Die Tattoos werden immer größer

Ende der Neunziger kamen die Tattoos wieder auf. Nachdem sie jahrelang einen schlechten Ruf hatten und eher bei Matrosen und Knastbrüdern angesiedelt waren als bei Gretchen Müller. Plötzlich waren Symbole auf der Haut wieder „in“ und es gipfelte darin, dass sich viele junge Frauen mit Stolz ein sogenanntes „Arschgeweih“ stechen ließen. Als 2004 sogar das Fernsehen darüber berichtete, war die Coolness aber schon wieder dahin. Kleine Tätowierungen (Herzchen, Kreuze, Kleeblätter, Symbole aller Art) zieren seitdem hier und da die Körper. Irgendwann hatte man sich so an sie gewöhnt, dass sie niemandem mehr auffielen. Tattoos waren zum Mainstream geworden. Heute ist rund ein Drittel der deutschen Bevölkerung irgendwo am Körper tätowiert, heißt es.

 

Wie viel Tatoo ist derzeit „in“?

Es ist also an der Zeit, eine Stufe höher zu schalten. Wer jetzt noch Aufmerksamkeit erzielen wollte, brauchte mehr. Mit David Beckham, dem wohl trendigsten Fußballspieler der Welt (dank seiner Frau), kam das großflächige Tattoo, bzw. das multiple Tattoo, bestehend aus vielen einzelnen kleinen Tätowierungen, auch bei den Kickern und ihren Fans immer mehr in Mode. Bei der Europameisterschaft 2016 sahen wir kaum noch einen Spieler ohne. Bei der Herrenmodewoche in Paris ebenso. Auch in der Modebranche denken heute viele Fashionistas in größeren Tätowierungs-Dimensionen. Daran mag Streetstyle-it-boy Justin O’Shea, heute Creative Director bei Brioni, sicherlich seinen Anteil haben. Er kultiviert das „bigger Tattoo“ schon seit Jahren. Es sei eine Art „Tagebuch“ seines Lebens, sagt er selbst.

Justin Modepilot Einkäufer

Justin O’Shea – ein Bild aus alten Tagen, als er noch Mytheresa-Einkäufer war, aber schon im Streetstyle mit seinem Look Zeichen setzte.

 

Doch selbst Justin ist mit seinem eintätowierten Lebenslauf heute nicht mehr allein. Wie die Bilder-Galerie zeigt:

 

Woher kommt der neue Spaß am Tattoo?

Wenn wir zurückdenken an unser Modepilot-Interview mit dem Trendexperten Vincent Gregoire von Nelly Rody (hier geht es zum Artikel >>>>), könnten wir folgenden Erklärungsversuch für die neue Lust am Tätowieren wagen. Gregoire sagte damals: „In einer Zeit der fortschreitenden Globalisierung haben wir Angst, unsere nationalen Wurzeln zu verlieren. Wir suchen einen Anker in der Historie, in unseren Ursprüngen: Gallier, Römer, Germanen… Denken Sie nur an die aktuellen Wikinger-Serien aus dem Fernsehen: The Vikings,  Games of Thrones. In Skandinavien erleben wir gerade das Revival der Wikinger-Seele. In Südamerika und Zentralamerika sind derzeit die Maja und Azteken ziemlich in Mode.“

Und? Was hat das nun mit dem aktuellen Tätowierungs-Hype zu tun? Viel. Denn Tattoos gab es schon zu Cäsars Zeiten und im Mittelalter erst recht, wie Wikipedia weiß: „Im europäischen Mittelalter verbreiteten sich christlich-religiöse Tätowierungen. So ist von dem Gelehrten und Mystiker Heinrich Seuse, der im 14. Jahrhundert lebte, überliefert, dass er sich den Namen Jesus auf die Brust tätowiert habe. Ein deutsches Mädchen erlangte 1503 Bekanntheit, weil sie am ganzen Körper mit religiösen Symbolen tätowiert war.“

Besonders deutlich in der Fotogalerie ist zu erkennen, dass vor allem asiatische Fashionistas tätowiert sind. Auch hier gibt es eine historische Erklärung: „Eine sehr lange Tradition haben Tätowierungen in Japan, wo sie Irezumi, bzw. Horimono (wörtlich eigentlich: „Bildhauerei, Schnitzerei“) genannt werden. Die früheste Erwähnung findet sich im chinesischen Geschichtswerk Weizhi Worenchuan, in dem das Japan des 3. Jahrhunderts beschrieben wird.“ (Wikipedia)

Tattoos als Rückbesinnung zu unseren Wurzeln? Vielleicht. Auf jeden Fall haben sie es schon auf den Laufsteg geschafft. Dort sind tätowierte Models längst etabliert. Im Berufsleben kommt es auf den Job an, ob sie akzeptiert werden oder nicht: In der Werbebranche oder im Fitnessclub regt sich keiner mehr darüber auf. Gestern sah ich zwei Polizisten mit Tattoo. In der Bank zieht man eben wie Justin O’Shea einfach einen ordentlichen Anzug drüber. Schon ist das Problem gelöst.

Tatoos auf dem Laufsteg

Haider Ackermann
Balmain
KTZ
Haider Ackermann
Astrid Andersen
Haider Ackermann

Haider Ackermann

Balmain

KTZ

Haider Ackermann

Astrid Andersen

Haider Ackermann

Na, und wie findet Ihr das?

Wer noch mehr darüber lesen möchte, hier gehts zu unseren Artikeln zum Thema.

Photo By: Catwalkpictures, Barbara Markert für Modepilot
3 Kommentare zu
“Die Tattoos werden immer größer”
  • die Erklärversuche finde ich bescheiden ..

    Tattoos sind in meinen Augen eine gewisse demonstrierte „Offensitivität“

    Schaut her .. wie toll ich bin

    Schaut her .. wie viel Schmerz ich ertragen kann

    Schaut her … ich bin sogar so doof eh cool mir Hals und Gesicht bemalen zu lassen

    es geht ganz klar um Selbstdarstellung

    ich brauch das nicht

  • Wieso lassen sich die Leute überhaupt den Rücken tätowieren,wenn sie es selbst nicht sehen können,es sei denn mit Spiegel?
    Und warum werden Tätowierungen auf den Armen z.B. nicht so herum gemacht,dass TrägerInn dieses selber betrachten kann?

  • ganz ehrlich, ich finde tattoos an allen körperstellen nice. Sollte jeder halt für sich selbst entscheiden.

    Was tattoos am Rücken angeht, wenn du in einem wärmeren Land lebst kommt es schon sehr oft zur vorschau.

Kommentar hinterlassen

Your email address will not be published.

Follow our travels on Instagram: