Label to watch: Alanui

Ich komme gerade von der Pariser Modemesse Who’s Next und die Hallen für die kommende Sommer-Saison sind voller Ethno-Mode. Das Trendthema aus dem Sommer 2017 schafft also locker noch ins nächste Jahr, wenn nicht noch mehrere Saisons. Aber auch im Herbst und Winter ist diese bunte und fröhliche Mode tragbar. Nein, sie ist sogar empfehlenswert, weil sie uns dank der vielen Farben einen frischen Teint ins Gesicht zaubert und ein bisschen Sommer in die grauen Tage bringt.

Ethno ist auch das Thema eines Labels, das ich letzten Mai im Pariser Kult-Kaufhaus Le Bon Marché entdeckte und dann auf der Pitti Uomo im Juni noch einmal genauer kennenlernen durfte: Alanui. Dahinter stehen die Geschwister Carlotta und Nicolò Oddi aus Monza. Die beiden schauen aus wie Models und ihre Kaschmirjacken sind so schön wie sie selbst.

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Carlotta und Nicolò Oddi, die Macher von Alanui. Sie trägt übrigens ein Kleid  von Alberta Ferretti und dazu Balenciaga Schuhe.

Die Nomanden-Cardigans von Alanui

Alanui ist eine Marke, die nur ein Produkt im Angebot hat, nämlich einen handgestrickten Cardigan aus dickstem und feinstem Kaschmir. Dieser ist entweder aufwendig bestickt oder mit Fransen bedeckt. Die edlen Jacken werden ausschließlich in der Toskana hergestellt, das stilistische Kennzeichen sind ethnische Muster. Die Designerin Carlotta Oddi lässt sich aktuell von indianischen Mustern inspirieren. Aber sie ist immer auf der Suche nach neuen folkloristischen Ornamenten.

Der Schnitt ist unisex, sehr weit geschnitten, das Material dick und warm. Ein Gürtel dient dazu, die Oversize-Cardigans auf Taille zu schnüren. Man kann die Jacken sowohl in der Stadt, wie auch beim Ausflug aufs Land anziehen. Sie sind immer ein Blickfang. Und sie passen witzigerweise kleinen, wie großen Menschen. Bei manchen sitzt die Jacke auf der Hüfte, bei anderen geht sie bis zum Bein. Zwischen Sommer- und Wintersaison machen die Oddis bis dato keinerlei Unterschiede: Der Kaschmir ist immer gleich dick und er wird auch im Sommer nicht mit Leinen oder Seide gemischt. Alles ist immer 100% Kaschmir.

Bilder aus der Sommerkollektion 2018, die auf der Pitti Uomo in Florenz in einem Gewächshaus gezeigt wurde:

Natürlich sind die Cardigans bei einem Preis von über 2000 Euro kein Schnäppchen, sondern eher eine modische Geldanlage. Doch dank des Schnittes kann man sie über Jahrzehnte anziehen und sogar vererben. Wenn man bedenkt, dass Vita Kin-Kleider auch 1000 bis 2000 Euro kosten (hier geht’s zum Artikel >>>), dann hat man von einer Jacke von Alanui meiner Meinung nach mehr.

 

Die Geschichte hinter der Marke Alanui

Alanui wurde erst 2016 gegründet, hat aber schon 120 Boutiquen weltweit mit ihrem Produkt überzeugen können – darunter auch Kultläden wie Colette, Le Bon Marché aus Paris, Marion Heinrich in München und die großen Online-Shops wie Jades24, Net-à-Porter und Stylebop.

Wie startete diese Erfolgsstory? Nicolò Oddi (37) fand auf seinen Reisen auf einem Flohmarkt in Pasadena einen alten Cardigan, den er seiner Schwester (33) als Geschenk mitbrachte. Die schmiss die Jacke in ihren Koffer, den sie für eine Reise nach Hawaii packte. Als sie zurückkam, erzählte sie, dass ihr die Jacke beste Dienste geleistet habe und sie total verliebt sei in den alten Cardigan. So etwas brauche jede junge Frau, meinte Carlotta. Und sie muss es wissen. Die aparte Italienerin arbeitet als Moderedakteurin an der Seite von Anna Dello Russo für die japanische Vogue. Zusammen mit ihrem Bruder lancierte sie kurze Zeit später das Label Alanui. Der Name bedeutet auf Hawaiianisch: „lange Reise“. Das passt, denn die beiden Initiatoren  sind, nach eigenen Aussagen, auch selbst immer unterwegs, um die Welt zu erkunden.

Der Erfolg ihres kleines Unternehmens stellte sich sofort ein, denn Ethno liegt im Trend – wie eingangs erwähnt. Im Augenblick wollen sich die beiden Oddis erstmal auf ihre Unisex-Kaschmirjacken konzentrieren. Außer ein paar Mützen gibt es keine weiteren Produkte im Angebot. „Wird aus Alanui später noch eine vollständige Kollektion?“, fragte ich Carlotta Oddi auf der Pitti. Sie lächelte und zog die schmalen Schulter hoch und antwortete: „Vielleicht – irgendwann einmal.“

 

Alanui zum Shoppen

 

 

Photo By: Barbara Markert für Modepilot
1 Kommentar zu “Label to watch: Alanui”

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