Erfindet Dyson das Föhnen neu?

Letzte Woche wurde in Paris, im Conceptstore Colette, der neue Dyson Föhn namens „Supersonic“ vorgestellt. Modepilot war live dabei und hat mal genauer durch das Loch im Föhn geschaut.

 Modepilot-Dyson-Hairdryer-Foehn-Test

Der erste Eindruck

Schick schaut der neue Föhn aus. So wie alle Dyson Geräte. Das Gerät ist schmal und das Material sehr wertig. Der Griff ist länger als bei einem normalen Föhn, dafür ist der Föhnkopf kürzer und mitten in ihm prankt ein rundes Loch. Zwei Farb-Kombinationen sind im Angebot: Dunkles-Grau mit Fuchsia und Dunkles-Grau mit Weiß. Vier Jahre Entwicklung stecken in dem Supersonic, über hundert Ingenieure waren daran beteiligt und ebensoviele Patente wurden eingereicht. Im Pressetext steht, dass er unsere Föhngewohnheiten revolutionieren wird. Wirklich?

 

Wer ist James Dyson?

Um den neuen Haartrockner richtig einschätzen zu können und zu verstehen, welche hohen Ziele das neue Gerät verfolgt, muss man kurz die Firma vorstellen: Sir James Dyson ist dieser unglaubliche Tüftler (Industriedesigner und Ingenieur) aus England, der mit seinen Erfindungen frische Luft im doppelten Sinne des Wortes durch unsere Haushalte wehen lässt. Seine erste große Erfindung, ein Staubsauger, der ohne Staubbeutel auskommt und dadurch die Saugkraft konstant hält, machte ihn bekannt. Heute kennt fast jeder Dyson, der schon einmal am Flughafen oder in einer Bar auf der Toilette war. Dort stehen seine genialen Handtrockner namens Airblade, die unsere Händen in Sekunden trocknen und dabei einen Sauggeräusch von sich geben, bei dem man Angst haben muss, nicht in Gänze in den Airblade hineingezogen zu werden. Dysons Haus-Ventilatoren schauen aus wie Skulpturen und seine Saugroboter wie kleine, sympathische Mitbewohner, die freundlicherweise auch noch die Wohnung sauber halten. Sprich: Diese Firma ist bekannt für schräge Ideen, die unseren Alltag leichter machen sollen. Nun also hat sich James Dyson dem Föhn gewidmet. Das wurde auch Zeit, denn die Technik des Föhns an sich hat ist seit rund 60 Jahren nahezu unverändert.

 

Fakten und Zahlen zum Supersonic

Das Herzstück des neuen Föhns ist sein außergewöhnlicher Motor. Was auch sonst! Für besonders starke Motoren ist James Dyson berühmt. Das Außergewöhnliche am Motor des Supersonic ist seine Größe im Vergleich zu seiner Leistung: Er dreht sich fast zehnmal schneller (110.000 Drehungen / Minute) als die im Handel erhätlichen Föhn-Motoren-Modelle, kann pro Sekunde 13 Liter Luft in den Föhn blasen, aber misst nur rund ein Drittel eines herkömmlichen Föhn-Motors. Da der Dyson-Motor so klein ist, passt er in den Griff. Das ist eine Innovation. In normalen Föhns sind die Motoren im Kopf plaziert.

Die Technologie des Air Multiplier verdreifacht den Luftdruck im Inneren des Geräts und die Luft wird danach in einem engen Winkel rund um das Loch im Kopf des Supersonic ausgestoßen. Das hat den Vorteil, dass die Luft konzentriert und kontrolliert auf das Haar trifft und wenig Streuverluste entstehen.

Im Föhnkopf ist zudem ein Microprozessor eingebaut, der 20 mal pro Sekunde die Temperatur kontrolliert. Die maximale Temperatur wurde auf maximal 120° Celsius begrenzt. Der Grund: Alle Temperaturen darüber schädigen das Haar. Zum Vergleich: Handelsübliche Föhns können sich auf Temperaturen bis zu 150° Grad Celsius und darüber bei Gebrauch aufheizen. Damit nun keine Missverständnisse entstehen: Es geht hier nicht um die Temperatur, die man einstellt, sondern die sich durch den laufenden Motor aufheizt. Wer es weniger heiß mag, kommt bei Dyson auch auf seine Kosten: Der Supersonic ist mit vier Temperatureinstellungen ausgestattet: kalt, 60°, 80° und eben maximal 100° Grad (die sich maximal auf 120 Grad aufheizen können).

