Die besten Kollektionen der Pariser Modewoche

Um die Pariser Modewoche zu verdauen, braucht es Abstand. Die neun Tage sind intensiv und am Ende schwirrt einem der Kopf vor lauter Kollektionen. Nun aber bin ich soweit, meine Shortlist der besten Schauen zu präsentieren. Natürlich ist die Auswahl rein subjektiv, aber sie erfolgt dennoch nach klaren Kriterien, die da lauten: Tragbarkeit, Innovationskraft, Vereinbarkeit mit der DNA des Modehauses, Modernität.

Los geht’s:

 

Ellery

Ellery zeigte in dieser Saison eine digitale Fashionshow. Statt Catwalk, Front-row-Seating, Standing-Plätzen und Influencer-Stelldichein vor der Location, gab es eine coole Präsentation an Puppen, begleitet von einer Live-Band, einem Video-Film der Show und einem Saal voller Schmuck-Vitrinen (Bilder davon gibt es auf Facebook). In meinem Augen lieferte Ellery damit die modernste und aufrichtigste Art, neue Mode zu zeigen. Auch die Kollektion überzeugt: Sie ist tragbar, sie ist modern, sie hat innovative Details und sie harmonisch in der Farbgebung.

Chanel

Natürlich war diese Show mal wieder ein Highlight der Schauenwoche. Man erwartet nichts anderes von Chanel. Die Kulisse der “Gorges du Verdon“, einer pittoresken, wie auch wildromantischen Schluchtenlandschaft in der Provence, wurde mit Felsen und echten (!!!) Wasserfällen im Grand Palais nachgebaut. Und die Kollektion? Eine Feuerwerk an Accessoires, die mal alle haben möchte. Eine Umsetzung der Themen Fransen und Rüschen in Perfektion, der Touch Modernität durch eine dosierte Verwendung von Plastik (abnehmbar für alle, denen das zuviel ist), romantische Kleider in Pastell und Weiß und ein Orgie an Modeschmuck, der uns träumen lässt. Karl Lagerfeld ist mit 84 Jahren noch immer auf der Höhe. Davor ziehe ich meinen Hut. Chapeau!

 

Nina Ricci

Was soll ich sagen? Bereits im Winter war Nina Ricci einer meiner Lieblingskollektionen und nun ist es wieder so. Guillaume Henry, dem ich anfangs keine Gen für Romantik zugesprochen hatte (siehe hier >>>), lehrt mich eines Besseren. Diese Kollektion hat die Farbgebung, die man von diesem romantischen Haus erwartet, und überzeugt durch eine moderne Eleganz mit vielen schönen Details. Mehr muss dazu nicht sagen. Super!

Miu Miu

„Wirklich? Das ist eine der besten Schauen?“, werdet Ihr fragen. Ja, ich meine das ernst. Miuccia Prada ist die Königin der schrägen Stylings und der Kombinationen, die nicht zusammen passen. Aber man muss sich nur jeden Look genauer ansehen und die Outfits in ihre Einzelteile zerlegen. Was dann rauskommt, sind echte Perlen. Die Sandalen sind gut (ohne die Socken), die Kleider und Mäntel sind als Einzelstücke Eyecatcher, aber haben auch das Zeug zu Lieblingsstücken für die Sommergarderobe. Ich mag diese Kollektion, tausend mal mehr als die quietschbunte aus dem Winter.

Givenchy

Givenchy darf in dieser Liste erscheinen, weil ich finde, dass Clare Waight Keller ein Lehrstück abgeliefert hat: Die Engländerin ist eine romantische Seele mit großem Sinn für Vernunft. Sie weiß, dass sie nach den Gothic-Kollektionen ihres Vorgänger Tisci nun keine Ethno-Flatterkleider und Rüschenhemden abliefern kann. Sie würde sonst die Stammkundschaft von Givenchy vergraulen. Also hat sie die perfekte Designer-Übergangskollektion abgeliefert: Es bleibt beim dunklen Ambiente, aber Waight Keller dreht es in eine moderne Feminität, die bereits erahnen lässt, wo die Londonerin in den nächsten Saisons hin will. So macht man das, wenn man ein neues Haus übernimmt. Da können die lieben Kollegen bei Ungaro, Lanvin und auch Chloé noch was lernen.

Valentino

Irgendeine deutsche Journalistin, die ich auf der Modewoche traf, sagte mir: „Valentino hat mich echt enttäuscht!“ Tja, das kann ich so nicht nachvollziehen. Im Gegenteil: Valentino hat mich super überzeugt. Hätte Pierpaolo Piccioli noch einmal seine bestickten Kleider im Stil der vergangenen Jahrhunderte abgeliefert, hätte ich eine Gähn-Attacke bekommen. Statt dessen hat der Italiener den Stil gedreht – und zwar in eine moderne, tragbare Richtung. Diese Jacken, die nach Luxus-Wanderwesten aussehen, sind genial und machen Lust, sie zu tragen. Schade, dass Valentino so verdammt teuer ist. Mir gefällt dieser neue Dreh ohne die Blumenstickereien und Rockstud-Schuhe richtig gut.

Aalto

Die finnische Marke Aalto hat sich in den vergangenen Jahren mehr und mehr gesteigert. Die Winterkollektion war bereits ein echtes Highlight und für diesen Sommer zeigt Designer Tuomas Merikoski eine tragbare Kollektion mit Pfiff. Die Farben sind sommerlich warm, die Raffungen gekonnt gesetzt und modern. Bei Aalto achtet man auf die Umwelt, die Kollektionen sind oft aus natürlichen oder recycelten Materialien hergestellt. In dieser Saison schweigt sich das Label darüber zwar aus, aber für alle diejenigen, die auf der Suche nach Labels jenseits der großen Marken sind, ist Aalto eine echte Alternative.

Photo By: Catwalkpictures
1 Kommentar zu “Die besten Kollektionen der Pariser Modewoche”
  • Liebe Frau Markert,
    ich kann ihnen bei einigem leider nicht zustimmen. Während ich finde das Givenchy und Chanel dieses Jahr sehr überzeugend waren, kann ich leider nur sehr wenige in den den Kollektionen von Nina Ricci und Aalto sehen, denn in einige der Looks sind Pastelltöne wie orange oder gelb die an nahezu niemandem wirklich gut aussehen (meistens lasen sie Trägerinnen blass und kränklich wirken). Miu Miu hat bestimmt einige Teile die gut im einzelnen anders kombiniert gut aussehen doch sie sollten in ihre Bewertung auch die Präsentation einberechnen und diese war nicht sehr überzeugend.

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