Balmain steht zum Verkauf

Wer gehört wem? Diese Frage stellt man sich oft bei den Modehäusern. Meist lautet die Antwort LVMH oder Kering, alternativ kann es auch Richemont oder die Hongkonger Li & Fung Gruppe sein. Balmain – und das weiß ich auch erst seit heute – gehört jedoch keinem der Genannten. Wem dann? Die Antwort lautet: Alain Hivelin, bzw. seinen Erben.

Die wollen nun, rund ein Jahr nach dem Tod des Eigentümers und gemäß des Nachrichtenmagazin Les Echos, die Kontrolle abgeben. Angeblich wurde die Geschäftsbank Bucéphale Finance mit dem Verkauf beauftragt. Familiennahe Minderheitsgesellschafter seien ebenfalls bereit, ihre  Anteile im Gesamtwert von 30% abzugeben.

Balmain wurde 1945, also direkt nach Kriegsende, gegründet. Nach erfolgreichen Zeiten erlebte das Haus nach dem Tode des Gründers Pierre Balmain schwierige Jahren. Zeitweise rutschte das Unternehmen sogar in die Insolvenz. Nach einer Krise Anfang 2000 gelang Balmain 2006 unter dem Designer Pierre Decarnin (heute bei Faith Connexion, einer anderen Firma von Hivelin) und dank einer radikalen Restrukturierung die Wende. Decarnin reaktivierte auch wieder die Herrenkollektion der Marke.

 

Modepilot-Balmain-Verkauf

Olivier Rousteing

 

Nach dem Ausstieg Decarnins 2011 aus privaten Gründen (Man sprach damals schon von einem Burn-Out des Designers.) übernahm seine rechte Hand Olivier Rousteing die Kreativleitung und führte das Label zu einer neuen Blüte – vor allem dank einer schlauen Social-Media-Strategie. Der Designer selbst hat eine treue Fangemeinde von 2,3 Mio. Instagram-Fans (mehr als Karl Lagerfeld) und bucht vor allem In-Models mit einer noch größeren Fangemeinde für seine Kampagnen. Mega-Stars wie Beyoncé und Rihanna zählen heute zum Kundenstamm. Eine Kooperation mit H&M im Jahr 2015 übertraf alle Erwartungen. Wir berichteten –>

Hier die stärksten Modelle aus der im Januar gezeigten Menswear und Prefall Women.

Aktuell ist eine Kinder-Linie geplant, die im Gegensatz zu vielen anderen Designer-Kidswear-Linien (6 bis 14 Jahre) nicht outgesourct werden soll, sondern „inhouse“, also von der eigenen Designabteilung, erarbeitet wird. Sie soll im Juni in die Läden kommen und anfangs über den e-Shop vertrieben werden.

 

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Balmains neue Kids-Kollektion

 

Bei Balmain denkt man also weiter an Expansion. Der Umsatz liegt derzeit bei rund 120 Mio. Euro, das ist dreimal mehr als noch vor acht Jahren, weiß Les Echos. Balmain ist also wieder etwas wert. Laut des französischen Nachrichtenmagazins haben sich deshalb auch bereits erste Interessenten gemeldet, allen voran Investmentfonds aus Frankreich, England und Asien. Der Wert des Modehauses und der Marke wird auf 300 bis 400 Millionen Euro geschätzt. Ob die eingangs erwähnten Luxuskonzerne LVMH, Kering, Li & Fung auch mitbieten, ist derzeit nicht bekannt. Sicher ist aber, dass wir bald schon wieder fragen müssen: Wem gehört Balmain?

 

Photo By: Catwalkpictures, Kidsbild: Balmain PR

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