Träume (bitte) weiter, Haute Couture!

Gestern Nachmittag schloss die Haute Couture ihre goldenen Pforten für diese Saison und bei mir stellte sich im ersten Moment Ratlosigkeit über diese Saison ein. Man braucht ja immer ein bisschen Abstand und muss sich auch noch mal die einzelnen Modelle auf den Bildern ansehen. Nun bin ich wieder etwas hoffnungsfroher, was dieses allerhöchste Genre der Mode betrifft. Denn es gibt zwei Lager: die Träumer und die Luxus-Innovatoren. Ich fange mit den Träumern an, die anderen folgen im nächsten Post.

 

Modepilot-Haute Couture-Review-SS2017

Setting bei Christian Dior

Brauchen wir eine modische Traumfabrik?

Diese Frage stellt sich bei der Haute Couture wohl jede Saison aufs Neue, aber irgendwie finde ich, dass diese Frage selten so berechtigt schien, wie diese Saison. Wir leben in einer sehr schwierigen Zeit voller Krisen, Terrorismus, politischen Brandherden und zunehmender Armut. Welche Botschaft sollte die Mode aussenden? Die Designer hatten eine Antwort parat. Und sie steckt im – rosa Tüll. Oups!

So viele Tüllbomben wie diese Saison gab es schon lange nicht mehr auf den Laufstegen der Haute Couture. Rosa Tüll und andersfarbiger Tüll, wohin man auch schaut. Ich habe die Tüll-, Organza- und Seidenkleider nach Farben sortiert: Rosa und all‘ die anderen Babyfarben.

Seid Ihr bereit? Los geht’s mit Rosa:

Giambattista Valli
Chanel
Ziad Nakad
Ralph & Russo
Giambattista Valli
Viktor&Rolf
Tony Ward
Giambattista Valli
Ralph & Russo
Giambattista Valli
Christian Dior
Georges Chakra
Zuhair Murad
Jean-Paul Gaultier
Zuhair Murad
Ziad Nakad
Christian Dior
Ziad Nakad
Christian Dior
Georges Chakra
Christian Dior
Celia Kritharioti
Chanel
Julien Fournie
Chanel
Giambattista Valli
Georges Hobeika
Georges Chakra
Viktor&Rolf
Elie Saab
Christian Dior
Christian Dior
Chanel

Giambattista Valli

Chanel

Ziad Nakad

Ralph & Russo

Giambattista Valli

Viktor&Rolf

Tony Ward

Giambattista Valli

Ralph & Russo

Giambattista Valli

Christian Dior

Georges Chakra

Zuhair Murad

Jean-Paul Gaultier

Zuhair Murad

Ziad Nakad

Christian Dior

Ziad Nakad

Christian Dior

Georges Chakra

Christian Dior

Celia Kritharioti

Chanel

Julien Fournie

Chanel

Giambattista Valli

Georges Hobeika

Georges Chakra

Viktor&Rolf

Elie Saab

Christian Dior

Christian Dior

Chanel

Und die anderen Baby-Farben:

Elie Saab
Viktor&Rolf
Alexis Mabille
Elie Saab
Ralph & Russo
Giambattista Valli
Viktor&Rolf
Ralph & Russo
Viktor & Rolf
Giambattista Valli
Dany Attrache
Viktor&Rolf
Viktor&Rolf
Viktor&Rolf
Alexis Mabille
Jean-Paul Gaultier
Zuhair Murad

Elie Saab

Viktor&Rolf

Alexis Mabille

Elie Saab

Ralph & Russo

Giambattista Valli

Viktor&Rolf

Ralph & Russo

Viktor & Rolf

Giambattista Valli

Dany Attrache

Viktor&Rolf

Viktor&Rolf

Viktor&Rolf

Alexis Mabille

Jean-Paul Gaultier

Zuhair Murad

Babyblau kam scheinbar auch gut. Genau diese Farbe war ja zusammen mit Rosa die Trendfarbe letzten Jahres von Pantone (wir berichteten >>>) .

Schaut Euch mal das erste Kleid in der Fotogalerie genauer an und vergleicht es mit dem Kleid, das Grace Kelly im Film „Die oberen Zehntausend“ trägt.

 

Viel Unterschied ist da nicht. Dazwischen liegen mehr als 60 Jahre, in denen sich die Mode ziemlich weiterentwickelt hat. Doch warum sieht man das dann nicht? Weil die Haute Couture eine Traumfabrik ist und scheinbar in dieser Saison so reagierte, wie Deutschland nach der Niederlage des zweiten Weltkriegs: Wir spülen alle Probleme weich durch. Die 50er-Jahre Filmindustrie im Nachkriegs-Deutschland produzierte Filme am laufenden Band wie „Mein Schatz kommt mit ans blaue Meer“, „Die Zwillinge vom Zillertal“ oder „Weißer Hollunder“ (Nein, das sind keine Erfindungen von mir sondern echte Filmtitel) . Schöne heile Welt, in der man davon träumt Prinzessin zu sein.

