Gucci: Ist der Zenith des Hypes erreicht?

Allen, die sich fragen, ob Alessandro Michele bei Gucci einen neuen Weg einschlägt, gab er in Mailand die Antwort: Nein, er  strickt seinen übertriebenen Mode-Eklektizismus unverdrossen weiter.

Warum ändern, wenn es läuft?

Längst ist sein romantisch-bourgeoiser Tantenstil mit Kassenbrillen-Flair aus den Siebzigern im High-Street-Markt angekommen und dort läuft er genau so gut wie im Designermarkt. Die Gucci-sierung der Mode ist nicht zu bremsen. Warum etwas ändern, das gut läuft? Es gibt keinen Grund. Dennoch wünscht sich so mancher Brancheninsider nach drei Jahren Ära Michele mehr modische Neuigkeiten. Die gibt es auch. Man muss nur genau hinsehen. Die aktuelle Show für den kommenden Sommer ist Micheles sechste Kollektion und meiner Meinung nach wird er immer mutiger bei seinem Vorhaben, mit unseren traditionellen Mode-Vorstellungen zu brechen. Siehe diese Looks aus der Sommerkollektion 2018:

Er mischt, was nicht zusammengehört.

Er überspitzt und erfindet die Spießigkeit neu.

Er erlaubt sich Stilbrüche.

Es geht immer noch verrückter – und wir folgen ihm dabei wie brave Jünger.

 

Die Gucci-Evolution und unsere Haltung dazu

Im Rückblick wirkt seine erste Kollektion für Gucci im Februar 2015 (klick >>> ) fast schon normal bis hausbacken im Vergleich zu dem, was er heute über den Laufsteg schickt. Alessandro Michele hat es also geschafft, auch unser ganz persönliches Modeempfindungen peu à peu zu verändern. Fanden wir seine Kreationen 2015 noch eigenartig, so hatten wir schnell unsere Meinung geändert und zogen nun lustig bunt-karierte Pullunder über geblümte Schluppenblusen zu gestreiften Hosen und legten noch eine Ladung knallbunten Modeschmuck obendrauf. Selbst die Herren wagten sich plötzlich an Pullis in Farben, die in den Achtziger-Jahren auf Benetton-Werbeplakaten zu sehen waren (und nur da) und setzten Brillen auf, die bei der Gratwanderung zur Lächerlichkeit gerade noch die Kurve gekratzt hatten. Währendessen designte und stylte Alessandro immer frecher Fashion-No-Gos zusammen und traf damit den Nerv der Zeit. 2016 fragte Kathrin zu Recht: Nervt die Gucci Nostalgie?  Nein, scheinbar nervte die niemanden, denn die Umsätze gingen weiter nach oben, es wurde weiterhin fleißig kopiert und diese Kopien distribuiert. Gucci-ähnliche Modelle gibt es heute sogar bei Hallhuber und diese Firma war immer ein bisschen abwartend und zögerlich bei der Umsetzung der letzten Trends.

Modepilot-Gucci-Kopie-Hallhuber

Hallhuber: aktuelle Herbstkollektion

Dabei ist das Rezept der Mode-Brüche keineswegs neu: John Galliano machte nichts anderes bei Dior. Und wie bei Galliano sind auch bei Gucci by Alessandro Michele die Einzelteile viel besser als der Totallook vom Laufsteg. Der Unterschied ist nur, dass wir damals Galliano einfach nicht verstehen wollten, während wir heute viel aufgeklärter sind. Entweder picken wir uns die Einzelteile für eigene Styling heraus oder wir setzen schamlos den Totallook vom Catwalk um. Die Streetstyle-Ikonen machen es uns vor.

 

Was ist wirklich neu an der aktuell gezeigten Sommer-Kollektion?

In Zeiten einer verschärften, um nicht zu sagen hochbrenzligen Politlage holt Alessandro den Disco-Look der heiteren und hedonischtischen Achtziger heraus und mischt den mit seinen typischen Gucci-Insignien, wie den zu großen Brillen, der reichlichen Spitze, den romantisch-kitschigen Blumendrucken und den knalligen Farben. Heraus kommen manche Looks, die sich auch gut als Faschingskostüme eignen könnten.

Nicht unbedingt mein Fall. Aber bei diesen Outfits (unten) sind viele gute Ideen dabei, die unser Modeempfingen weiter unterschwellig beeinflussen werden.

Wie auch immer. Die Gucci-Jünger werden es gerne tragen und die High Street wird weiter kopieren. Ein Ende des Gucci-Hypes ist noch lange nicht in Sicht.

Photo By: Catwalkpictures
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