Fashion Week: Manifeste gegen Mauern und für Frauen

Muss oder darf Mode politisch sein, fragte vor zwei Wochen Isabelle hier bei uns auf dem Blog >>>. Die Antwort gab die Modebranche auf den laufenden Fashion Weeks selbst: Ja, sie darf.  So manche Designer wollten Zeichen setzen gegen aufkommende Mauern im Kopf, die manche (viel zitierte) Politiker gerade errichten, wie auch reelle Mauern an Grenzübergängen. Ihr Bemühen wirkt wie eine Art stylische Demonstration gegen die jüngsten politischen Entwicklungen, die nicht nur in den USA um sich greifen. Denn machen wir uns nichts vor: Das Aufkommen nationalistischer Bewegungen gibt es allerorts.

Ob die Mode mit solchen Manifesten immer am richtigen Platz ist, lasse ich mal dahin gestellt. Manchmal wirken die Aktionen auch bemüht oder ein bisschen zu sehr nach Aufmerksamkeit heischend. Wie die Absage der Show von Marcus Wainwright, der sein Label Rag and Bone in einer Fotoausstellung präsentierte und den Schritt damit begründete, dass nach der Wahl Donald Trumps keine Show mehr angebracht wäre. Ähnlich agierte Vera Wang und zeigte einen Film statt einer Modenschau. Naja, vielleicht steckt auch ein Sparprogramm hinter solchen Entscheidungen. Aber wer will das schon zugeben? Da kommt der neue Präsident gerade recht, um diese Einsparungen in der Öffentlichkeit besser zu verkaufen. Aber kommen wir zu den medienwirksameren Aktionen:

Diese Labels wollen politische Zeichen setzen

Prabal Gurung: mit Parolen-T-Shirts für Solidarität und Frauenpower

Der aus Nepal stammende Prabal Gurung, der vor einigen Jahren die amerikanische Staatsbürgerschaft angenommen hatte, schickte nach seiner Kollektionspräsentation für Hernst/Winter 2017/18 noch einmal alle Models auf die Bühne, diesmal aber bekleidet mit Slogan-T-Shirts mit Aufdrucken wie „Voices For Choices,“ „Our Minds, Our Bodies, Our Power“, „Revolution Has No Borders“ oder „I Am An Immigrant“. Die Message ist klar und bedarf keiner großen Erklärungen. Viele T-Shirts behandelten auch das Thema Frauenpower, wobei es eine kurze Copyright-Aufregung um das T-Shirt „The Future Is Female“ gab. Der Slogan stammt von 1975 und wird gerade von der Frauenvereinigung Otherwild mit einem T-Shirt vermarktet, wobei 25% der Erlöse an der Verein Planned Parenthood gehen. Deren Shirt finde ich eh schöner und kostet nur 30 Dollar. Aber lassen wir das mal. Gurung wollte – wie viele andere auch – auf den Trend der Frauenpower aufspringen und das sei ihm auch erlaubt. Denn man muss wissen: Gurung unterstützt mit den Gewinnen seines Labels ein selbst lanciertes Programm für die Ausbildung von Schulmädchen in seiner Heimat, wie er mir mal in einem Interview erzählte.

 

Kanye West schickt moslemisches Model über den Laufsteg

Was interessiert uns das Geschätz von gestern? Der Fall: Kanye West und Donald Trump. Die beiden hatten sich Ende letzten Jahres getroffen und „als Freunde“ verabschiedet. West schwärmte danach auf Twitter über die Begegnung, aber löschte wenige Wochen später die Posts.  Siehe diesen Bericht vom Spiegel. Der berühmte Rapper und Musikproduzent scheint seine Meinung über „seinen Freund“ geändert zu haben. Schließlich produziert West auch den Anti-Trump-Song „Propaganda“ des Rappers King Myers. Im Song geht es um Solidarität mit Flüchtlingen und Muslimen. Die zeigte West nun auch auf dem Laufsteg seines Labels Yeezy, wo er das 19-jährige Model Halima Aden über den Catwalk schickte. Aden ist in einem Flüchtlingscamp in Kenia geboren. Die Somalerin kam mit sechs Jahren in die USA, hat inzwischen einen amerikanischen Pass und studiert in Minnesota. Sie gehört zu den wenigen muslimischen Models, die es ganz nach oben schaffen könnten (siehe auch hier >>). Auf dem Laufsteg bei Yeezy war sie mit Hidschab und Pelzmantel bekleidet (Haha, da sagte PETA dann auch ausnahmsweise mal nichts).

Halima Aden bei Yeezy

 

Public School formuliert den Trump-Slogan um

Die Kreateure von Public Scool, Dao-Yi Chow und Maxwell Oxborne, verpackten ihren Protest in ein Accesssoire: Sie formulierten den Slogan der roten Kappe, die Donald Trumps während seiner Kampagne trug, um: Statt „Make America Great Again“…

My Administration will follow two simple rules: BUY AMERICAN and HIRE AMERICAN! #USA

Ein Beitrag geteilt von Donald J. Trump (@realdonaldtrump) am

… heißt der Slogan der Kappe nun „Make America New York“. Ganz nach dem Motto, sich an der Kulturenvielfalt New Yorks zu orientieren.

