How to dress after 40

Bei mir steht nächstes Jahr ein runder Geburtstag an. Denke ich daran, kommen mir Madame Roitfelds Ratschläge in den Sinn, dass es dann immer Zeit ist, die Rocklängen zu überprüfen und den Schrank auszumisten. Es geht der stilvollen Pariserin um ein modisches Feintuning verbunden mit einer Selbstreflexion. Das ist nie verkehrt. Mit über 40 geht es nicht mehr darum, sich eine völlig neue Garderobe zuzulegen. Die meisten Frauen haben sich in diesem Alter für einen bestimmten Kleidungsstil entschieden, ihr Schrank ist das Spiegelbild dieser Entwicklung. Aus einer eleganten Linda Fargo (Vice President beim Edelkaufhaus Bergdorf Goodman) wird nun keine verrückte Anna Dello Russo (Editor-at-Large bei Vogue Japan) mehr.

Modische Fragen für Frauen ab 40

Dennoch sind runde Geburtstage ein idealer Zeitpunkt, sich modisch über die künftigen Jahrzehnte ein paar Gedanken zu machen. In welche Richtung soll das Feintuning gehen? Welches Styling passt noch? Wie lenkt man modisch von den Falten im Gesicht ab? Oder von der nicht mehr knackigen Figur? Was schmeichelt im Alter? Was nicht? Möchte man bei den künftigen Outfits mehr wagen? Und wenn ja, wie viel? Oder setzt man lieber auf Understatement? Wie viel Zeit möchte man überhaupt noch in das tägliche Styling investieren? Oder fährt man mit einer Art Uniform, wie sie Karl Lagerfeld trägt, der nahezu jeden Tag im gleichen Outfit gekleidet ist, nicht sogar besser?
Für die Antworten habe ich noch ein paar Monate Zeit, aber als Vorbereitung zur Reflexion habe ich mir schon jetzt Best-Ager-Streetstyles herausgesucht. Wie machen es die anderen? Was funktioniert und was nicht? Bei der Durchsicht habe ich die Outfits nach drei großen Stil-Kategorien sortiert: erstens Eleganz, zweitens Coolness, dritttens Extravaganz. Sie geben eine generelle Stoßrichtung vor, innerhalb derer sich jeder seine Anregungen holen kann, um den eigenen Stil zu verbessern und für die kommenden Jahre fit zu machen.

La grande Classe – die echte Eleganz

Zu dieser Gruppe gehören Stift- und Midiröcke, Hosenanzüge, Uni-Looks, edle Mäntel, Henkeltaschen, Seidenstrümpfe, vielleicht sogar mal ein Hut, roter Lippenstift – und eine korrekte Haltung (Oups, da  haben wir den Haken!). Es ist ein zeitloser Stil, der sich in den letzten drei bis vier Jahrzehnten kaum verändert hat. Ihn zu wählen, erleichtert das tägliche Styling. Auf Eleganz zu setzen, kommt am ehesten der Idee einer Uniform gleich. Man legt einfach jeden Tag ein graues, schwarzes, beiges Outfit zurecht, alles passt zu allem und man ist immer gut angezogen. Easy!
 
So gelingt der Look:

Coolness und Lässigkeit

Dies ist der bequemste, wie schwierigste Stil meiner drei Kategorien. Denn aus der Lässigkeit kann leicht ein Laissez-Faire-Look werden. Der Grad ist schmal. Eine Lösung ist, sich maskulin zu kleiden – à la Diane Keaton. Das funktioniert. Ansonsten ist schon ein gewisses Styling-Geschick und eine tägliche Outfit-Reflexion vonnöten, um Jeans, lässige Hemden, Military- oder Bomber-Jacken,  zerknautschte Trenchcoats, coole Parkas, Ankle-Boots, flache Treter und Rock'n'Roll-Shirts auch im Alter gut aussehen zu lassen. Not easy!
 
So gelingt der Look:

Wagemut und Extravaganz

Kommen wir zur letzten Kategorie, bei der einfach alles erlaubt ist, solange es gefällt. Wer diesen Stil wählt, schert sich nicht um die Meinung der Anderen. Diese Damen haben Spaß an der Mode und wollen das ausleben. Dieser Stil macht Laune, die Farben schmeicheln dem Teint, strahlen die Falten weg. So schlecht ist das nicht und als eine extravagante Oma zu enden, ist sicherlich ganz im Sinne der Enkelin. Eine Überlegung wert. Erfordert Mut!
 
So gelingt der Look:
Ich persönlich gehöre eher in die zweite Kategorie (Coolness und Lässigkeit), aber beginne morgens immer weniger Lust auf kompliziertes Styling zu haben. Genau hier muss meine Überlegung wohl ansetzen. Ist für mich ein Schwenk in Richtung Eleganz der richtige Weg? Vielleicht. Beruhigend ist, dass manche Damen durchaus in zwei Kategorien punkten. Oder sogar in dreien: Heute lässig, morgen extravagant und am Abend auch mal klassisch-elegant. Das ist die Freiheit, die man im Alter gewinnt und die über alle Falten hinweg tröstet.
Photo Credit: Barbara Markert für Modepilot, Catwalkpictures

Kommentare

  • JuliusK sagt:

    Meine Tante kleidet sich immer sehr elegant. Sie trägt auch alles von Stiftröcken über edle Mäntel bis zu rotem Lippenstift. Das einzige was ihr fehlt sind Henkeltaschen. Sie ist sehr Mode-affin. Mittlerweile sucht sie überall nach Henkeltaschen.
  • Hanna sagt:

    Hallo,

    Super Artikel, wo kann man denn die Kleider kaufen sehen super aus? Insbesondere die schwarze jacke auf dem ersten Bild rechts sieht hammer aus.

