Haute Couture im Umbruch: Salon-Schauen mit Außentheater

Die aktuell laufende Haute Couture Woche kĂŒndigt einen Umbruch an. Einige der wichtigsten NeuzugĂ€nge, die das Salz in der Abendroben-Suppe waren, setzen diesmal aus: Bouchra Jarrar hat mit ihrem neuen Job bei Lanvin einfach zu viel zu tun und auch Yiqing Yin wollte sich wohl eher ihrer PrĂȘt-Ă -Porter-Linie widmen als arbeitsintensive Zeit in die Haute Couture zu stecken. Der Neuzugang Vetements wirft einerseits Fragen auf, weil man nicht so richtig weiß, was die da sollen mit ihrer Ready-to-wear, aber andererseits kĂŒndigt dieser Haute Couture-Neuling, der gar keiner ist, genau das an, was wohl in den nĂ€chsten Jahren passieren wird: Die Haute Couture Woche wird zum Termin all' derjenigen, die auf See-now-buy-now setzen. Noch nie gab es so viele PrĂ€sentationen von Zwischenkollektionen wĂ€hrend der Haute Couture. Neueinsteiger in das Midseason-Genre, wie Leondard und HermĂšs, zeigen ihre Resort-Modelle wĂ€hrend der wilden vier Tage voller Abendroben. Das ist schlau! Auch die Schmuck-Marken – wie Cartier oder Piaget – begnĂŒgen sich keineswegs mit dem ihnen zugewiesenen Platz am letzten Tag der Schauen, sondern mischen mit Haute Bijouterie-Partys den bereits vollen Kalender auf. Am Donnerstag, dem regulĂ€ren Schmucktag zeigt keiner mehr, weil alle (Kunden wie Presse) dann schon wieder abgereist sind.
Und die Haute Couture selbst? Die macht auf Salon-Ambiente. Iris van Herpen zeigte in einer Kirche. Gaultier zeigt eh immer zuhause in seinen Salons und diesmal machte es ihm sogar Dior nach. Dior zeigt sonst immer im großen und pompösen Stil, doch dieses mal fand die Schau in den RĂ€umen statt, in denen sonst die Haute Couture Anprobe, bzw. die Re-Sees abgehalten werden. Dass damit die GĂ€stezahl auf ein Minimum schrumpft, ist klar.
 

Stirbt die Haute Couture?

Die Presse ist durch das Medien-Sterben sowieso weniger zahlreich angereist und die, die noch nach Paris gereist sind, und keine Karte fĂŒr die Schauen bekommen haben, werden wohl in der kommenden Saison auch keine Reisekosten mehr produzieren. Womit wir fast schon wieder beim alten Thema wĂ€ren: Stirbt die Haute Couture? Nein keinesfalls, aber vielleicht die Form, wie sie bis in den letztem Jahrzehnt prĂ€sentiert wurde. Die Shows dienen schon lange nicht mehr dem Verkauf von Lippenstiften, sondern die Haute Couture finanziert sich selbst. Reiche Menschen gibt es immer noch genĂŒgend: Eine Zahl von knapp 400 weltweiten Haute-Couture-Kundinnen vermeldete die SĂŒddeutsche Zeitung Mitte 2015. Doch braucht man noch die großen Schauen? Nein, denn die echten Kunden passen in einen Salon. Und muss das Fußvolk noch dabei sein? Naja, es kann ja draußen auf die Promis warten. AdĂ© Standing-PlĂ€tze.
 
Und in Bewegtbild sieht das dann so aus vor Dior. Draußen ist mehr los als drinnen. Stargast CĂ©line Dion bekommt von mir das goldene Modepilot-Abzeichen fĂŒr diesen sympathischen Auftritt vor den Fans. Sie war einer der wenigen, die nicht mit mĂŒrrischem, von den Passanten genervten Blick, aus der Limousine in den Salon huschte, sondern einmal das ganze Spalier der ZaungĂ€ste abschritt – bestens gelaunt, winkend und publikums-nah. Bravo!
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Photo Credit: Catwalkpictures, Barbara Markert fĂŒr Modepilot, Video: Barbara Markert

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