Kurznachrichten aus der Mode

Anthony Vaccarello macht eine Pause

Anthony Vaccarello ist der neue Chefdesigner bei Saint Laurent, sein eigenes, 2008 gegründetes Label „pausiert“: Er wird zur kommenden Modewoche in Paris keine Anthony Vaccarello-Show zeigen.
Warum? Saint Laurent ist vermutlich nicht nur ein Full-Time-Job, sondern eine alle Energie und Kreativität verschlingende Monsteraufgabe: Unter seinem Vorgänger Hedi Slimane wurde einiges durcheinandergewirbelt (z.B. der Markenname), aber die Verkaufszahlen schossen in die Höhe. Sprich: Vaccarello muss auf einem hohen Niveau noch eins oben draufsetzen.
Lancome80-Modepilot
Designer Anthony Vaccarello und Caroline de Maigret
Er ist mit seiner Entscheidung „Kill your baby“ (so sagt man in der Kreativ-Szene, wenn man für das größere Ganze auf ein Herzstück verzichten muss) in guter Gesellschaft: Jonathan Saunders pausiert, weil er der neue Chefdesigner bei Diane von Furstenberg ist. Bouchra Jarrar pausiert auch, weil sie neu an der Spitze von Lanvin ist.
Ich frage mich dann immer: Was passiert mit den Menschen, die bei diesen Marken arbeiten? Klar, der persönliche Assistent darf vielleicht mit zur neuen Glanzrolle (wie bei Raf Simons, der seine rechte Hand Pieter zu Calvin Klein mitnimmt), aber was ist mit dem großen Rest aus dem Atelier?

Talfahrt bei Prada

Miuccia Prada
Miuccia Prada
Schon 2015 war für Prada umsatzschwach, Besserung ist nicht in Sicht: Im ersten Halbjahr 2016 ist der Umsatz um 14% gesunken, der Gewinn um 25%. Laut Konzernchef und Miteigentümer Patrizio Bertelli vor allem deshalb, weil sich der asiatische Markt nicht so entwickelt hat wie erhofft (ausführliche Infos hat WWD). Um Gegenzusteuern hatte Prada gegenüber den Investoren bereits 2015 angekündigt, das Onlinegeschäft auszubauen. Prada war in keinem Multibrand-Online-Shop mit Taschen und Ready-to-wear vertreten, seit Juli 2016 dürfen die Onlineshops Net-a-Porter, Mr Porter und Mytheresa die Marke verkaufen. Da dachte bislang wohl auch jemand: Das mit dem Internet, das geht schon irgendwann wieder vorbei.

Rekordwechsel bei La Perla

Julia Haart La Perla Modepilot
Julia Haart
Ui, das ging schnell. Gerade mal ein halbes Jahr, nachdem Pedro Lourenço als neuer Kreativdirektor bekannt wurde, folgt eine Neubesetzung. In der Pressemitteilung der Luxus-Dessousmarke steht, sein Vertrag sei Ende Juli 2016 ausgelaufen. In meiner Welt beutet das, dass mindestens eine Partei, der Arbeitgeber oder der Angestellte, die Probezeit nicht bestanden hat, aber Schwamm drüber. Neue Kreativchefin ist Julia Haart, die den Ready-to-wear-Bereich des Lingerie-Labels weiter ausbauen soll. Bislang arbeitete sie an den Accessoire-Kollektionen der Marke für Frühjahr/Sommer 2016 und Herbst/Winter 2016/17 mit. Die Amerikanerin ist vor allem für spektakuläre und sexy High heels bekannt.
julia haart Schuhe shoes Modepilot La Perla
Schuh-Entwürfe von Julia Haart für ihr eigenes Label
La Perla teilt mit, dass Haart eine der wenigen weiblichen Kreativ-Direktoren der Branche ist. Es gehe auch um ihre profunde Kenntnis des weiblichen Körpers und darum, eine Frau als Lenkerin der Marke zu positionieren. Sie habe eine enge Beziehung zum Erbe von La Perla aufgebaut, das ebenfalls durch die Vision einer Frau entstand: Der Gründerin Ada Masotti.

Iceberg: Arthur Arbesser geht, James Long übernimmt

Nur knapp ein Jahr war der Österreicher Arthur Arbesser verantwortlich für die Damenmode bei Iceberg. Nun übernimmt James Long, der bereits die Herrenmode verantwortet. Zur Fashion Week in Mailand im September wird es keine Show geben, die Kollektion wird aber den Einkäufern präsentiert.
rthur Arbesser
Arthur Arbesser
Arbesser hat einen Abschluss bei der Londoner Talentschmiede Central Saint Martins, arbeitete als Junior Designer bei Armani und schmiss für seinen Traum von der Selbstverwirklichung 2012 alles hin: gut bezahlter Job, großer Name, Dolce Vita in Italien. Das gab er auf, um im Frühjahr 2013 seine erste Kollektion unter seinem Namen Arthur Arbesser in Mailand zu präsentieren. Die Presse liebte seine Mode, aber rund zwei Jahre später entschied sich Arbesser,  Chefdesigner bei Iceberg zu werden. 2014 sagte der dem Zeitmagazin: "In Mailand geht es traditionell ja eher ums Geschäft. Aber ich denke, gerade für den Nachwuchs ist das zu einem Hindernis geworden. Jungen Designern wird hier eingebläut, dass es wichtig ist, viel zu verkaufen. Ich finde es wichtig, erst einmal eine eigene Sprache zu entwickeln. Das hat mir auch bei Armani gefehlt." Leider hat man ihm auch bei Iceberg kaum Zeit dafür gelassen. Schade.

Haider Ackermann für Berluti

Wir verkündeten im Februar den Abgang von Alessandro Sartori bei Berluti, nun steht der Nachfolger fest: Haider Ackermann, der sein eigenes, gleichnamiges Label 2001 gründete und zu dessen Fans Kanye West, Victoria Beckham und seine Muse und enge Freundin Tilda Swinton gehören. Der Kolumbianer wurde schon für Posten bei Margiela und Dior gehandelt, Karl Lagerfeld wünscht ihn sich als Nachfolger bei Chanel, wenn er eines Tages nicht mehr kann bzw. will. ("Ich habe einen Vertrag auf Lebenszeit. Also hängt es allein von mir ab, wem ich zum Schluss die Hand reiche. Im Moment würde ich sagen, das wäre - Haider Ackermann!"). Ackermann sagte gegenüber der New York Times: "Jeder hat erwartet, dass ich Frauenmode machen werde, also wollte ich etwas anderes tun. Ich habe noch eine andere Geschichte zu erzählen".
Haider Ackermann Modepilot
Haider Ackermann
Berluti wurde 1895 von Alessandro Berluti gegründet und 1993 von der LVMH Gruppe gekauft mit dem Ziel, aus der leicht verstaubten Marke ein cooles Männerlabel im Luxussegment zu formen. Antoine Arnault, Sohn und Erbe des LVMH Gründers, kümmerte sich höchstpersönlich ab 2011 um die Marke. Es gibt weltweit rund 45 Stores, die Umsätze liegen bei rund 100 Millionen Euro. Mehr zu dieser Personalie hat Vanessa Friedman, die mit Ackermann für die NY Times sprach.

Modefilm: Die Freundschaft zwischen Alexander McQueen und Isabella Blow

Die Modesammlerin und Exzentrikerin Isabella Blow und Alexander McQueen verband eine tiefe Freundschaft: Sie gilt als seine Muse und wichtigste Förderin, unter anderem, weil sie seine erste Kollektion "Jack the Ripper stalks his victims" vollständig aufkaufte. Blow starb 2008 an einer Überdosis, Alexander McQueen nahm sich im Februar 2010 in seiner Londoner Wohnung das Leben. Nun ist ein Film mit dem Titel "The Ripper" geplant, der sich der besonderen Beziehung zwischen den beiden widmet. Ein Startdatum ist noch nicht bekannt, bis dahin empfehle ich diese bewegende Dokumentation über den Aufstieg und Fall des Ausnahmetalents Alexander Lee McQueen:
 McQueen and I
Photo Credit: V&A Postkarte, Catwalkpictures, Saint Laurent, La Perla

Kommentare