    Viele Grüße und bis bald Hanna


    • Barbara Markert sagt:

      Liebe Hanna, leider wissen wir nicht von alle Streetstyle-Outfits die Marken. Meinst du die Bomberjacke bei der weißhaarigen Frau? Es gibt eine ähnliche von Plolo Ralph Lauren. Bitte klicke mal auf diesen Link: http://bit.ly/2h9EZBe
  • Mari sagt:

    Danke für den Artikel mit den tollen Fotos. Ich (inzwischen auch schon 46) habe mich sehr wieder gefunden - zwischen Typ 1 und Typ 2. Und dass es die Avantgarde-Damen nicht mehr so häufig gibt, finde ich nicht wirklich bedauernswert. Meistens waren deren oft zeltartigen und komischen Outfits noch von unmöglichen "graphischen" Frisuren gekrönt. Schön war das in der Regel nicht. Nicht mal interessant, sondern irgendwie nur künstlich gewollt. Mir gefallen die lässigen, natürlichen Frisuren und Styles der Typ 2 Damen da um Welten besser. Bitte mehr davon!
  • StephKat sagt:

    Liebe Barbara, was für wahre Worte! Bei mir ist das jetzt schon 6 Jahre her und es stimmt: Ich habe mich für einen bestimmten Stil entschieden und auch einige Dinge ausgemistet, die ich nicht mehr altergemäß fand. Mache ich übrigens jetzt gerade wieder (und es gibt eine sehr süße 13jährige, die meine wilden Cashmerepullover bekommt 🙂

    Ich glaube, ich habe von jedem deiner 3 Typen etwas. Typ 1 im Büro, Typ 2 an entspannten Tagen und Typ 3, wenn ich abends ausgehe.


    PS. Ich finde die ganze Frau im Titel toll, nicht nur die Brille. Wer ist das?
    PPS. Es gibt eine echte Avantgarde Frau hier in Berlin. Sie hat eine Boutique, die Comme des Garcons, Yamamoto etc. führt und sie ist vermutlich selbst ihre beste Kundin 🙂 Die kennt hier jeder. Sie ist die Mutter aller Bloggerinnen. Ich versuche mal ein Bild zu finden.
  • Farbenfreundin sagt:

    Super Beitrag! Ich gehöre auch eher zu den Frauen, die zwischen den Kategorien wechselt, weil auch der Job nicht so viel Farbe im Outfit verträgt, wie ich mir das vielleicht wünsche. Im Alltag gerne due klasssische Eleganz in grau, beige, Blau. Im Kontrast zur Extravaganz und Coolness. Apropos Avantgarde- die gibt's in Wiesbaden sehr häufig und was mir auffällt- die Frauen erscheinen alterslos... für Streetstyles gerne nach Wiesbaden kommen ?
  • Josi sagt:

    Mega, was ist das denn für eine Brille im Titelbild? Und ich dachte, ich hätte ein extravagantes Exemplar (vgl. http://www.edel-optics.at/MINIMAL-BAROQUE-(PR-27NS-ROK4M1)-von-Prada.html) 😀 Hammer! Wo gibt's die? GLG Josi
    • Barbara Markert sagt:

      Hallo Josi, meiner Meinung nach ist die Brille von Marni. Hier unter diesem Link habe ich bei Vestiaire Collective noch eine in Braun gefunden. http://bit.ly/2fHS9my
      • Wilhelmina sagt:

        Sehr interessant, liebe Barbara. Mir fehlt hier jedoch die Avantgarde (Haider Ackermann, Rick Owens z.B.)

        Grüße vom Main

        Wilhemina


        • Barbara Markert sagt:

          Liebe Wilhelmina,

          danke für diesen wichtigen Kommentar. Das stimmt völlig. Ich spreche immer wieder über dieses Thema mit einer Fashion-Fachredakteurin, die nochmals 10 Jahre älter ist als ich. Wir beide haben festgestellt, dass die Avantgarde-Frau, so wie wir sie kennen und schätzen, immer seltener auf der Straße zu sehen ist. Daher habe ich leider auch keine Streetstyles zu diesem Thema knipsen können, bzw. bei unserem Fotografen gefunden. Allerdings verstehe ich unter der Avantgarde weniger nun Haider Ackermann (gehört bei mir eher in die Rubrik 2), sondern Comme des Garcons, Yohji Yamamoto, Issey Mijake , Chalayan etc. Auch Aganovich würde ich dazu zählen. Mit Nehera könnte dieser Stil wieder etwas mehr Anhänger finden. Aber ich verspreche schon jetzt, dass ich mich diesem Thema noch mal gesondert annehmen werden, denn die Avantgarde-Frau darf nicht verschwinden. Gruß, Barbara