Bill Cunningham wird uns fehlen

Gestern starb Bill Cunningham. Er wurde 88 Jahre alt. Der New Yorker Fotograf wird uns fehlen.
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Bill Cunningham – wie man ihn kennt und wir ihn lieben. Die Kamera im Anschlag, ein Lächeln im Gesicht.
Auf der aktuellen Fashionweek in Paris hatte ich schon gesucht. Seine mit dem Alter leicht gebückte Silhouette, seine legendäre blaue Jacke, die Kappe oder Mütze frech auf dem Kopf und auf den Lippen ein amüsiertes Lächeln, das sein Gesicht zum Strahlen brachte. Bill Cunningham, der Vater der Streetstyle-Fotografie, gehörte zur Fashionweek wie die grimmigen Mienen der Einlasskontrolleure, die Schlangen vor dem Standing-Eingang und das Gedränge auf dem Fotografen-Podium.
Ich hatte Bill Cunningham vor 12 Jahren persönlich kennen gelernt. Damals fanden die Schauen in Paris noch in Räumen unter dem Louvre statt. Es war Winter und eine Fotografen-Freundin stellte ihn mir vor. Wir gingen zusammen einen Kaffee trinken. Damals redete noch niemand über Streetstyle-Fotografie, nur die Japaner begannen – so wie Bill – ein paar "normale Frauen in ihren schicken Kleidern" zu fotografieren. Beim Kaffee zeigte er mir seine Portraits von Romy Schneider, Greta Garbo und anderen Schauspielerinnen. Bescheiden und schüchtern erzählte er ein, zwei Anekdoten aus seinem Leben (das Ihr sicherlich en detail nun in vielen anderen Nachrufen lesen werdet). Seit diesem Tag nickten wir uns freundschlaftlich zu, wenn wir beide in der Kälte vor den Schauenzelten ausharrten, um die nun so berühmt gewordenen "Streetlooks" zu knipsen.
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Bill in der Kälte vor einer Show. Auf der Pariser Modewoche im April 2014.
Ich sage bewusst etwas abfällig "knipsen". Denn auch wenn sich heute die meisten Streetstyle-Fotografen als Künstler verstehen, so geht es in diesem Metier doch vor allem um das fotografische Festhalten aktueller Modestile. Die Kunst besteht eher darin, den Blick für den besonderen Look oder für den außergewöhnlichen Menschen zu haben. Bill hatte ihn. Während sich andere in der Horde auf die immer gleichen Streetstyle-Stars warfen, fotografierte er ganz andere Leute.
Längst ist das Alles ein dickes Geschäft geworden, längst haben sich die Fotografen selbst zu Berühmtheiten hoch stilisiert. Das jedoch war niemals im Interesse des Erfinders: Der ebenso diskrete, wie bescheidene Bill Cunningham machte seine Bilder aus reinem Spaß an der Arbeit. Das sah man ihm sprichwörtlich an und deshalb hatte er auch mit weit über 80 Jahren Flüge von New York nach Paris und dem damit verbundenen Jetlag auf sich genommen, um – bei welchem Wetter auch immer – seine Kreise vor den Toren der Modeschauen zu ziehen. Immer auf der Jagd nach schönen Frauen. Die Kamera stets schussbereit in der Hand – sobald eine schicke Elfe ihm schwungvoll entgegen trat.
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Bill auf der Pariser Modewoche im April 2014.
Nun ist er von uns gegangen. Sein Herz hat in New York zu schlagen aufgehört. Mit ihm geht eine Generation. Aber auch eine echte Leidenschaft für Mode und Fotografie. Er hinterlässt eine Lücke, eine große. Ich werde ihn auf den Schauen sehr vermissen. R.I.P., Bill!
Photo Credit: Barbara Markert für Modepilot

Kommentare

  • Mahsa sagt:

    wird er <3