Neues vom Beauty Pro: Porentief nachgefragt

Power-Knolle mit Nebenwirkungen

Ich bin ein Ingwer-Junkie. Seit meiner ersten Ayurveda-Kur vor zig Jahren – lange bevor das aromatische Gewürz zur Heilpflanze des Jahres 2018 gekürt wurde – steht es täglich auf meinem Speiseplan: als Tee, nicht nur wenn eine Erkältung sich ankündigt, zum Kochen im Wok oder für Suppen und natürlich süß-sauer eingelegt zu Sushi. Ich könnte mich reinlegen! Eine Flasche Ingwer-Konzentrat horte ich stets im Kühlschrank für den morgendlichen Immun-Shot.
Dass die scharfe Knolle auch Nebenwirkungen haben könnte, ist mir dabei nie in den Sinn gekommen.
Kürzlich habe ich eher durch Zufall mit meiner Schwester Sabine über meinen Ingwer-Konsum gesprochen. Als Diplom-Oecotrophologin ist sie bei Ernährungsfragen in der Familie immer die erste Anlaufstelle. Von ihr erfuhr ich, dass zu viel der süßlich-scharfen Knolle sich negativ auf Gesundheit und Wohlbefinden auswirken kann. Als Journalistin habe ich mich dann natürlich gleich auf die Suche begeben nach wissenschaftlichen Beweisen. Und bin tatsächlich fündig geworden. Eine Studien-Auswertung des University of Maryland Medical Center bestätigt, dass eine Überdosierung von Ingwer zu Blähungen, leichten Bauchschmerzen und Durchfall führen kann. Grund dafür könnte ein Überschuss an Magensäften sein, deren Produktion angeregt wird.
Ingwer Modepilot Gesundheit
Ingwer gilt – je nach körperlicher Konstitution und Menge – als Allheilmittel

Von Zingiber zu Gingerbread

Der lateinische Name für Ingwer lautet Zingiber officinale. Er geht auf ein Sanskritwort zurück und heißt soviel wie „mit Geweihsprossen versehen“. Diese Bezeichnung beschreibt sehr gut die Form des Wurzelstocks, der hauptsächlich als Superfood verwendet wird. Der Begriff „officinale“ deutet darauf hin, dass Ingwer als Heilmittel schon eine lange Tradition besitzt. Denn ein officium ist der Verkaufsraum einer Apotheke. Demnach bedeutet „officinale“ so viel wie „in den Apotheken gebraucht“.

Woher kommt die Knolle?

Im Englischen heißt Ingwer „ginger“. Ginger Ale oder Gingerbread weisen auf die häufige Verwendung hin. Dabei ist nicht ganz klar, woher das Allroundmittel eigentlich stammt. Forscher vermuten, dass es seinen Ursprung in Indonesien oder Sri Lanka hat. Nach Europa kam die Wurzel über China und Indien. Heute wird sie vor allem in Indien, Indonesien, China, Südamerika und den Fidschi-Inseln angebaut. Seit letztem Jahr gibt es auch bayerischen Ingwer. Die Sorten der verschiedenen Herkunftsländer unterscheiden sich in Konsistenz und Geschmack: Australien liefert beispielsweise faserige Knollen von mildem Geschmack. Aus Brasilien kommen große Knollen. Die von den Fidschi-Inseln sind weniger faserreich, dafür mit hohem Feuchtigkeitsgehalt. Indischer Ingwer schmeckt leicht süß, sein Aroma erinnert an Zitrone. Die Knollen aus Jamaika weisen ein besonders intensives Aroma auf, und die aus Nigeria sind sehr scharf, jedoch wenig aromatisch.

Das sagt die Oecotrophologin

Sabine Häberlein: „Ware aus kontrolliert biologischem Anbau ist zu bevorzugen, da der konventionelle Ingwer meist aus China stammt und mit Pestiziden belastet ist. Wenn konventioneller Ingwer verwendet wird, sollte er unbedingt geschält werden. Bio-Ingwer kann mit Schale verzehrt werden. Das ist vorteilhaft, weil sich direkt darunter die meisten gesundheitsfördernden Stoffe befinden. Dazu gehören Vitamin C, Mineralstoffe wie Zink, Magnesium, Eisen, Calcium und Kalium. Hinzu kommen nichtflüchtige Scharfstoffe wie Gingerole und Shogaole sowie 1 biw 3 % ätherisches Öl (mit Citral, Neral, Zingiberen, Zingiberol). Die Tagesdosis von 2 bis 4 Gramm Ingwerpulver (½ bis 1 Teelöffel) oder 50 Gramm frischer Ingwer sollte nicht überschritten werden. Da jedes Heilmittel im Übermaß negative Wirkung haben kann, wie Paracelsus sagt: Die Dosis macht das Gift!
Die natürliche Schärfe schützt normalerweise vor einer Überdosierung. Aber wer empfindlich ist, kann Durchfall, Sodbrennen oder Hautjucken bekommen. Richtig dosiert besitzt Ingwer nachweislich positive Eigenschaften. Er wirkt brechreizlindernd, antimikrobiell, krampflösend, antientzündlich, antiparasitär und durchwärmend. Zudem fördert er den Gallefluß sowie die Speichel- und Magensaftsekretion und steigert Tonus wie auch Peristaltik des Darms.“

So wirkt Ingwer auf unseren Organismus

In der Traditionellen Chinesischen Medizin und im Ayurveda gilt Ingwer als Allheilmittel. Er regt Agni (das Verdauungsfeuer) an, wirkt dadurch verdauungsfördernd. Er wärmt die Peripherie, wirkt schweißtreibend und unterstützt die Atemwege. Im asiatischen Raum wird er sogar zur Behandlung von Migräne eingesetzt. Aber auch in der westlichen Volks- und Erfahrungsheilkunde findet sich ein breites Anwendungsgebiet beispielsweise zur Verhütung der Symptome von Reise- oder Seekrankheit, aber auch bei Übelkeit und Erbrechen nach Operationen oder bei Beschwerden des Verdauungssystems (diffuse Oberbauchbeschwerden).
Ingwer Nebenwirkungen Modepilot
Im Uhrzeigersinn: Ingwerpulver, frisch angeschnittene Knolle und Ingwerknolle
Dabei gibt es unterschiedliche Zubereitungsarten und Darreichungsformen: Bei Appetitlosigkeit trinkt man einen Ingwertee vor der Mahlzeit, Menstruationsbeschwerden beruhigen feuchtheiße Auflagen oder ölige Wickel mit Ingwersud. Sind Muskeln und Gelenke überanstrengt, werden Kompressen mit einem starken Teeaufguss aufgelegt. Bei Rheuma und beginnender Erkältung hilft ein warmes Ingwer-Vollbad. Dafür 250 g Salz in warmem Wasser auflösen, einen starken Teeaufguss von 3 bis 4 cm einer Ingwerknolle zugeben, 20 Minuten lang in die Badewanne legen und nachruhen.

Finger weg von der Knolle

Das gilt vor allem für Menschen mit Gallensteinen, da Ingwer den Gallenfluss anregt. Steine können in Bewegung kommen und eine Kolik auslösen. Auch für Kinder unter sechs Jahren ist dieses Naturprodukt ungeeignet. Ebenfalls ungünstig für Personen, bei denen das feurige Pitta-Dosha (Ayurveda-Konstitution) überwiegt, es könnte es noch stärker anregen. Gleiches ist zu empfehlen für Menschen mit Yin-Mangel (Einstufung nach TCM). Diese brauchen ebenso eher kühlende Nahrungsmittel.
In der Schwangerschaft sollte man besonders vorsichtig mit Ingwer sein, denn er enthält wehenfördernde Inhaltsstoffe. Trotzdem profitieren viele Frauen in den ersten Monaten von ihm, um die Schwangerschaftsübelkeit zu bekämpfen. Falls sich die Gebärmutter zusammenzieht, sofort absetzen! Und die Dosis nicht überschreiten: Laut einiger Studien lässt sich schlimme Morgenübelkeit mit 1 Gramm Ingwer pro Tag bekämpfen, sollte aber nur für kurze Zeit (nicht länger als vier Tage) angewendet werden. Besser ist es, man fragt vorher seinen Gynäkologen.

Fehler bei der Zubereitung

Wie gesagt, gerade wenn man Ingwer aus Bio-Anbau verwendet, sollte man ihn keinesfalls schälen, denn auch seine Schale enthält wertvolle Substanzen. Die Knolle lieber gründlich waschen und gröberen Schmutz notfalls mit einer Gemüsebürste entfernen. Falsch ist es auch, den Ingwer zu früh oder gar auf Vorrat zu schneiden. In der Zeit bis das Wasser kocht, verlieren die Stücke bereits einen Teil ihrer Inhaltsstoffe. Also erst kurz vor dem Aufkochen schneiden. Was das Wasser betrifft, es sollte weder zu heiß noch zu kalt sein.
Die beste Aufgusstemperatur ist siedend beziehungsweise köchelnd. Das erkennt man daran, wenn nur wenige kleine Luftblasen aus dem Wasser aufsteigen. Und dann ausreichend ziehen lassen. Für Ingwertee mindestens fünf Minuten. Wer es schärfer mag, verdoppelt die Zeit. Ich trinke ihn gerne warm mit Honig und Lemongras. Im Sommer stelle ich ihn kalt und gebe Limetten und Minze dazu. Mit der Menge muss ich mich wohl etwas einschränken, da bei mir eine Überdosis tatsächlich zu Hautjucken führt.
Photo Credit: Catwalkpictures, Shutterstock @Moving Moment

Kommentare