Neues vom Beauty Pro: Porentief nachgefragt

Gute Vorsätze bringen nichts – Der Brain-Effekt lässt uns scheitern

In der Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr, wenn wir endlich etwas zur Ruhe kommen, ziehen wir gerne Bilanz: Was ist gut gelaufen im vergangenen Jahr, was ist verbesserungswürdig. Und schon sind sie da die guten Vorsätze. Alle Jahre wieder. „Es ist so eine Art magische Qualität, die der Neuanfang hat“, bestätigt Jürgen Margraf, Alexander von Humboldt-Professor für Klinische Psychologie und Psychotherapie an der Ruhr-Universität Bochum. Der 1.1. ist eben nicht ein Tag wie jeder andere im Jahr.

Sinkende Zahlen

Auf der Top 50-Hitliste der guten Vorsätze stehen ganzen oben: mehr Sport machen, mehr Bücher lesen, mehr Zeit für Familie und Freunde. Bei „mehr lesen“ scheinen in den vergangenen Jahren vor allem die Jugendlichen gescheitert zu sein, wenn man sich die aktuelle Pisa-Studie anschaut. Zumindest statistisch einen deutlichen Anstieg verzeichnet das Vorhaben „weniger Handy, Computer, Internet“. 2019 starteten 25 Prozent der Deutschen damit ins neue Jahr. Doch auch hier habe ich meine Zweifel an der Erfolgsquote, allein wenn ich in meinem weiteren sozialen Umfeld Bilanz ziehe… Tatsächlich sind es immer weniger Menschen, die sich überhaupt vornehmen, im neuen Jahr etwas besser zu machen. Laut einer Forsa-Umfrage waren es 2018 nur noch 37 Prozent. Und davon hat lediglich die Hälfte es geschafft, ihre guten Vorsätze wenigstens zwei bis drei Monate lang zu beherzigen.

Die Motivation muss stimmen – allein gute Vorsätze bringen nichts

Sind wir doch mal ehrlich. Gute Vorsätze, die man beim Bleigießen fasst, verrauchen so schnell wie der Wasserdampf, den das heiße Blei erzeugt. Ich persönlich habe es deshalb schon lange aufgegeben, mir etwas vorzunehmen. Die zwei Kilo, die ich unbedingt abspecken wollte, habe ich niemals aufgrund einer Absichtserklärung an Neujahr abgenommen, sondern erst dann, als es im wahrsten Sinne des Wortes eng wurde und mein Abendkleid bei der Anprobe für einen wichtigen Event nach Wurstpelle aussah. Meine Freundin Sara, die das Rauchen aufhören wollte, wurde bereits beim ersten Abend in geselliger Runde schwach, weil „ein gutes Glas Wein und eine Zigarette“ ihrer Meinung nach eben eine unwiderstehliche Allianz bilden. Sie schaffte es erst, die Finger von den Stängeln zu lassen, als sie sich in einen Mann verliebte, der absolut keine von Rauch umwölkte Freundin mochte.
Gute Vorsätze bringen nichts
Sorge Dich nicht! Gute Vorsätze bringen nichts

Realistisch bleiben

Unter „gute Vorsätze“ habe ich 3.220.000 Einträge bei Google gefunden. Coaches und Lifestyle-Gurus von überall in der Welt treten für die Notwendigkeit ein, realistische Vorsätze zu machen und bieten alle möglichen Hilfestellungen an, diese zu erreichen. Magazine und Zeitschriften widmen sich dem Thema und sagen uns, was wir in unserem Leben verbessern sollten. Oberflächlich betrachtet, hört es sich gut an. Doch in Wirklichkeit basiert der Vorsatz darauf, was man glaubt tun zu müssen, anstatt was man tun möchte. Der Wunsch „bis zum nächsten Sommer fit und schlank zu sein“ ist häufig aus den Erwartungen von anderen entstanden oder weil man es in einem Artikel gelesen hat. Solchen Unsinn sollte man schleunigst vergessen und sich lieber darauf konzentrieren, was man wirklich will.
Hat man tatsächlich die Absicht zu einer Veränderung, sollte man seine Ziele dem Erreichbaren anpassen, damit es auch klappt. Sich nicht zu viel vornehmen und die Latte nicht zu hoch legen. Man muss etwas aus ganzem Herzen wollen oder einen gewissen Leidensdruck mitbringen, sonst gibt man schnell wieder auf. Maßgebend für den Erfolg ist auch eine positive Einstellung zu dem Thema. Wer Sport bislang als Quälerei ablehnte, wird sich auch im neuen Jahr kaum dazu aufraffen können. „Herzblut muss dabei sein, man muss etwas wirklich wollen oder Leidensdruck haben”, unterstreicht auch Organisationspsychologe Dieter Frey.

Programmiertes Verhalten

Haben wir uns wieder mal etwas vorgenommen und können es nicht einhalten, müssen wir uns allerdings nicht unbedingt mangelnde Disziplin vorwerfen. Unser Gehirn ist schuld, weil es einfach nicht stark genug ist. Blanker Unsinn? Keineswegs. Professor Baba Shiv, Experte für Neuroökonomie an der kalifornischen Standford University, hat es mit einer Versuchsreihe bewiesen. Er untersuchte Zielgruppen, die sich jeweils eine 2-stellige und eine 7-stellige Zahl merken mussten, während sie an einem Buffet süße Nachspeisen aussuchen konnten. Die Probanden mit der 7-stelligen Zahl griffen doppelt so häufig zu Schokoladentorte anstatt zum gesünderen Obstsalat.
Der Wissenschaftler erklärte es so, dass die längere Zahlenreihe den so genannten präfrontalen Cortex im Gehirn so in Beschlag genommen hat, dass er nicht imstande war auch noch die Willenskraft aufzubringen, um der leckeren Kalorienbombe zu widerstehen. Diese Region in der Großhirnrinde direkt hinter der Stirn ist auch ohne zusätzliche Denksportaufgaben ziemlich beschäftigt. Sie ist nicht nur für die Willensstärke zuständig, sondern auch am Kurzzeitgedächtnis, dem Konzentrationsvermögen und dem abstrakten Denken beteiligt. Sozusagen im Dauerstress. Also einfach auf die Natur unseres Gehirns schieben, wenn es bei einem guten Vorsatz bleibt – oder die grauen Zellen gleich von vorne herein nicht damit belasten!
Photo Credit: Catwalkpictures

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