Verkommen die Schauen zum Showbizz?

In New York laufen derzeit die Schauen für den kommenden Sommer und wenn man das Spektakel aus der Ferne betrachtet, dann fragt man sich, in welche Richtung sich die Modeindustrie gerade wendet. OK, wir leben in Zeiten der „Me, myself and I-Ära“, Selfies sind inzwischen total normal und Influencer das A und O beim Mode-Marketing. Jedes Model und auch jeder Designer arbeitet heute an seinem Auftritt bei Instagram und an seiner Fangemeinde. Denn die bestimmt die Preise.

Was auf den Laufstegen passiert, interessiert nur noch wenige. Die Front-row ist eh viel interessanter. Echte Modekritik, wie ich sie noch aus alten, vergangenen Zeiten (also vor rund 10 Jahren) kenne, ist bei Nichtgefallen einer Kollektion unerwünscht und führt in den meisten Fällen zum Ausschluss des Journalisten von der nächsten Show. Das ist nicht weiter schlimm, denn der Platz ist schnell gefüllt mit Leuten, die loben. Für die Designer bedeutet das: Es gibt kaum noch jemanden, der ihnen sagt, ob sie mit ihren Kreationen richtig liegen. Die Folge: Sie machen das, was einst gut lief. Denn das wird schon weiter gut laufen. So entsteht ein Teufelskreis, bei dem es eigentlich nur noch um eines geht: das Showbizz. Und davon gab es in New York gerade so einiges zu sehen.

 

Das Beispiel Alexander Wang:

Der Designer-Liebling der New Yorker fuhr mit einem Party-Bus voller Supermodels durch die City und hielt an seinen Läden an, um dort eine Art Guerilla-Fashionshow zu zeigen. Also eine Show für Jedermann. Zuschauen konnten alle Fans, die auf Wangs Instagram den Schedule entziffert und sich rechtzeitig vor die Läden gestellt hatten. Demokratisch ist das allemal.

The non-#nyfw edition of #WANGOVER: THE GUIDE, our picks for the week ahead in NYC. Follow at your own risk. #notsponsored

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Die Beleuchtung wurde im Bus mitgenommen. Kurz eine Absperrung auf die Straße gestellt, Lampen an, fertig ist die Public-Show. Kaia Gerber, die Tochter von Cindy Crawford und 1,7 Mio. Instagram-Fans schwer, eröffnete die Show.

Modepilot-NY-Fashionweek-Showbizz

Cindy Crawfords Tochter Kaia eröffnete die Guerilla-Shows von Alexander Wang

Andere Insta-it-Girls vom Schlage Kendall Jenner, Bella Hadid und Anna Ewers folgten auf den Schritt. Einen Hastag gibt es auch: #Wangover. So macht man heute eine Show. Und so sieht die Mode dazu aus:

 

Das Beispiel Philipp Plein

Über Philipp Pleins kreative Fähigkeiten und seinen Einfluss auf die Mode muss man hier, in diesem edlen Modepilot-Kreis, keine Zeile mehr verlieren. Dass er sich letzte Saison einen heißen Schlagabtausch mit Wang lieferte, bei dem der eine dem anderen vorwarf, das Showsetting kopiert zu haben, ist auch bekannt. Kommen wir also zur aktuellen Show von Plein. Dort waren natürlich nicht die Outfits das Highlight, sondern die geniale Dita von Teese mit ihrer Martini-Burlesque-Show.

Wunderbar für alle Gäste, die nun nicht Geld für Ditas Show ausgeben mussten. Hat sich doch gelohnt, zu Philipp Plein gegangen zu sein, oder?

Wegen der Kollektion und der anstößigen Posen der Models kamen die Zuschauer sicher nicht. Oder vielleicht doch. Manche finden ja so ein Verhalten auf dem Laufsteg cool. Ich ja nicht.

 

Das Beispiel Fenty x Puma by Rihanna

Also, vor der Rihanna ziehe ich den Hut. Gute Kollektion. Sie wird immer besser, aber musste das  nun sein, dass sie am Ende auf dem Motorrad dem Publikum salutiert?

Modepilot-NY-Fashionweek-Showbizz

Rihanna salutierte dem Publikum vom fahrenden Motorrad aus. Und streckt die Zunge raus.

Hier ein Blick auf die wirklich gute Kollektion, die sicherlich weniger abgelichtet wird als das Zunge-raus-Motorrad-Bild der Designerin:

 

Das Beispiel Desigual

Mal abgesehen, dass ich nie verstehen werde, was Desigual auf der New Yorker Fashionweek zu suchen hat, stellt sich mir die Frage: Sind wir hier beim Zirkus, oder was? Lasst doch bitte diese alberne Clown-Maskerade.

Photo By: Catwalkpictures
6 Kommentare zu
“Verkommen die Schauen zum Showbizz?”
  • Liebe Barbara,
    das sehe ich ein bisschen anders, bzw, frage Dich: Wem würden die (Mode-)Journalisten denn noch nutzen?
    Dem Designer nicht. Seine Kunden informieren sich über Instagram, wir Du ja selbst schreibst.
    Überhaupt: Meiner Erfahrung nach, ist ein Designer sogar ganz schön aufgeschmissen, wenn er sich auf die Ratschläge von Modejournalisten verlässt. Denn, was der Modejournalist für sein Magazin oder seine Zeitung braucht, ist zu 90 Prozent nicht das, was die Kundin kaufen wird. Da ist eine so genannte Influencerin oder eine Zuschauerin von der Straße schon näher an der potentiellen Kundin dran und damit auch am wirtschaftlichen Erfolg eines Designers.
    Wann habe ich Suzy Menkes zuletzt gelesen? Puh. Auf Instagram war ich aber allein heute schon wieder dreimal.
    Bussis,
    Kathrin

  • Wird der Kunde im Flagshipstore, bei Breuninger oder sonstwo gefragt, ob er sich das Teil bei Caro Daur, Lendra Medine, oder welcher Influencerin auch immer abgeguckt hat? Das ist doch lächerlich. Die Obsession für Instagram beruht auf dem Automatismus, der die Smartphone-User dazu antreibt, das Ding ständig zu nutzen.

    Aber welche Frau, die High Fashion nach Belieben kaufen kann und das womöglich schon länger, als es Instagram gibt, braucht solche Vorbilder? Welche dieser Frauen hat es nötig, die nach dem Zufallsprinzip der Kunden zustandekommenden Looks der Influencer zu kopieren? Ich möchte jedenfalls nicht so gewöhnlich aussehen, wie manche Influencerin.

    Ich stimme Barbara hier voll und ganz zu. High Fashion Labels werden weiter an Relevanz einbüßen, vielleicht nicht, weil sie diesen unglaublichen Zirkus (partiell) mitmachen, sondern dann, wenn sie dem fast schon religiös anmutenden Glauben nachhängern, Instagram verkauft heute am besten und Influencer üben absoluten Einfluss auf Kaufentscheidungen der Frauen aus, die High Fashion kaufen können.

    Ich habe noch nicht mal Zeit dafür, regelmäßig in Instagram Accounts wie den von Veronika Heilbrunner reinzuschauen … die sieht aber zumindest sehr gut aus und ist modisch absolut originell …

    Und man kann ja teilweise beobachten, wie falsch High-Fashion Labels aus dem Hype heraus entscheiden. Die Burberry Show in dieser Location mit den engen Gängen, in denen dann auch noch gewendet werden musste, machte es fast unmöglich, die Klamotten unabgelenkt zu betrachten. Was soll denn daran gut für den Absatz sein?

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