bürstchen, gelangt Luft in die Mascara, die die Tusche austrocknet. Nach dem erstmaligen Öffnen ist Wimperntusche circa sechs Monate haltbar. Übrigens sollte man Mascara nie verleihen, auch nicht der besten Freundin. Zu schnell schleichen sich Bakterien ein. Aus dem gleichen Grund nach einer Bindehautentzündung die Mascara sofort entsorgen. Eyeliner trocknet ähnlich wie Tusche nach etwa sechs Monaten aus, verliert auch an Farbe.
Lippenstift – Gleitet er nicht mehr so schön smooth über die Haut? Bröselt er und macht die Lippen sogar spröde? Dann ab damit in den Müll. Außerdem können sich auf der fett-feuchten Textur ganz schön viele Bakterien tummeln. Geöffnet sind Lippenstift und Glosse bis zu sechs Monate verwendbar. Matte Versionen, die weniger Fett enthalten, sind bis zu 24 Monate brauchbar. Ungeöffnet halten Lippenstifte wie Lipglosse gut drei Jahre. Keine gute Idee ist es, den Lieblingslippenstift zum Nachschminken im Auto griffbereit zu halten: Sonneneinstrahlung ist Gift für Lippenstifte. Konturenstifte sind wie Buntstifte, also lange haltbar. Überzieht die Spitze eine graue Schicht, heißt es, man braucht sie bloß wieder anzuspitzen.
Foundation – Für Flüssig-Make-up gilt wie für Cremes die Regel der Phasentrennung. Schwimmt Wasser auf der Farbbasis, gehört es aussortiert. Manchmal allerdings verbinden sich durch vorsichtiges Schütteln Farbpigmente und Öle wieder und sind einsatzbereit. Doch spätestens nach einem Jahr heißt es, weg damit. Bei Concealer ist es das Gleiche. Make-up im Pumpspender wird weniger schnell verunreinigt als das in einem Flakon. Hier regelmäßig den Verschluss säubern.

Ramadama im Badezimmer – Ausmisten im Badezimmer

Mit Ramadama („Räumen tun wir!“) bezeichnen wir in Bayern eine organisierte Aufräumaktion. Dieser habe ich mein Badezimmer unterzogen. Dabei ist mir klar geworden, nicht nur Keime und Bakterien können Beauty-Produkte verderben, sondern auch Schimmelpilze. Ein Puder, der offen im Badezimmer steht, kann durch den Wasserdampf von Badewanne oder Dusche feucht werden und zu schimmeln beginnen. Auch andere pudrige Produkte wie Lidschatten, die normalerweise gut zwei Jahre halten, können dadurch unbrauchbar werden.
Besonders gefährlich sind Schimmelpilze im Lidschatten, da er nah am Auge aufgetragen wird und somit Haut und Augen stark reizen kann. Fast aufgebrauchte, ältere Lidschatten werfe ich weg. Was noch brauchbar ist, verschwindet gut verschlossen in einem Schminkbeutel mit Reißverschluss. Alle geöffneten Gesichtscremes und Körperlotions in Tiegeln, die älter sind als ein Jahr und die ich schon länger nicht benutzt habe, überlasse ich dem Müll. Zu groß ist die Gefahr, dass Fingerkeime hineingelangt sein können. Ich nehme mir vor, in Zukunft nur noch Tuben statt Tiegel zu kaufen.

Wie entsorgt man Beauty-Produkte richtig?

Meine Ausmist-Aktion war erfolgreich. Vor mir stehen zwei Behälter: Der eine mit ungebrauchten Produkten, die ich an Freunde und Familie verteilen werde. Der andere enthält diejenigen, die entsorgt werden müssen. Aber wie? Und in welchen Müll? In den Gelben Sack und die Wertstofftonne gehören nur Plastikflaschen ohne Inhalt. Also erst einmal entleeren. Ausspülen muss nicht sein, weil kleine Reste beim Recycling unproblematisch sind. Plastikbanderolen schneide ich auf, um sie separat zu entsorgen. Ansonsten würde die Flasche mit Banderole als Mischplastik aus dem Recycling fallen und damit wieder im Restmüll landen, der verbrannt wird.
Reste von Cremes, Ölen und Lotionen übergebe ich dem Restmüll – allerdings ohne Umverpackung. Deckel aus Kunststoff oder Metall sowie Plastiksprühköpfen kommen in den Gelben Sack, Glastiegel und Parfumflaschen in den Glascontainer. Uff, geschafft! Zufrieden mache ich es mir mit einem neuen spannenden Buch in meiner Leseecke gemütlich. Dabei kommt mir der Gedanke, dass es schon merkwürdig ist, dass Ballast abwerfen und Downsizen so ein Erfolgsgefühl vermitteln kann. Aber warum kaufen wir dann eigentlich immer was Neues, oft Unnützes? Na ja, sonst hätten wir ja nichts mehr zum Ausmisten!
Photo Credit: Cawalkpictures

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