Liebeserklärung an die Gazelle

Ende der Achtziger, während meiner Kollegstufenjahre, trug ich  – bis auf wenige Ausnahmen im Winter – nur ein einziges Schuhmodell: ein paar kobaltblaue Adidas Gazelle mit neon-orangenen Streifen. Ich liebte diesen Schuh so sehr, dass ich ihn komplett durchlief: Bei Nässe konnte ich später meinen Fußabdruck auf dem Asphalt sehen. Bevor ich ihn zu seiner letzten Ruhestätte im Mülleimer trug, machte ich Bild: von den abgelatschten Sneakers auf einer sonnenbeschienenen Treppe. Das Bild zierte lange Zeit die Wände meines Kinderzimmers. Als Erinnerung an einen Turnschuh, der mich über Jahre hinweg begleitet hatte wie ein guter Freund.

Warum hat das Revival so lange auf sich warten lassen?

Das klingt heute alles wie eine Geschichte aus einer anderen Welt. Damals reichte ein Schuh für Sport und Alltag. Heute haben wir Turnschuhe für jede Sportart und zusätzlich noch ein halbes Dutzend Sneakers im Schrank. Manche haben noch mehr, ich weiß. Sneaker sind längst Trendprodukte geworden und auch ich kaufte mir nach der Gazelle genau aus diesen Gründen erst Reebok, dann Nike, Puma, New Balance, wieder Adidas und so weiter. Aber tatsächlich hatte ich mit keinem anderen Turnschuh eine gleichermaßen enge Verbindung aufgebaut wie meiner alten Gazelle. Kaum konnte Babyoffice laufen, bekam er welche. Natürlich. Ich hätte auch gerne zugeschlagen, aber das Angebot am Gazelle-Sneaker für Damen war zu dieser Zeit noch recht dürftig.
Als 2012 die ersten Fashionistas anfingen, den Stan Smith zu tragen (siehe dieser Artikel >>>), jubelte mein Lebenspartner. Der ist noch älter als ich und der Stan Smith war SEIN Kultschuh. 2014 hatte so ziemlich jeder den Stan Smith im Schrank. Als 2015 Isa den Adidas Superstar zum Schuh das Jahres ausrief (hier gehts zum Artikel >>>), wurde ich langsam pampig. Wann kommt eindlich das Revival der Gazelle? Bei der Herrenmodewoche in Paris im Januar 2015  ging ich deshalb  in den Adidas Showroom und stellte Adidas-Designchef Dirk Schönberger zur Rede (siehe hier). "Ey Dirk, was ist nun mit der Gazelle?" Die Antwort: "Och nö, der ist nicht so cool wie der Stan Smith und nun kommt erstmal der Superstar." Ja, ja. Der Superstar: so ein altes Run-DMC-Teil, klobig und mit einer hässlichen Fußspitze. Also ICH brauchte den nicht.

Warum wir jetzt die Gazelle kaufen sollten?

Aber jetzt, mehr als 30 Jahre nach meiner ersten Turnschuh-Liebe, ist endlich meine Zeit angebrochen. Die Gazelle ist zurück! Ist Dirk Schönberger endlich zur Vernunft gekommen? Habe ich ihn überzeugen können? Jedenfalls bewirbt Adidas meinen Lieblingsschuh gerade auf allen Kanälen. Die Händler haben ihn in Massen geordert und ganz vorne ins Regal gerückt (wohl auf Weisung des Herstellers), aber das kann mir alles egal sein. Die neue Gazelle 2016 ist eine gelungene Neuauflage und es gibt sie in wunderschönen Farben! Die Sorbettöne der Sommerkollektion in dem perforierten Leder sind toll! Aber auch das klassische Grau und das helle Beige mit den goldenen drei Streifen gefallen. Oder doch das matte Blau oder das dunkle Rot? Und ist Dunkelgrün nicht gerade die Trendfarbe für den Herbst?  Ach, ich kann mich gar nicht entscheiden.
 
Und dann gibt es ab August noch ein ganz neues Modell speziell für Frauen, namens Gazelle Pony Back: eine Premium-Edition aus Nubuk-Leder, Lederfutter und Fersenlasche. Sie gibt es in Utility Blue und Raw Pink, ich nenne es ein mattes Kupfer.
Modepilot-Gazelle-Revival-TRend
Die Edelversion aus Nubuk-Leder und Premium-Lederfutter sowie Kontrastdetails an der Fersenlasche . Erhältlich in Utility Blue und Raw Pink. im Handel ab dem 1. August 2016.
Die Sohle ist wie früher entweder in Weiß (in der Neuauflage des Modells von 1991) oder in den neueren Revival-Versionen aus naturfarbenem Kautschuk. Man kann sich den Schuh auch komplett im Online-Shop von Adidas selbst zusammendesignen. Es mag nostalgisch klingen, aber ich sage Euch: Es gibt keinen besseren Sneaker für schmale Füße als die Gazelle. Nur dieser Turnschuh schaut am Fuß wirklich elegant aus.
Mir gefällt an diesem wohl durchdachten und natürlich strategisch wie ökonomisch scharf kalkulierten Revival auch, dass niemand Geringeres als Kate Moss den Schuh promoted. Vor allem eine Kate Moss von früher, konkret von 1993. Nicht eine Pore oder Falte gealtert (dank des Digitalkünstlers Doug Abraham), sondern so konserviert wie der Schuh selbst. Hier seht Ihr das Promotionvideo:
Adidas sagt dazu: "Die Gazelle erfindet sich immer wieder neu. Ob Mods, Reggae Szene, Britpop Kids oder Minimalismus der 90er." Naja, das sagen die nun so. Und Kate Moss sagt (Was? Die sagt mal was???): "Gazelles were THE trainer we all wore in the ‘90s…I was and always have been an adidas girl.” My dear, ich hatte die schon ein halbes Jahrzehnt vorher an. Remember the future? Aber gerne.
Photo Credit: Adidas PR

Kommentare

  • Mari sagt:

    Ich warte ja darauf, dass die LA Trainer von Adidas wieder hip werden.
  • Barbara Markert sagt:

    @Mari. Mann, an den kan ich mich auch noch entsinnnen. Der kam später. Die Sohle mit den 3 Luftkanälen hinten, war damals eine echte Innovation.
  • Silvi sagt:

    Der Schuh gefällt mir auch, wenn nur die Zunge nicht aus hartem Plastik wäre. Blasenalarm beim Tragen mit Footies. Schade, schade.
  • Claudia sagt:

    Ich habe noch die ersten Original Gazelle in grau...glaube sind von 1991. Sie leben noch 😀
    • Kathrin Bierling sagt:

      Manches muss man einfach nur aussitzen 🙂