Mode aus dem Plastikmüll der Ozeane

Deutschland ist eine Fußballnation. Wenn irgendein Kicker etwas sagt, dann hat das Gewicht – und dann hören auch alle hin, auch wenn das Thema nicht neu ist. Aber ich komme zum Punkt: Der Bayern München-Kicker Xabi Alonso ging am Meer spazieren und was sah er? Müll. Er sprach mit seinem Sponsor Adidas oder vielleicht war es auch der Sponsor, der mit dem Kicker sprach... Auf alle Fälle hat Adidas das Thema "Verschmutzung der Meere" schon länger auf der Pfanne, weil der Sportartikel-Hersteller im Sommer bereits einen Schuh aus 100 Prozent Ozeanmüll aufgelegt hatten. Die Herzogenauracher fertigten also Alonso ein Fußballtrikot aus Plastik, das im Meer schwamm. Details zum T-Shirt findet Ihr weiter unten. Darin lief er beim Spiel gegen Hoffenheim vor rund einer Woche auf und sagte: „Ich bin an den Stränden Spaniens aufgewachsen. Daher bin ich besonders froh darüber, ein Trikot tragen zu dürfen, das zu 100 Prozent aus recyceltem Ozeanmüll hergestellt wurde. Das ist eine tolle Gelegenheit darauf aufmerksam zu machen, wie wichtig es ist, die Weltmeere zu schützen.”
Danke Xabi Alonso. Ja, es ist wichtig, die Weltmeere zu schützen. Vor einem Jahr haben wir beim Ocean-Summit ausführlich darüber berichtet und aufgezeigt, was jeder ganz privat dazu tun kann, damit sich das Problem nicht weiter verschärft. Hier geht es zum Artikel >>>. Wichtig ist es auch, das Thema immer wieder aufs Parkett zu bringen. Mit einem Fußballer als Sprachrohr erreicht man zudem viele Leute, die noch nicht ausreichend für die Problematik sensibilisiert sind. Natürlich liefert der Verkauf ein paar T-Shirts aus Ozeanmüll nicht die Lösung der Umweltkatastrophe, aber es ist ein Schritt in die richtige Richtung. Vor allem weil dieses Shirt eine Message weiterträgt. Der Fußballer redet, der Fan kauft sich das Shirt, zeigt es stolz seinen Freunden, die wollen auch... Und wenn sich alle T-Shirt-Träger kurz informieren, wie es um die Weltmeere bestellt ist, dann sind es am Ende ein paar Menschen mehr, die nicht achtlos ihren Müll am Strand lassen, beim Einkaufen eine Jutetasche dabei haben und Obst und Gemüse ohne Umverpackung kaufen.
Ein recyceltes Kleidungsstück zu kaufen, ergibt Sinn (und ist auch ein schönes Weihnachtsgeschenk!). Eine Firma, die sich mit der Mode aus Ozeanmüll wirklich auskennt und Pionier ist im Recycling von Plastik aus den Weltmeeren, heißt Ecoalf. Deren Slogan lautet: "In trash we trust!" Ich habe die spanische Firme auf der letzten Pitti Uomo entdeckt und war begeistert, wie schön die Sachen aussehen und wie gut sie sich anfühlen.
Hier kommt mein Label to watch:

Ecoalf

„Upcycling the ocean“ ist das Motto der spanischen Firma Ecoalf, gegründet 2012 von Javier Goyeneche. Das Unternehmen verarbeitet Müll aus den Meeren, alte Autoreifen und Kaffeesatz. Daraus fertigt Ecoalf Jacken, Bademode, Rucksäcke oder Zehensandalen. Die Idee kam Javier Goyenche, der vorher bereits sehr erfolgreich ein Modeunternehmen aufgebaut hatte, nach der Geburt seines Sohnes Alfredo (daher das ALF im Namen Ecoalf).
So schaut die Kollektion aus:
 
Mode aus Müll – wie geht das? Im Meer schwimmende Plastikflaschen, Fischernetze und Plastikmüll werden gesammelt, zerkleinert, in Pellets umgewandelt und später zu Fäden versponnen, aus denen die Textilien gefertigt werden, die zu 100 Prozent aus Recycling-Material bestehen. Aus fünf Plastikflaschen entsteht zum Beispiel ein Rucksack. Goyeneche und seine Handvoll Mitarbeiter arbeiten mit elf internationalen Forschungseinrichtungen zusammen, um die Recycling-Technologie weiter zu entwickeln. Dieses Video liefert mehr Details:
Weil die Designs gelungen sind, und auch die US-Presse recht schnell auf Javier und seine Öko-Idee aufmerksam wurde, kann das Unternehmen bereits auf ziemlich coole Kooperationen verweisen: Ecoalf arbeitet mit Apple, Barneys, Nordstrom und Coolhunting zusammen. Für Apple entwickelte Ecoalf eine Macbook-Hülle, mit Schauspielerin Gwyneth Paltrow wurde eine Exklusivlinie für ihren Blog GOOP kreiert.
Ein wirklich gutes Interview mit dem Gründer gibt es hier. Dort erfährt man auch etwas über die Schwierigkeiten, "guten" Müll zu bekommen. Die Sachen sind erhältlich im Online-Store der Marke oder im Laden in Madrid.  Außerdem bei Yoox und Amazon, ein paar Modelle findet man in Deutschland auch bei Manufactum. Hier gehts zur Shopping-Galerie.

Adidas x Parley of the Ocean

Der deutsche Sportartikler Adidas hatte – wie eingangs erwähnt – bereits zum World Ocean Day im Juni 2016 einen Schuh aus recyceltem Plastikmüll aufgelegt. Der Verkauf dieses Schuhs war auf 7000 Stück limitiert und ging weg wie warme Semmel. Diese Aktion und auch die Zusammenarbeit mit Parley, einer Art Think Group, die sich um die Rettung der Ozeane bemüht, wird nun fortgesetzt. Am 15. November kommt der nächste Ozeanmüll-Sneaker auf den Markt. Hier shoppen. Ein Bild davon findet Ihr in der Galerie. Aktuell schon (bzw. noch) zu haben: Das Xabi-Alonso-Parley-Trikot. Für Fans von Real Madrid gibt es auch eine Version in Weiß und auch für Kinder. Preis: um 90 (70 für Kinder) Euro. Hier kann man es kaufen.
Das Coole daran: Auf den Trikot sind die Logos der Sponsoren ganz dezent. Das wird scheinbar ein Sammlerstück, denn schon jetzt kursieren bereits erste Angebote bei Ebay für einen wesentlich höheren Preis.
 
Ziel der Aktion ist, laut Adidas, die Zielgruppe der jüngeren Fußballzuschauer für die Verschmutzung der Weltmeere und ihren Schutz zu sensibilisieren. Obwohl das Engagement noch überschaubar ist (im Vergleich zu Ecoalf), wird die Werbetrommel eifrig gerührt und das ist auch gut so. Adidas hat eine Marktmacht und erreicht Menschen in der ganzen Welt. Von mir aus könnten sie ruhig mehr solcher Produkte auflegen.
Hier das Promotion-Video:
Damit auch alle kapieren, dass es höchste Zeit ist, etwas zu unternehmen, zeige ich hier ein paar Bilder der Parley-Website.
Überall in der Welt und in Europa kämpfen Surfer gegen die Meeresverschmutzung. Das Bild des Fotografen Zak Noyle stammt aus Indonesien /Java. Unter http://www.surfrider.eu kann man sich der Initiative anschließen.
Überall in der Welt und in Europa kämpfen Surfer gegen die Meeresverschmutzung. Das Bild des Fotografen Zak Noyle stammt aus Indonesien /Java. Unter www.surfrider.eu kann man sich der Initiative anschließen.
Jedes Jahr werden Tausende Meeresschildkröten von Fischern "versehentlich" gefangen. Sie geraten in deren Netze oder bleiben an den Angelhaken hängen. Die ohnehin schon vom Aussterben bedrohten Meeresreptilien werden durch diese Verluste weiter gefährdet.
Jedes Jahr werden Tausende Meeresschildkröten von Fischern "versehentlich" gefangen. Sie geraten in deren Netze oder bleiben an den Angelhaken hängen. Die ohnehin schon vom Aussterben bedrohten Meeresreptilien werden durch diese Verluste weiter gefährdet.
Im Nordpazifik treibt seit Jahrzehnten ein Müllstrudel, der mittlerweile so groß ist wie Zentraleuropa. Laut WWF versinken Strände unbewohnter Inseln geradezu im Müll.
Im Nordpazifik treibt seit Jahrzehnten ein Müllstrudel, der mittlerweile so groß ist wie Zentraleuropa. Laut WWF versinken Strände unbewohnter Inseln geradezu im Müll.

Auch andere Firmen engagieren sich

 
Photo Credit: Screenshots Ecoalf, PR Adidas, Screenshots Praley for the ocean, Screenshots Firmen, Foto: Isabelle Braun

Kommentare

  • Sybille sagt:

    Liebe Barbara, vielen Dank für diesen tollen Tipp. Die Sachen von Ecoalf sehen wirklich toll aus.
    Sybille