 

Mara Hoffman liest auf ihrer Show Frauenrechte vor

Die New Yorkerin Mara Hoffman hat ihr Defilé damit eröffnet, die Gründerinnen des Frauen-Marsches auf den Catwalk zu holen, die dort die Rechte der Frauen dem Publikum vorlasen. Der Frauenmarsch hatte rund eine halbe Million Teilnehmer allein in Washington (laut NY Times) am Tag vor der Vereidigung des Präsidenten vereint. Die Designerin hatte selbst am Marsch teilgenommen.

 

UNITE WITH LOVE, RESIST WITH LOVE. 1/21/2017 Washington D.C. #WOMENSMARCH

Ein Beitrag geteilt von Mara Hoffman ? (@marahoffman) am

Hier sehen wir sie nach der Schau mit Linda Sarsour, Bob Bland, Tamika Mallory und Carmen Perez, letztere gebürtig aus Mexiko. Ziel war es, zur Soldidarität aufzurufen für alle, die nun ausgegrenzt werden, so die Designerin.

Mara Hoffman mit den Initiatoren des Frauenmarschs. Von links: Tamika Mallory , Linda Sarsour, Mara Hoffman, Bob Bland und Carmen Perez.

 

 

Diesel lanciert Werbespot: Make Love not Wall

Kein Geringerer als David LaChapelle hat die neue Diesel-Kampagne kreiert, die den alten Schlachtruf der 68er-Bewegung aufgreift (Make love, not war) und in dem Slogan „Make Love not Wall“ umformuliert. In  der Werbung werden deshalb auch Grenzmauern eingerissen werden, um am Ende eine Gay-Hochzeit zu feiern.

Ich zitiere aus der Pressemitteilung: #makelovenotwalls setzt ein Zeichen gegen die mentalen und physischen Mauern zwischen uns und lädt alle Seiten ein, im Namen der Liebe und Solidarität zusammenzukommen.  […] Diesel will diese Mauern niederreißen und zeigen, dass dahinter eine blühende und aufregende Zukunft auf uns wartet. „Wir bei Diesel wenden uns mit Entschiedenheit gegen das Säen von Hass und wollen das die Welt mehr denn je wissen lassen“, sagt Artistic Director Nicola Formichetti.

Die Kampagne wurde durch eine Guerilla-Aktion auf der New Yorker und Londoner Fashionweek begleitet, bei der Diesel einen knallbunten Panzer in Regenbogenfarben an bekannten Plätzen aufstellte.

 

Gareth Pughs Mode der „unausweichlichen Kräfte der Kulturlandschaft“

Auch der Londoner Designer beschäftigt sich mit dem aktuellen politischen Geschehen, jedoch geht es ihm nicht um den heimischen Brexit, sondern er schaut in Richtung USA. Pugh weilte angeblich zufällig während der Wahlen in Washington und das habe ihn maßgeblich beim Design dieser, sehr düsteren Kollektion beeinflusst. Im Handout spricht er von einer „Vision einer Welt auf dem Abgrund der Anarchie“.  Dabei greift er Kostüme und Filmszenen des Erotik-Thrillers „The Night Porter“ auf. Der italienische Spielfilm der Regisseurin Liliana Cavani aus dem Jahr 1974 schildert die sadomasochistische Beziehung einer Überlebenden der Konzentrationslager mit ihrem ehemaligen SS-Peiniger. Die Nazi-Anspielung, die von Suzy Menkes sofort auf ihrem Instagram-Post zur Kollektion aufgegriffen wurde, fand geteiltes Echo. Ist der Vergleich zu weit hergeholt? Passt er zu den aktuellen Ereignissen? Naja. Man muss auch sagen: Ohne das Hintergrundwissen zur Inspiration, sieht für mich diese Gareth Pugh Kollektion so aus wie eine Pugh Kollektion eben aussieht: Fröhliche bunte Blümchen gab es bei dem Londoner sowieso noch nie. Und: Was sich Designer beim Entwerfen denken, interessiert die meisten Kunden sowieso überhaupt nicht. Leider.

Ganz frisch: Auch Max Mara und Alberta Ferretti zeigen Hidschab

Aktueller Nachtrag von dieser Woche, bzw. heute aus Mailand: Auch die italienischen Labels Max Mara und Alberta Ferretti zeigten das Model Halim Aden in Hidschab auf dem Laufsteg. Designer Ian Griffiths und Mode-Veteranin Signora Ferretti bewiesen damit nicht nur ein Händchen für den Zeitgeist, sondern zeigen auch, wie modisch der Hidschab gestylt werden kann. Beide Marken zeigen den Schleier monochrom passend zum Outfit und schaffen damit einen ganz dezenten und eleganten Look.

Max Mara
Alberta Ferretti

Max Mara

Alberta Ferretti

 

Photo By: Catwalkpictures, Instagram
1 Kommentar zu “Fashion Week: Manifeste gegen Mauern und für Frauen”
  • Langweilige Röcke zu billig wirkenden T-Shirts kombiniert, mehr bringen diese Designer nicht zustande?

    Das muslimische Model ist wenigstens eine klare Aussage. Wie sich das Ankleiden hinter den Kulissen gestaltet, ist jedoch rätselhaft. Gläubige Musliminnen dürfen sich nie in Anwesenheit eines Mannes ankleiden. Nicht mal ins Schwimmbad dürfen sie zu Nicht-Musliminnen.

Kommentar hinterlassen

Your email address will not be published.

Follow our travels on Instagram: