Das Spanx-Shirt für Männer im Test

Wie oft stand ich schon abends vorm Spiegel, meinen Körper in ein Hemd gezwängt, das mir ein paar Monate zuvor noch relativ gut stand. Aber da war sie wieder -wie so oft- meine Problemzone. Denn wenn ich zunehme, dann nicht etwa im Gesicht, an den Armen oder am Gesäß, sondern ausschließlich in der Hüftgegend. Ich habe Love Handles. (So muss sich wohl eine Frau fühlen, wenn sie sich zu ihrer Cellulite bekennt!)

Nun denn, das Paket mit dem Spanx-Shirt trudelte prombt am vergangenen Freitag in der Firma ein. Die Arbeitskollegin eines Freundes (gebürtige Amerikanerin) schrie euphorisch auf: "Oh my gosh, all my friends looooove it!!! This shirt is soooo amaaaaaazing!" Boah, so wie die reagierte, hoffte ich mich von nu auf nix in Topmodel-Qualität zu verwandeln. Am Abend zog ich es dann bei einem Freund an. Sein O-Ton: "Da hilft nur noch der Plastiker!!!!!!" Und mit dieser Aussage war sämtliche Freude hinweg gefegt!

ABER: Das Shirt ist designt worden für das Tragen UNTER der Kleidung. Insofern sah ich über meine emotionale Verwirrung hinweg und widmete mich dem Test. Aber worauf testen? Was könnte Euch Leser interessieren? Kombinationsmöglichkeiten mit Klamotten fielen schon mal flach. Ebenso wie ich in dem Teil ohne Klamotten aussah, als auch ein wenig Materialüberprüfung. Denn de facto ist es nun mal so, dass Designerin Sarah Blakely es dazu konzipiert hat, um eine bessere Figur abzugeben. Deshalb glaube ich kaum, dass da noch ein anderes Kriterium zählt. Zumindest war es bei mir der Fall.

Konzentriere ich mich also lieber auf das einzig und allein Essentielle: Den Vorher-Nachher-Test!

Ich fotografierte mich in drei verschiedenen Posen in dem engsten Hemd, das mein Kleiderschrank hergab. Die Kamera hatte stets den gleichen Winkel, so dass eine optische Täuschung aussgeschlossen werden konnte.

Im folgenden Bildvergleich bin ich LINKS OHNE und RECHTS MIT dem Spanx-Shirt zu sehen.

Die erste Pose: Frontal

Zweite Pose: Lateral

Dritte Pose: In-Motion

Auf den ersten Blick erkannte ich keinen großen Unterschied. Beim näheren Betrachten fiel mir jedoch auf, dass das Hemd mit dem Spanx-Shirt sehr viel glatter und straffer saß. Ein absoluter Vorteil, wenn man wie Sarah J. Parker und Gwyneth Paltrow (bekannte Kundinnen des Labels) auf dem roten Teppich beim Problemzonen-Freileger-Nummer-1 "dem Blitzlicht" eine gute Figur abgeben muss.

Jedoch fühlte ich mich etwas eingezwängt. Das Teil anzuziehen funkitonierte noch irgendwie! Beim Ausziehen benötigt es bei Weitem den richtigen Dreh, bis man nicht mehr wie ich -schweiß-nass gebadet und erschöpft- auf das Bett fällt.

Ein Pluspunkt war wiederrum die Körperhaltung. Denn sobald ich drinne steckte, nahm ich eine physiologische Haltung ein, was somit besonders gut wäre für Leute, die an Skoliose oder ähnlichen Erkrankungen leiden.

Wie meine Antworten zeigen, bin ich hin und her gerissen. Vor allem aufgrund des Wohlfühlfaktors. Ich bin ein Typ und mag es mich zu bewegen, rumzugspringen und vor allem will ich das Gefühl von Freiheit, das mir leider (!!) das Shirt genommen hatte.

Da aus meiner Sicht, der Kauf des Shirts nur für enge Kleidung oder reflektierende Stoffe Sinn macht, frage ich mich darüber hinaus: Welcher Mann trägt so etwas? Ich nicht und ich kenne auch keinen.

Mein Fazit:

  • Die Wirkung der Komprimierung auf einen annähernd ästhetisch wirkenden Körper wird erzielt und hat bei Haltungsschäden eine gesundheitsfördernde Wirkung.
  • Für Männer, die enge Kleidung bevorzugen, an einer kleinen (nicht großen!!) Problemzone in ihrer Kleidungswahl eingeschränkt sind und auf Fotos eine gute Figur abgeben müssen, lohnt sich der Kauf eines Spanx-Shirts.
  • Für Männer, die es gerne luftig mögen, rate ich davon ab. Es wäre zwar kein Nachteil, aber rausgeworfenes Geld, weil man eine Silhouette nicht erkennt.
  • Und für Männer, die aussehen wie das Spanx-Model: Wofür braucht ihr das? Allein an den Armen ist doch schon zu erkennen: Ihr habt es sowas von nicht nötig!

Da ich seit der Pariser Fashion Week regelmäßig Sport treibe, bleibe ich jedoch meinen Satz treu: "Sport ist Mord", aber "Wer schön sein will, muss leiden!"

Jetzt liegt es nur noch an Euch, zu kommentieren, ob Ihr es anders oder genauso seht. Oder ob Ihr gar ein Kriterium vermisst!

Photos: Jérôme/Modepilot (7), Screenshot Spanx.com (1)

Modepilot
Modepilot ist Deutschlands erster Modeblog. Mit seiner Gründung in 2007 war und ist er Vorreiter der unabhängigen Mode-Berichterstattung. Noch heute wird die Seite leidenschaftlich von Mitgründerin Kathrin Bierling geführt. Sie ist eine ausgebildete und erfahrene Journalistin, die zunächst bei der Financial Times lernte und arbeitete und dann einige Jahre bei der WirtschaftsWoche beschäftigt war, bevor sie die Seiten Harpersbazaar.de, Elle.de und InStyle.de verantwortete. An Modepilot liebt sie, dass sie die Seite immer wieder neu erfinden muss, um am Puls der Zeit zu bleiben. Worin sie und ihre Autoren sich stets treu bleiben: Den Leser ernst nehmen, nicht sich selbst.

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