Ich rieche nach Tuxedo – der Markt der Luxusdüfte

Wie viele Parfums in einem Jahr neu auf den Markt kommen, dazu gibt es die unterschiedlichsten Aussagen. Man spricht von 300 bis 5000 neuen Düften pro Jahr. Die Wahrheit liegt wohl irgendwo in der Mitte.  Auf alle Fälle hat sich der Duftmarkt längst zum olfaktorischen Auffangbecken gemausert, bei dem jeder auch noch so drittklassige Musikstar / Jeans- / Unterwäschehersteller mit einem Duft mitmischen will.  Das Angebot ist riesig, die Konkurrenz schont sich gegenseitig nicht, Bestseller werden ohne Scham kopiert und mit dicken Marketingbudgets werden Produkte, egal ob sie es wert sind oder nicht, promotet, was das Zeug hält. Wer ein Bestseller-Parfum im Sortiment hat, kann sich glücklich schätzen, denn solche Düfte sind Cash-Cows, die große Renditen bringen.
Doch genau weil der Markt so unübersichtlich und riesig geworden ist, haben viele Luxusmarken exklusive Duftserien herausgebracht – um gegenzusteuern und zu zeigen, dass es ihnen auch noch (etwas) um die Kunst des Riechens geht. Diese Luxusparfums sind sozusagen die Kür, die Pflicht und der Umsatz werden mit massentauglichen Kommerz-Düften befriedigt.
Seit Ende 2015 ist nun auch YSL Beauté, das zu L'Oréal gehört, in den High-Class-Club der Parfums eingestiegen. Anlass genug, anhand dieses Neuzugangs einmal das ganze Segment vorzustellen.
Modepilot-Luxusparfums
Neuzugang im Markt der Luxus-Parfums: Yves Saint Laurents Vestiaire des Parfums

Der Markt der Luxus-Düfte

Wie oben beschrieben, geht es bei den Luxus-Düften nicht um das schnelle Geld, sondern um die Kunst der Parfümerie. Es gibt einige Kennzeichen, an denen man dieses High-Class-Segment erkennen kann:
1. Die Düfte sind meist unisex. Sie werden nicht eindeutig für Männer oder Frauen konzipiert.
2. Fast jedes Haus hat ein Thema oder ein Motto, das als roter Faden der Duftkollektion dient. Bei Hermès geht es um die Freiheit der Kreation, bei Dior um die Geschichte des Hauses, bei Chanel um die Poesie der Marke etcetera. Beim Neuzugang Yves Saint Laurent nennt sich die Linie "Le Vestiaire des Parfums" (>>>via Harrods), also die Garderobe des Monsieur Saint-Laurent. Der Name ist Programm: Es geht um eine olfaktorische Hommage an seine wichtigsten Kreationen. Jeder der fünf Düfte interpretiert jeweils ein stilprägendes Meisterwerk des  berühmten Designers. Konkret: Tuxedo, Caban, Sahariènne, Trench und Kaftan.
Die Inspirationen für die Kollektion "Vestiaire des Parfums" von Yves Saint Laurent
 
