Lanvin trennt sich von Bouchra Jarrar

Es war abzusehen: Gestern wurde bekannt, dass sich Lanvin von seiner Kreativdirektorin Bouchra Jarrar trennt. Nach nur 15 Monaten im Amt! Gerade mal zwei Saisons durfte die Französin sich beweisen (siehe auch hier >>>).

Wie ist der Abgang von Bouchra Jarrar zu bewerten?

Die Zeit reichte nicht, den Umsatzrückgang zu stoppen, der schon unter ihrem berühmten Vorgänger Alber Elbaz eingeleitet worden war. Und auch nicht, die diskrete und hoch begabte Bouchra Jarrar in der Öffentlichkeit bekannter zu machen. Mein Fazit von außen: Bouchra Jarrar konnte nicht gewinnen, auch wenn ihre letzte Kollektion hervorragend war. Denn: Die Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche Arbeit stimmten einfach nicht.

 

Modepilot-Lanvin-Bouchra-Jarrar

Bouchra Jarrar bei ihrer letzten Show für den Winter 2017-18

 

Erstens: Bereits Alber Elbaz beklagte sich, dass die chinesische Eigentümerin Shaw-Lan Wang zu wenig investiere. Es mangele an einer klaren Distributions- und Marketingstrategie. Obwohl Elbaz die Sympathie aller Mode-Professionellen genoss und seine Shows zum Hot-Ticket der Modewoche zählten, reichte es nicht aus, mit den hoch bejubelten Kollektionen Gewinne zu erwirtschaften. Das älteste Modehaus von ganz Paris schwächelt seit Jahren.

Zweitens: Als Elbaz rausgeschmissen wurde (klick>>>), boykottierten die Mitarbeiter erst  diese Kündigung und lieferten dann eine katastrophale Interims-Kollektion ab. Die Voraussetzungen für einen guten Start von Bouchra Jarrar bei Lanvin waren also alles andere als ideal. Und ihre erste Kollektion überzeugte auch die Kritiker nicht wirklich.

Drittens: Bouchra Jarrar ist äußerst begabt, aber sie hat nicht den Charme und das Auftreten ihres Vorgängers. Eine schüchterne und stille Person folgte auf einen lustigen Sunnyboy, der die ganze Branche mit seinen witzigen Videos und Schaufenster-Dekorationen unterhielt. Auf Spaß folgte Ernsthaftigkeit, aber von der Sorte gibt es in der Mode bereits viele andere (Lemaire, Hermès, Dior…). Lanvin verlor sein Alleinstellungsmerkmal (Fashion is fun!), das Elbaz in mehr als einem Jahrzehnt aufgebaut hatte. Vielleicht rutschte auch deshalb der Umsatz weiter ab. Und das kostete Jarrar nun den Job.

Bouchra Jarrars letzte Kollektion für den Winter 2017-18

Wie geht es nun weiter?

Das ist eine gute Frage. Angeblich will der Minderheitsgesellschafter, ein Geschäftsmann aus der Schweiz, neue Investoren ins Boot holen. Aber will das die Chinesin? Lanvin braucht nun auch einen neuen Chefdesigner. Doch Kreative vom Schlag Alber Elbaz‘ gibt es nicht zuhauf. Jarrar selbst hat noch die wenigsten Probleme. Sie wird sicherlich ihr pausierendes Haute Couture Haus zum Leben wiedererwecken nach dem Motto: Krönchen zurecht rücken, lächeln und weiter marschieren. Auch der Imageschaden hält sich sie in Grenzen. Denn Jarrar ist nicht gescheitert, sondern kam wohl einfach nur zur falschen Zeit. Ihre letzte Kollektion war beeindruckend und sie kann Lanvin mit erhobenem Haupt verlassen.

 

1 Kommentar zu “Lanvin trennt sich von Bouchra Jarrar”

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