Barbaras Survival-Tipps für die Fashionweek

Ich erhole mich gerade. Es ist meine erste Woche nach der Fashionweek-Runde in Paris (Menswear, Haute Couture, Womenswear) – wieder eine Saison geschafft, puh. Es war meine 26-ste Saison. Insgesamt habe ich jetzt über 80 ModeWOCHEN hinter mir. Mein Fazit: Mit den Jahren wird man nicht jünger, aber erfahrener, wie man neun Tage Dauerlauf auf einer Fashion Week von einer Schau zur anderen übersteht. Ich habe inzwischen meine Tricks, die auch für jede andere, mehrtägige Stressveranstaltung exakt so anwendbar sind.

Wie schaut ein 08/15 Tag auf der Fashion Week aus?

Hier mal zur Orientierung, welches Pensum auf einer Modewoche zu bewältigen ist: Die Fashionweek-Tage beginnen in der Regel um 9 Uhr morgens – irgendwo in Paris. Sprich gegen 8.30 Uhr sollte man sich langsam auf den Weg machen. Das ist deshalb so knapp berechnet, weil ich immer eine Verspätung von 30 Minuten einplane: Keine Schau beginnt in Paris pünktlich. Untertags gibt es elf offizielle Schauen plus die Off-Schauen und Showroomtermine. Dazu kommen Kaffeetrink-Meetings mit Kollegen und Store-Checks, denn zur Modewoche gibt es in den Läden besonders viel Neues zu entdecken. So gegen 21.30 Uhr ist die letzte Show, danach gibt es irgendwelche Präsentationen, Shoperöffnungen oder Partys. Nach Hause kommt man in der Regel um Mitternacht. Zuhause angekommen, muss man Bilder runterladen, noch einen Post schreiben, alle technischen Geräte einstöpseln, damit sie über Nacht aufladen, sowie die Alltagsgeschäfte erledigen: Wäsche waschen, e-Mails sichten und beantworten, Küche aufräumen, was essen, Kinderspielzeug zusammensammeln etcetera.

Die Survival-Tricks

Fünf schlaue Tricks habe ich mir in den letzten Jahren angeeignet, um unter den oben genannten Bedingungen noch einigermaßen frisch auszusehen.

Einfarbigen Tag einlegen

Jeden Tag ein neuer, cooler Style. Jeden Tag nachdenken, was man anzieht. Jeden Tag häufen sich die morgens probierten und nicht in die Endrunde aufgenommen Test-Styles auf einem Haufen neben dem Schrank. In diesem Dressing-Stress braucht man mal eine Pause und die heißt: Make it simple. An einem Tag (oder gern auch mehrere während der Fashionweek) sollte man sich den Style so einfach wie möglich machen und einfach alles aus einer Farbe oder Farbfamilie wählen: The whole black, the whole blue, the whole white.
So geht's: Jeder von uns hat eine Lieblingsfarbe und davon viele verschiedene Klamotten im Schrank. Einfach reingreifen und alle Lieblingsteile übereinander ziehen. Es passt. Positiver Nebeneffekt dieses Uni-Stylings: Es macht schlank, schaut immer gut aus und man fühlt sich pudelwohl, weil man von Kopf bis Fuß in seiner Favoriten-Farbe eingekleidet ist.
Dass ich nicht alleine bin mit diesem Trick, ist schnell bewiesen. Ich habe so viele Streetstyles zum Uni-Look gefunden, dass ich sie in zwei Galerien aufteilen muss.
Die dunklen Uni-Styles
 
Die hellen und farbigen Uni-Styles
 

Concealer

Der wichtigste Helfer während einer Fashionweek ist ein Abdeckstift, neudeutsch "Concealer" genannt. Er verwischt morgens die Spuren der zu kurzen Nacht und zaubert ein bisschen Licht ins müde Gesicht. Concealer gibt es wie Sand am Meer, ich schwöre auf das Original: Touche Eclat von Yves Saint Laurent. Warum? Er ist dicker als andere, cremiger und füllt dadurch besser die kleinen Fältchen unter dem Auge, um den Mund und an der Stirnfalte auf. Durch diese Konsistenz werden auch Augenschatten besser abgedeckt. Ideal ist, zwei davon zu besitzen. Einer bleibt zuhause und einer kommt in die Tasche, so dass untertags mal nachgeschminkt werden kann. Bei Concealern, aber das muss ich niemanden mehr erzählen, sollte man immer einen Ton heller wählen als das normale Make-Up, um den "Glow"-Effekt zu erzeugen. Vom Touche Eclat gibt insgesamt zehn Nuancen. Da ich sehr blass bin, nehme ich die Nuance Soie Lumière (Nr. 1,5). Preis: um 35 Euro.
Modepilot-Survival-Tricks-Fashionweek
YSL Beauty Touche Eclat – das Original unter den Concealern