3. In den Düften stecken besonders edle Inhaltsstoffe. Diese müssen nicht unbedingt natürlich sein. Auch bei synthetischen Duftmolekülen gibt es große Qualitätsunterschiede. Welchen Vorteil hat dies? Der Duft, fast immer ein Eau de Parfum, hat eine hohe Duftkonzentration und ist dadurch beständiger. Wer morgens einen Duft dieses High-End-Segments aufsprüt, wird ihn meist noch abends riechen können.
4. Die Düfte sind nicht massentauglich, sprich sie polarisieren. Nicht jeder wird sie mögen und das ist auch gut so. Deshalb sollte man sich beim Kauf eines solchen Duftes Zeit lassen. Proben mitnehmen, zuhause riechen und dann erst kaufen. Großer Vorteil dieser Düfte: Man riecht nicht nach Krethi und Plethi. Und auch nicht wie die Nachbarin aus dem fünften Stock.
5. Die Düfte werden nicht beworben. Auch das ist schon mal was wert. Man muss sich mit keiner Hollywood-Schauspielerin identifizieren.
6. Die Düfte werden selektiv vertrieben. Meist kann man sie in den Flagshipstores der Marken, in großen Luxus-Kaufhäusern, wie KaDeWe, Le Bon Marché oder Harrod's, oder in Konzeptstores wie Colette oder 10 Corso Como kaufen. Die neue Duftlinie von YSL gibt es zum Beispiel für den deutschen Markt nur im KaDeWe in Berlin, oder online.
7. Die Flakons schauen fast bei allen Marken identisch aus. Schlicht, edel, kantig. Durch das stark reduzierte Design wird der Konsument auf das Wesentliche gelenkt. Hier geht es nicht um Design-Chichi, sondern um den Duft. Jedoch darf man sich nicht täuschen: So einfach die Flakons auch aussehen mögen, sie stecken voller dezenter und wohl überlegter Details. Bei Yves Saint Laurent zum Beispiel soll die schwarze Verschlusskappe an den Smoking-Stoff „Grain de Poudre“ erinnern und in der Kappe ist ein Magnet versteckt, der einen perfekten Verschluss des Flakons garantiert.
8. Die Luxusparfums gibt es fast immer nur in einer Größe und die ist ziemlich groß. Meist handelt es sich um 125 ml, manchmal sogar auch um 200 ml. Warum? Diese Düfte richten sich an Liebhaber, die nicht alle drei Sekunden einen neuen Duft aufsprühen, sondern ihren Duft dauerhaft leben. Dafür braucht man eine gewisse Menge.
9. Die Düfte kosten fast alle über 200 Euro. Eine Stange Geld. Das stimmt. Aber man muss es mal runterrechnen: Heute kosten viele 08/15 Parfums bei einer Standardgröße von 50 ml und einer Qualität von Eau de Toilette (also weniger stark konzentriert) bereits um die 60 Euro. Bei einer Menge von 125 ml. würden also diese Düfte um 150 Euro kosten und für dieses Geld hat man am Ende NUR ein Eau de Toilette. Unterm Strich sind die Luxusparfums daher fast schon billiger, weil man sie länger hat, man weniger verbraucht und vor allem die teure Werbung nicht mitbezahlt.

Wer tummelt sich im Markt der Luxusparfums?

Wer nun zu allererst da war, kann ich nicht sagen. Ich meine, dass Hermès Vorreiter war mit seiner Linie Hermèssence, aber verbürgen möchte ich mich dafür nicht. In dieser Liste findet ihr die bekanntesten Vertreter. Es gibt sicherlich noch mehr. Aber bei diesen schnuppern auch die Duftliebhaber, die neben den Nischenmarkt-Parfums auf der Suche nach edlen Kreationen sind.
 
Dior: Hier heißt die Luxussparte La collection privé Christian Dior. In dieser Reihe gibt es zwölf Düfte. Dior hat für diese Linie auch eine eigene Nase, also einen Hausparfumeur. Er heißt François Demachy.
Hermès: Wie eingangs erwähnt, nennt sich die Edel-Linie Hermèssence. Dort gibt es 13 Düfte. Gerade eben ist ein neuer dazugekommen: Muguet Porcelaine. Die Linie wird seit über 10 Jahren vom aktuellen Star der Parfümeure, Jean-Claude Ellena, kreiert.
Armani: Das Haus geht einen leicht anderen Weg und zwar den der limitierten Düfte. Die Luxuslinie namens Armani Couture Edition wird einmal pro Jahr aufgelegt und ist ratzfatz an Duft-Liebhaber ausverkauft . Wir haben erst vor kurzem die neueste Kreation vorgestellt. Hier geht's zum Artikel.
Chanel: Von den Les Exclusives de Chanel gibt es 16 Düfte. Die jüngste Kreation nennt sich Misia und soll an Misia Sert, eine bekannten Chanel-Muse, erinnern. Der zuständige Haus-Parfumeur ist der bekannte Jacques Polge.
Prada: Bei den Italienern gibt es gleich zwei Luxus-Duftlinien: Bei den Olfactories gibt es zehn Parfums, bei denen es um die Gegensätze von weiblich und maskulin geht. Bei den Infusions, einer Linie, die Klassiker neu interpretieren will, hat die Marke bereits sechs Parfums im Angebot.
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Yves Saint Laurent: Die neue Linie Le Vestiaire des Parfums ist mit fünf Düften in den Markt eingestiegen. Ich selbst benutze seit einiger Zeit das Parfum Trench, ein Komposition aus Zitrusnoten, Iris und Veilchen, das ebenso erfrischend wie subtil ist. Die Qualität des Parfums ist atemberaubend. Duftstreifen beduften einen Raum eine ganze Woche, morgens aufgesprüht, hält der Duft bis in den Abend an.
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Photo Credit: Archivbilder: Catwalkpictures, PR. Screenshots Websites Chanel, Dior

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