German Labels to watch: Horror Vacui, Miloop

Wenn es darum ginge, die Business-Trends 2016 zu küren, dann dürfte die Rückkehr zur lokalen Produktion in der Liste auf keinen Fall fehlen. Made in Italy, France, UK, Germany ist derzeit wieder ziemlich angesagt. Dieses Rückbesinnung auf die Produktion im eigenen Land, bzw. in der EU, ist als Gegenbewegung zur Globalisierung zu sehen und als ein engagiertes  Bemühen um einen nachhaltigeren Konsum. In den vergangenen Jahren entstanden so viele kleine Modeunternehmen, die anders produzieren wollen als die großen, multinational aufgestellten Firmen: Sie lassen bei einem Hersteller fertigen, den sie persönlich kennen, achten auf möglichst natürliche Materialien und auch auf eine möglichst positive Öko-Bilanz. Mit dem Kauf eines solchen Produkts stärkt man die heimische Wirtschaft und beruhigt das eigene Gewissen, denn die meisten dieser „Made in EU“-Start-ups legen offen dar, wo und wie ihre Ware gefertigt wurde. Die hier vorgestellten zwei Beispiele  deutscher Newcomer würden sich deshalb – auf den letzten Drücker – auch noch gut unter dem Weihnachtsbaum von Leuten machen, die auf Nachhaltigkeit pochen.

 

Horror Vacui aus München

Anna Heinrichs ist für mich ein Paradebeispiel einer jungen Frau, die schon früh verstanden hat, auf ihr Herz zu hören und die Vernunft bei der Jobwahl hintenan zu stellen. Die Münchnerin, gebürtig aus der Ukraine und mit 11 Jahren nach Deutschland gekommen (ich erwähne das extra), hat aus Vernunft erst einmal Jura studiert und danach lange in einer Insolvenzkanzlei gearbeitet.  Die Mode war ihre Leidenschaft – seit Kindheit an. Dazu muss man wissen, dass ihre Eltern einen Konfektionsbetrieb in der Ukraine besitzen (der unter anderem auch für Isabel Marant konfektioniert). Den Schritt zur Modedesignerin als Beruf wagte Anna jedoch nicht. Dennoch half sie immer mal wieder im elterlichen Betrieb mit. Als sie dort für sich selbst einen Pyjama aus Liberty-Stoff nähen ließ und alle ihre Freundinnen auch so einen haben wollten, sah Anna ihre Chance zum Jobwechsel gekommen. „Ich hatte nun ein eigenes Projekt ganz für mich.“ Das 2014 gegründete Label trägt den etwas schrägen Namen „Horror Vacui“ und ist inzwischen Stammgast beim Vogue Salon während der Berliner Fashionweek.

Horror Vacui, die Angst vor der Leere, „steht für den Wunsch des Menschen diese zu füllen“. Ob Anna Heinrichs edle Nachtwäsche die Leere füllen kann, will ich mal dahin gestellt lassen. Sicher ist, dass ihre Pyjamas Lücken füllen im  Nachtwäsche-Angebot aus Deutschland. Und zwar in zweierlei Hinsicht: in Bezug auf Design und Qualität. Anna Heinrichs verwendet nur beste Materialien. Die heute 33-jährige Autodidaktin benutzt für ihre Produkte ausschließlich Tana Lawn, das ist eine besonders edle Baumwolle mit superglatter Oberfläche aus 100% ägyptischen Cotton, die in England gewebt und mit Liberty-Prints bedruckt wird. Andere Materialien sind die etwas wärmere Wollmischung aus 80% ägyptischer Baumwolle mit 20% Wolle, sowie ein Seidensatin aus 100% italienischer Seide. Kennzeichen der Horror Vacui Pyjamas sind paspelierte Knopflöcher, aufgesetzte Taschen, stoffbezogene Knöpfe, eine Boutonnière-Schlaufe auf der Rückseite und französische Nähte.

