70 Jahre und kein bisschen alt – der Bikini

In Schweden hat gerade eine Polizistin, die beim Sonnenbaden im Bikini auf der Wiese saß, einen Handy-Dieb gestellt. Sie warf sich über ihn, einer knipste. Das Bild ging durch die Presse. Warum? Weil Frauen im Bikini noch immer gut für Schlagzeilen sind (, die Männer dann lesen). Für uns Frauen sind die Zweiteiler längst Standard geworden, wie Isa in einem Artikel treffend über die einteilige Konkurrenz des Badeanzugs beschrieben hat >>>  Doch dass wir alle so denken und mehrere Bikinis im Schrank haben, hat ein paar Jahrzehnte gedauert. Der Bikini ist eine modische Erfolgsgeschichte, die in diesem Jahr ihr siebzigstes Jubiläum feiert und von so einigen explosiven Momenten erzählen kann.

Eine Explosion gab den Namen

Die Explosion, die dem Badeoutfit seinen Namen gab, war der erste große Atombombentest nach dem zweiten Weltkrieg im Südpazifik, konkret auf dem paradiesischen Korallenatoll Bikini.  Das war am 1. Juli 1946. Wenige Tage später ließ der Auto-Ingenieur Louis Réard, der schon länger in Bademode machte, eine textile Bombe in Paris im Schwimmbad Molitor hoch gehen. Wie der Atombombentest war alles genau geplant und strategisch überlegt: Réard wählte den Tag der Miss-Wahl zur „schönsten Badenden“, um am 5. Juli 1946 seine neueste Kreation aus vier Stoff-Dreiecken und drei Kordeln vorzustellen.

Der Ur-Bikini war so klein, dass er durch Réards Ehering passte und sich kein Mannequin fand, um ihn der Öffentlichkeit vorzustellen. Nur eine traute sich: Micheline Bernardini, Nackttänzerin aus dem Casino. Sie kam mit dem bisschen Stoff sogar in die Endausscheidung, bekam danach Liebesbriefe, aber der Skandal-Bikini wurde verboten. Erstmal. Doch sein Siegeszug war nicht zu stoppen, vor allem auch, weil ein zweiter Designer, der angesehene Couturier Jacques Heim, auf dieselbe Idee gekommen war. Er nannte seinen Zweiteiler übrigens „Atome“.

 

Modepilot-Bikini-Story

Die Geburtstunde: Louis Réard stellt Bikini-Modell vor

Kleiner Hinweis am Rande: Beide Pioniere des Bikinis waren streng genommen nur Nachahmer, denn Zweiteiler zum Sonnenbaden trug man schon 1600 vor Christus. Höhlenmalereien beweisen es. Ehrlich gesagt, finde ich diese Modelle fast schöner als den Ur-Bikini von Réard.

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Bikini-Modelle der Antike

 

Der Siegeszug des Bikinis

Seit damals konnte den Bikini keine Mode mehr stoppen. Zu der knappen Ur-Form, die als Höschen nur einen knappen Tanga hatte, wurde erstmal Stoff hinzugefügt. 1960 waren viele Rüschen „in“.

Cover der aktuellen Bikini-Ausstellung in Paris
Bikinis in den 50ern
Elle Cover von 1946
50er Jahre: Rita Hayworth hatte die perfekte Bikini-Figur.
Bikini-Modell Ende der 40er Jahre

Cover der aktuellen Bikini-Ausstellung in Paris

Bikinis in den 50ern

Elle France Cover von 1946

50er Jahre: Rita Hayworth hatte die perfekte Bikini-Figur.

Bikini-Modell Ende der 40er Jahre

1962 kam ein Gürtel hinzu, in dem man wahlweise ein Messer oder eine Pistole stecken konnte, wie James Bond Fans wissen. Wer zu diesem Zeitpunkt noch zögerte, musste nur ins Kino gehen, um zum Bikini-Tragen überzeugt zu werden.  Niemals stieg jemand umwerfender aus dem Meer wie Ursula Andress alias Bond-Girl Honeychile Rider im Film „James Bond jagt Nr. No“.

 

Der Bikini war zum Begleiter der schönsten Frauen der Welt geworden. Vor allem auch, weil endlich Lycra erfunden war und die Baumwollstoffe ersetzte, die nach einmal Baden unförmig an der Haut klebten. Bikinis saßen endlich wie eine zweite Haut.

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Die Bikini-Trägerin schlechthin: Birgitte Bardot

In den 70ern schien Brigitte Bardot mit nichts anderem bekleidet zu sein. Wir erinnern uns auch an den Kult-Film „10 – Die Traumfrau“ (1975) mit Bo Derek, die Bikinis trug, die noch knapper als das Ur-Modell und scheinbar dauerhaft durchnässt waren. Damals wurden die Bikinis seitlich gebunden, um noch weniger die Körper zu bedecken.

Versuche, das wenige bisschen Stoff noch zu reduzieren, setzen sich kaum durch: 1964 zeigte Rudi Gernreich seinen „Monokini“ (Höschen ohne Oberteil). Karl Lagerfeld reduzierte den Bikini 1996 für Chanel, als er die Oberteil-Dreiecke durch Logo-Sticker (1996) ersetzt. Auch das erwies sich für alle Frauen mit Körbchengröße über A als wenig praktisch.

Rudi Gernreich und sein Monokini
Chanel 1996

Rudi Gernreich und sein Monokini

Chanel 1996

In den 80ern und 90ern wurden dann die Beinausschnitte immer höher (ich sage nur Stéphanie de Monaco!), es kamen Neon-Farben auf. Bis mit dem neuen Jahrtausend die Wende kam: Für den Sommer 2001 präsentierte John Galliano auf einer Dior-Prêt-à-Porter-Schau Bikinis, die sich kaum von den aktuellen unterschieden. Für diese Schau griff er die Idee einer Misswahl auf. Eine Hommage an Louis Réard?

Der Bikini heute

Die aktuellen Bikinis sind das Best-of der letzten 70 Jahre. Alle oben beschriebenen Formen, die sich in den letzten Jahrzehnten als sexy oder kleidsam bewiesen, stellen heute das Angebot. Züchtige und taillenhohe Modelle in 50er-Jahre-Drucken zeigte unter anderem Dolce & Gabbana, sexy Mini-Bikinis gehäkelt wie in den 70ern schickte Tommy Hilfiger auf den Laufsteg. Surferlabels wie Billabong setzen auf hautenges Lycra und sportliche Formen und das neue Hip-Label Are You Am I holt sogar den hohen Beinausschnitt der 80er wieder aus der Klamottenkiste.

Tommy Hilfiger
Are You Am I
Billabong 2016
Solid and Striped
Mara Hoffmann
Tommy Hilfiger
Mara Hoffmann

Tommy Hilfiger

Are You Am I

Billabong

Solid and Striped

Mara Hoffmann

Tommy Hilfiger

Mara Hoffmann

Selten war das Angebot größer, wie unsere Shoppinggalerie unten deutlich zeigt. Erlaubt ist eh, was gefällt.

 

Zum Abschluss gibts es noch ein bisschen musikalische Untermalung. Der Bikini hat nämlich seine eigene Hymne: den Ohrwurm „Itsy Bitsy Teenie Weenie Yellow Polka Dot Bikini“.

 

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Photo By: Catwalkpictures, Historische Bilder abfotografiert von Marie Claire 1954-2004 Sonderedition, The Bikini – a cultural history by Patrick Alac, Bilder aus der Ausstellung: Le Bikini a 70 ans in der Galerie Joseph, Paris
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