Aktuelle Prinzessinnen vom Couture-Laufsteg:

Prinzessin sein? Wird gemacht. Alexis Mabille und auch Guo Pei setzten den Models sogar Krönchen auf den Kopf und in der Kollektion Haute Joaillerie von Chanel gab es seit langem auch wieder mal ein Diadem zu kaufen.

Alexis Mabille
Guo Pei
Alexis Mabille
Georges Hobeika
Ziad Nakad
Ulyana Sergeenko
Guo Pei
Tony Ward
Ashi Studio
Elie Saab
Rami al Ali
Ralph & Russo
Rami al Ali
Georges Chakra
Elie Saab
Christianb Dior
Ashi Studio
Alexis Mabille

Alex Mabille

Guo Pei

Alexis Mabille

Georges Hobeika

Ziad Nakad

Ulyana Sergeenko

Guo Pei

Tony Ward

Ashi Studio

Elie Saab

Rami al Ali

Ralph & Russo

Rami al Ali

Georges Chakra

Elia Saab

Christian Dior

Ashio Studio

Alexis Mabille

Nun tummlen sich echte Prinzessinen durchaus in der Klientel der Haute Couture, die dann aber nicht unbedingt diese Kleider kaufen. Doch auch Hollywood braucht Prinzessinnen-Kleider für den roten Teppich. Auf keinen Fall zu vergessen sind die Öl-Prinzessinnen. Der mittlere Osten stellt nicht nur einen Großteil der Haute Couture Kundinnen, sondern inzwischen auch eine Handvoll Designer, die in Paris zeigen (Elie Saab, Georges Hobeika, Zuhair Murad etc.) und die Mode machen für „1000 und eine Nacht“. So erklären sich manche Tüllbombe auf den aktuellen Laufstegen.

Haben die Designer nicht mehr zu bieten?

Haben sie. Das sieht man vor allem auch in meinem kommenden Post zur Haute Couture, in dem ich die innovativeren Häuser zeige. Unter den Vertretern der Traumfabriken-Zulieferer haben aber auch manche noch über den Feenwald hinausgedacht:

Bei Chanel hat man den Eindruck, dass Karl Lagerfeld zur Preview des Films über Jackie Kennedy eingeladen wurde. Ich zeige erst den Trailer, der diese Woche in Deutschland gestartet ist…


… und dann die Mode von Chanel:

Dazu muss man wissen: Bei Chanel liegt die Innovation oft im Detail und offenbart sich erst, wenn man ganz genau hinschaut.

 

Bei Christian Dior erwartete ich als Debutkollektion in der Haute Couture von Maria Grazia Chiuri einen Paukenschlag. Vor allem nach der Ankündigung, dass wir alle mehr Feministinnen sein sollten (wir berichteten >>>). Ok, wenn die Feministinnen nun so in Schwarz gewandet demächst demonstrieren gehen, sähe die Welt definitiv schicker aus. Aber nicht unbedingt lustiger.

Vielleicht war aber der Paukenschlag darin zu sehen, dass die Designerin selbst am Ende in der Jeans über den ausgelegten Natur-Rasen des Musée Rodin marschierte.

Ich könnte nun ewig zu weiterunken. Oder Beispiele zeigen, in denen uralte Schnitte aus den siebzigern und achtziger Jahren hervorgekramt wurden und nun in Haute Couture Roben aus dem Jahr 2017 verewigt sind. Ich könnte erneut betonen, dass unsere Ikonen der Achtziger und Neunziger, Giorgio Armani und Jean Paul Gaultier, sich weiter treu bleiben und beharrlich ihren Stil seit nunmehr einem Vierteljahrhundert durchziehen. Die Kollektionen gleichen sich jede Saison aufs Neue– gemäß des Mottos: Gutes Design wird nicht schlecht. Oder: Besser sich selbst kopieren als andere.

Ich war diese Saison kurz davor, künftig die Haute Couture sich selbst zu überlassen und zuhause im Warmen auf die Bilder von Etienne, unserem Fotografen, zu warten statt in der eisigen Kälte vor irgendwelchen Locations auf den Einlass zu verharren. Aber dann…

Tja, dann sitze ich in bester Salon-Manier bei Viktor & Rolf. Die Blumengebinde auf dem Laufsteg sind atemberaubend schön und sanfte Musik durchweht den Raum. Direkt an mir vorbei flanieren zarte Wesen in ebenso zarten Kleidern (und das war nun bei weitem nicht eine von Viktor & Rolfs besten Kollektionen) und ich bin umgestimmt oder einfach auch nur eingelullt.

 

Vieles (in vielen Kollektionen) ist Stoff gewordener Kitsch, manches ist auch echt jenseits des guten Geschmacks … und doch sage ich mit wieder gewonnener Überzeugung: „Haute Couture, bitte, bitte träume weiter Deinen Traum!“

Photo By: Catwalkpictures, Video by Barbara Markert für Modepilot

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