Die Aufsätze, ein Diffuser und zwei Stylingaufsätze (Brushing und Glätter) unterschiedlicher Größe, werden ganz einfach per integrierten Magneten auf den Föhn aufgesetzt.

Der nicht mal 5 cm lange und 3 cm breite Motor schafft 11000 Umdrehungen pro Minute.
Der Dyson Motor im Vergleich: Links ein herkömmlicher Föhn-Motor, rechts der neue Supersonic
Seitenansicht des Supersonic: Man sieht den langen Griff und den kurzen Kopf.
Der Luftzug ist kontrolliert, konzentriert und wird dreifach verstärkt.
Aufsätze können ganz einfach per Magnetverschluss angeklickt werden.
Der Supersonic von hinten mit den Knöpfen für die Wärmestufen, die per LED Licht angezeigt werden.

Der nicht mal 5 cm lange und 3 cm breite Motor schafft 11000 Umdrehungen pro Minute.

Der Dyson Motor im Vergleich: Links ein herkömmlicher Föhn-Motor, rechts der neue Supersonic

Seitenansicht des Supersonic: Man sieht den langen Griff und den kurzen Kopf.

Der Luftzug ist kontrolliert, konzentriert und wird dreifach verstärkt.

Aufsätze können ganz einfach per Magnetverschluss angeklickt werden.

Der Supersonic von hinten mit den Knöpfen für die Wärmestufen, die per LED Licht angezeigt werden.

 

Erfindet der Supersonic das Föhnen neu?

Mein Urteil nach einem kurzen eigenen Föhn-Test und den Gesprächen mit einem Friseur und den Technikern: Ja. Manches aber im Supersonic ist auch reines Gadget.

Tatsächlich ist der Supersonic super handlich und einfach zu bedienen. Er liegt toll in der Hand und bei Bewegungen über den Kopf knickt sich nicht ständig mein Handgelenk ab, weil das Gewicht anders verlagert ist. Das ist für mich ein Riesenvorteil.

Auch die Lautstärke-Regelung halte ich für revolutionär. Der Krach vieler Föhns ist unerträglich. Der Supersonic dagegen ist relativ leise und dezent. Für mich ein ganz großes Plus.

Die Möglichkeit, die Aufsätze mit einem Klick magnetisch auf den Föhn zu setzen, ist genial. Warum da niemand vorher drauf kam! Außerdem sind sie so beschaffen, dass sich die Aufsätze nicht selbst aufheizen. Ist man mit dem Föhnen fertig, einfach wieder abnehmen – ohne sich dabei die Finger zu verbrennen. Solche Ideen mag ich.

Der Luftstrahl ist stark und kontrolliert. Sprich, die Luft wird nicht irgendwie in den Raum geblasen, sondern trifft in konzentrierter und gebündelter Kraft auf das Haar. Das Föhnen geht deshalb tatsächlich schneller. Durch den geringeren Streuverlust wird das Föhnen auch sparsamer im Energieverbrauch. Außerdem werden die Haare weniger verwirbelt (Gut für alle, die wie ich keine Föhnspezialisten sind und oft ohne Bürste föhnen). Wer aber erwartet, dass er wie beim Airblader in Nullkommanichts mit dem Föhnen fertig ist, irrt. Leider wollte mir keiner der Techniker die Frage beantworten, wie viel schneller das Föhnen mit dem Dyson-Gerät ist. Die Reaktion der Spezialisten: „Wir können keine Prozentzahlen herausgeben, weil dies von verschiedenen Faktoren abhängig ist. Dazu müssten wir uns auch auf ein Vergleichsmodell eines herkömmlichen Föhns beschränken (Problem der vergleichenden Werbung, A.d.R.). Auch spielt die Haarstruktur eine Rolle.“