 

Ich habe Anna 2016 im Januar auf der Pitti Uomo kennengelernt, zu der sie als eine der ganz wenigen deutschen Newcomer eingeladen worden war (ein Ritterschlag für Start-ups in der Herrenmode). Sie zeigte dort ihre farbenfrohen Liberty-Pyjamas und war umzingelt von Japanern, die Heinrichs Pyjama-Jacken über ihre Hemden anprobierten. „Viel zu schön fürs Bett. Die sehen aus wie Jacketts von Gucci oder Antonio Marras, aber sind viel billiger“, erklärte mir ein Japaner stolz. Tatsächlich hat er Recht: Anna Heinrichs Pyjamas sind viel zu schön, als dass man sie zuhause verstecken sollte. Deshalb gibt es immer wieder Streetstyles, auf denen Herren zur Jeans ein Pyjama-Oberteil der Marke tragen oder Damen ihre Pyjama-Hose von Horror Vacui auf der Straße ausführen.

Für den kommenden Sommer hat Anna Heinrichs ihr Sortiment erweitert um den „Herzschützer“, das ist ein historisches Schlafgewand aus dem 15. Jahrhundert. Diese Don’t-call-it-Nachthemd-Version ist mit seinen Rüschen, Volants, Puffärmeln und gesmokten Raffungen ebenfalls viel zu schön, um sie nur im Bett  zu tragen. Die Modelle passen zudem wunderbar in den Romantik-Style, der uns 2017 in der Mode erwartet.

Auch neu ist der „Pulsix“. Anna Heinrichs erklärt: „Das ist ein Seidenbow für das Handgelenk, der aber auch für die Haare, den Hals, das Fußgelenk geeignet ist. Der Pulsix ist in Faltschatullen aus Naturpapier aus der Papierfabrik in Gmund (A.d.R.: südlich von München) verpackt, denen ich Verse beigelege. Die Inspiration für diese Verpackung sind  englische Emaille-Patchboxes, also kleine Schachteln, aus dem 18. Jahrhundert.“

Neuheit Pulsix

Neuheit Pulsix

Preise: ab 300 Euro, die Kleider liegen bei 800 Euro.

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Miloop aus Hamburg

Die Geschichte von Miloop ist die Geschichte einer schlauen Idee. Eine Modedesignerin, eine Schneiderin und ein „Marketing-Sonnenschein“ (so einen braucht ja jede Marke) taten sich zusammen, um eine multifunktionale Kopfbedeckung zu gestalten. Die Miloop Mützen sind Mütze oder Loop-Schaal oder Stirnband. Und sogar als Mundschutz zu gebrauchen. Um die Mütze in einem Schal umzuwandeln, muss man nur ein bisschen drehen. Es entsteht ein Loch, das groß genug ist, um als Schal oder Stirnband zu funktionieren. Will man wieder in die Mützen-Form zurück, muss man Miloop einfach mal ausschütteln. Schon dreht sich der Schal selbst wieder ein.

So geht’s:

Ich habe das Produkt vor einem Jahr geschenkt bekommen  – für mich und meinen Sohn (in der Bildergalerie). Wir beide haben es ausgiebig getestet. Es funktioniert tadellos. Zwar hat H&M die Idee längst nachgemacht (das Nachbarskind hat die schwedische Billigversion), aber das klappt lange nicht so gut. Das ist ein Grund, das Produkt zu kaufen. Der zweite Grund ist: Miloop-Mützen werden zu 100% in Hamburg hergestellt. Die Mützen sind handgefertigt und damit fast schon Einzelstücke.

 

Die Mützen gibt es in Jersey sowie Strick (den empfehlen wir für den Winter, weil er schön kuschelig ist). Erhältlich sind sie auch für Babys und Kids. Das ist besonders praktisch, denn dann braucht man als Mutter nicht so viele Sachen mitschleppen und kann das fix von Mütze in Schal umfunktionieren. Tipp: Die Kindermützen aus Jersey fallen klein aus, lieber eine Nummer größer nehmen.

Preise für Kinder: 15 bis 20 Euro je nach Größe, für Erwachsene: Jersey 29 Euro, in Strick (100% Merinowolle) 39 Euro. Im Augenblick gibt es das schlaue Produkt nur bei Miloop direkt im Shop.

 

 

Photo By: PR Horror Vacui, Instagram #horrorvacui, Screenshots Website Miloop, Barbara Markert für Modepilot
2 Kommentare zu
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