Eingelaufene Schuhe

Dieser Trick ist in wenigen Sätzen erklärt. Man darf niemals, ich wiederhole: niemals NEUE Schuhe auf einer Fashionweek anziehen. Ausnahme: Man hat einen Chauffeur. Den habe ich nicht und daher bleibe ich meinen eingelaufenen Schuhen treu. So schaffe ich es, neun Tage auf High-Heels hinter mich zu bringen, tagtäglich mehrere Kilometer zu laufen oder Fahrrad zu fahren. Selbst bei trendigen, flachen Schuhen ist Vorsicht geboten: Auch in flachen, neuen Tretern hat man sich schnell eine Blase gelaufen. Ist die Blase einmal da, werden selbst gut eingelaufene Schuhe plötzlich unbequem und drücken. Folge: Das Laufen auf der Fashionweek wird zur Qual.
Wer absolut ein neues Paar – gekauft kurz vorher, ohne Zeit zum Einlaufen – ausführen möchte, sollte sich den letzten Tag dazu aussuchen. Wie die Füße danach aussehen und ob sie schmerzen, ist dann nicht mehr wichtig.
Denkt daran: Vor einer langen Bergwanderung müsst ihr in der Regel die neuen Bergschuhe einlaufen. Genau das Gleiche gilt für die Modewoche. Also wenn schon neue Schuhe, dann drei Wochen vorher kaufen und einlaufen.
 

Roter Lippenstift

Ein richtig roter Lippenstift ist ein Eye-Catcher und ein ideales Mittel, den Blick abzulenken. Weg von den Augenringen, dem fahlen Teint, den müden Augen. Er wertet auch jedes Outfit auf und ist oft das i-Tüpfelchen eines Looks. Ich mag zum Beispiel sehr gerne die Armani Lippenstifte. Tolle Qualität, gute Konsistenz, halten lange und haben sehr schöne Röttöne, zum Beispiel Nr. 502. Insgesamt gibt es 27 verschiedene Nuancen der Armani Lippenstifte. Die Verpackung ist sehr edel und beim Nachschminken muss man sich damit nicht verstecken. Preis: um 35 Euro.
 

Statement-Dress

Der letze Trick: Ich bin ein überlegter Käufer, mache Trends nur mit, wenn ich absehen kann, dass sie mindestens drei bis vier Saisons durchhalten und Jahre später ein Revival in Aussicht ist. So muss ich während einer Modewoche aus meinen Beständen schöpfen. Als Nicht-Streetstyle-Star bekomme ich auch vorher keine Kisten voller Trendklamotten von den Firmen zugesandt. Wer in dieser glücklichen Lage ist, muss sich um sein Styling kaum Sorgen machen. Viel schwieriger, also auch viel anspruchsvoller ist es, mit seinen Schrankbeständen modisch auszusehen. Bei mir klappt das in der Regel ganz gut (soweit das Feedback meiner Umgebung), dennoch leiste ich mir oft vor der Fashionweek ein günstiges Teil, mit dem ich einen aktuellen Top-Trend befriedigen kann.
Diesmal habe ich mir bei Zara dieses Blumenkleid aus 100 Prozent Viskose gekauft, um dem romantischen Gucci -Trend (der im Übrigen voll mein Ding ist und das Zeug hat, sich dauerhaft zu etablieren) Genüge zu tun. Das Kleid kann man knöchellang tragen, besser ist es jedoch, das Kleid mit  einem Gürtel auf Midi-Länge anzuheben. Wichtig: Es muss eng sitzen (meins ist XS), damit es nach Gucci oder der neuen Saint-Laurent-Palladium-Kollektion (wir berichteten) aussehen soll. Damit habe ich den Trend für rund 50 Euro in meinen Schrank gebracht. Schlau ist, das Kleid mehrmals in der Woche zu tragen: am Anfang und gegen Ende. Da erinnern sich Viele nicht mehr, dass man es schon einmal anhatte und man sieht mehrmals topmodisch aus.
Modepilot-Survival-Tricks-Fashionweek
Zara-Blumen-Kleid aus 100% Viskose für 49,95 Euro
Wie gesagt: Alle Tricks eignen sich auch für Konferenz-Wochen, Business-Dauermeetings oder mehrtägige Betriebsaufflüge. Oder für den Urlaub mit modischen Party-Mäusen. Die Probleme, wie "zu wenig Schlaf", "Schlaffheit" und "Styling-Stress" sind die gleichen.
Photo Credit: Catwalkpictures, Barbara Markert für Modepilot, Screenshot Armani und YSL Beauty Websites

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