Haute Couture im Umbruch: Salon-Schauen mit Außentheater

Die aktuell laufende Haute Couture Woche kündigt einen Umbruch an. Einige der wichtigsten Neuzugänge, die das Salz in der Abendroben-Suppe waren, setzen diesmal aus: Bouchra Jarrar hat mit ihrem neuen Job bei Lanvin einfach zu viel zu tun und auch Yiqing Yin wollte sich wohl eher ihrer Prêt-à-Porter-Linie widmen als arbeitsintensive Zeit in die Haute Couture zu stecken. Der Neuzugang Vetements wirft einerseits Fragen auf, weil man nicht so richtig weiß, was die da sollen mit ihrer Ready-to-wear, aber andererseits kündigt dieser Haute Couture-Neuling, der gar keiner ist, genau das an, was wohl in den nächsten Jahren passieren wird: Die Haute Couture Woche wird zum Termin all‘ derjenigen, die auf See-now-buy-now setzen. Noch nie gab es so viele Präsentationen von Zwischenkollektionen während der Haute Couture. Neueinsteiger in das Midseason-Genre, wie Leondard und Hermès, zeigen ihre Resort-Modelle während der wilden vier Tage voller Abendroben. Das ist schlau! Auch die Schmuck-Marken – wie Cartier oder Piaget – begnügen sich keineswegs mit dem ihnen zugewiesenen Platz am letzten Tag der Schauen, sondern mischen mit Haute Bijouterie-Partys den bereits vollen Kalender auf. Am Donnerstag, dem regulären Schmucktag zeigt keiner mehr, weil alle (Kunden wie Presse) dann schon wieder abgereist sind.

Und die Haute Couture selbst? Die macht auf Salon-Ambiente. Iris van Herpen zeigte in einer Kirche. Gaultier zeigt eh immer zuhause in seinen Salons und diesmal machte es ihm sogar Dior nach. Dior zeigt sonst immer im großen und pompösen Stil, doch dieses mal fand die Schau in den Räumen statt, in denen sonst die Haute Couture Anprobe, bzw. die Re-Sees abgehalten werden. Dass damit die Gästezahl auf ein Minimum schrumpft, ist klar.

Enger Laufsteg bei Dior: Im Salon-Ambiente fand die Haute Couture Schau statt.
Iris von Herpen zeigte in einer Kirche.
Auch bei Giambattista Valli mussten die Models Kurven laufen, statt einen langen Laufsteg entlang zu laufen.
Adéline André ist ein Haute Couture-Veteran und zeigt Jahrzehnten immer im gleichen nackten Ambiente. Andrang herrscht nicht.

Enger Laufsteg bei Dior: Im Salon-Ambiente fand die Haute Couture Schau statt.

Iris von Herpen zeigte in einer Kirche.

Auch bei Giambattista Valli mussten die Models Kurven laufen, statt einen langen Laufsteg entlang zu laufen.

Adéline André ist ein Haute Couture-Veteran und zeigt Jahrzehnten immer im gleichen nackten Ambiente. Andrang herrscht nicht.

Stirbt die Haute Couture?

Die Presse ist durch das Medien-Sterben sowieso weniger zahlreich angereist und die, die noch nach Paris gereist sind, und keine Karte für die Schauen bekommen haben, werden wohl in der kommenden Saison auch keine Reisekosten mehr produzieren. Womit wir fast schon wieder beim alten Thema wären: Stirbt die Haute Couture? Nein keinesfalls, aber vielleicht die Form, wie sie bis in den letztem Jahrzehnt präsentiert wurde. Die Shows dienen schon lange nicht mehr dem Verkauf von Lippenstiften, sondern die Haute Couture finanziert sich selbst. Reiche Menschen gibt es immer noch genügend: Eine Zahl von knapp 400 weltweiten Haute-Couture-Kundinnen vermeldete die Süddeutsche Zeitung Mitte 2015. Doch braucht man noch die großen Schauen? Nein, denn die echten Kunden passen in einen Salon. Und muss das Fußvolk noch dabei sein? Naja, es kann ja draußen auf die Promis warten. Adé Standing-Plätze.

Vor den Salons vor Dior auf der Avenue Montaigne haben sich bereits Stunden vor der Schau die Zaungäste und Fotografen die besten Plätze gesichert.
Der Eingang ist perfekt abgeriegelt.
Nur die Limousinen mit den Gästen haben Zufahrt.
Wer zu Fuß kommt, darf im Rahmen der Dior Boutiquen posieren.
Oder auf der Straße.
Chiara Ferragni hat erst keine Lust …
…reißt sich aber dann am Riemen.
Lena Perminova ist neben Politikergattin und it-Girl eigentlich Model und weiß, wie man sich in Pose schmeißt.

Vor den Salons vor Dior auf der Avenue Montaigne haben sich bereits Stunden vor der Schau die Zaungäste und Fotografen die besten Plätze gesichert.

Der Eingang ist perfekt abgeriegelt.

Nur die Limousinen mit den Gästen haben Zufahrt.

Wer zu Fuß kommt, darf im Rahmen der Dior Boutiquen posieren.

Oder auf der Straße.

Chiara Ferragni hat erst keine Lust …

…reißt sich aber dann am Riemen.

Lena Perminova ist neben Politikergattin und it-Girl eigentlich Model und weiß, wie man sich in Pose schmeißt.

Und in Bewegtbild sieht das dann so aus vor Dior. Draußen ist mehr los als drinnen. Stargast Céline Dion bekommt von mir das goldene Modepilot-Abzeichen für diesen sympathischen Auftritt vor den Fans. Sie war einer der wenigen, die nicht mit mürrischem, von den Passanten genervten Blick, aus der Limousine in den Salon huschte, sondern einmal das ganze Spalier der Zaungäste abschritt – bestens gelaunt, winkend und publikums-nah. Bravo!

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Photo By: Catwalkpictures, Barbara Markert für Modepilot, Video: Barbara Markert

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