Die Wärmeregulierung ist für mich im privaten Gebrauch ein reines Gadget. Wer sich bewusst ist, dass der mit zu heißem Föhnen seine Haare schädigt, hat sich in den letzten Jahren sowieso schon ein moderneres Gerät angeschafft (das sich weniger erhitzt) und föhnt nie oder nur selten auf höchster Stufe. Die Temperatur-Regulierung wird daher in meinen Augen eher für den professionellen Einsatz sinnvoll. Friseure müssen in Akkordzeit föhnen und benutzen daher meist die höchste Temperaturregelung. Hier mag es Sinn machen, eine Überhitzung zu vermeiden.

Tipp: Nur kalt zu föhnen, ist übrigens nicht immer die schlaueste Lösung.  Erst ab einer bestimmten Temperatur wird das Haar beim Föhnen nicht nur getrocknet, sondern auch geformt. Wer also mehr will, muss mit Hitze arbeiten. Aber dazu muss keiner auf die höchste Stufe schalten.

 

Modepilot-Dyson-Hairdryer-Foehn-Test

Der Dyson Supersonic mit den drei Aufsätzen. Nur eine Seite des Lochs im Föhnkopf ist abgedeckt, hinten bleibt er offen.

 

Kommen wir zum Preis: Der Supersonic kostet stolze 399 Euro. Uff! Damit liegt der Haartrockner meilenweit über den handelsüblichen Föhngeräten. Bei Mediamarkt kostet der billigste Föhn sieben Euro (von AEG) und der teuerste liegt bei 209 Euro (von Valera). Ob man nun doppelt bis dreifach so viel ausgeben möchte, nur um seine Haare zu trocknen, muss jeder selbst entscheiden. Wäre ich aber ein Friseur, würde ich sofort auf das Dyson Gerät umsteigen. Allein schon um mich nicht mehr schreiend mit meinen Kunden unterhalten zu müssen, um meinen Salon auch design-technisch aufzumöbeln und auch, um ein ebenso handliches wie leichtes Gerät zu nutzen, dass selbst zarte Handgelenke dank des ausgeglichenen Gewichts schont. Außerdem hat man mit dem neuen Gerät (wie bei der Apple Watch) auch immer sofort ein Gesprächsthema mit mundfaulen Kundinnen parat.

Wer nun will: Erhältlich ist der Supersonic ab sofort bei Colette in Paris. Danach ist ein Vertrieb erst über Séphora und noch später im normalen Eletronikhandel geplant.

Photo By: PR, Barbara Markert für Modepilot
6 Kommentare zu
“Erfindet Dyson das Föhnen neu?”
  • Der Kauf lohnt sich, das Teil ist wirklich super. Und schließlich stellt sich die Frage nach dem Wert, den man für den Preis bekommt bei z.B. Luxustaschen auch nicht.

  • Zwar ist ein teurerer Kaufpreis teilweise durch Innovation und neue bessere Eigenschaften gerechtfertigt. Allerdings finde ich persönlich einen Preis von 399,00 Euro zu hoch. Ich wäre nicht bereit mehr als 80 Euro auszugeben.

    Vor 6 Monaten habe ich mir einen neuen Föhn gekauft und mich vorher im Internet auf haartrockner-föhne-im-test.de schlau gemacht. Dabei bin ich auf den Braun HD 780 gestoßen und habe mich letztenendes für ihn entschieden. Ich bereue den Kauf in keinster Weise, auch wenn es keine sehr hohe Preiskategorie war wie bei dem Dyson Model, bin ich bis heute sehr zufrieden.

    LG Petra

  • Also ich habe den Dyson Supersonic und bin begeistert. Er ist viel leiser als es mein alter Föhn war. Er liegt viel besser in der Hand. Er ist nicht so schwer.
    Würde ihn wieder kaufen. Und an alle, die über den Preis meckern und deswegen schlechte Bewertungen geben: Man muss ihn ja nicht kaufen, wenn man nicht so viel Geld ausgeben möchte!

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